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Eine Hymne auf Giesing und seine Schattenseiten ‒ Hans Well im Interview über Miete und die Paulaner-Brauerei

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Von: Katrin Hildebrand

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Hans Well und seine Kinder prangern die Gentrifizierung Giesings an.
Hans Well und seine Kinder prangern die Gentrifizierung Giesings an. © Martin Bolle

Mietpreise, Gentrifizierung und die Paulaner-Brauerei - Ex-Biermösl-Blosn-Kopf Hans Well besingt mit seinen drei Kindern die Schattenseiten von Giesing.

Mietwucher, Bonzen, GBW-Skandal: In „Kara vo Giasing“ prangert die Familienband Wellbappn die Gentrifizierung des Quartiers an. Das Video ist auf YouTube. Hallo sprach mit Bandchef und Vater Hans Well, der als einziges Mitglied auf dem Land lebt.

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*HalloMuenchen.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA. © Hallo München

Hans Well im Hallo München-Interview über seine Giesing-Hymne und die Paulaner-Brauerei 

Herr Well, woher kam die Idee zum Lied?

Bei den Fahrten zu meinen Kindern fuhr ich oft an den metastasierenden Gebäuden am ehemaligen Paulaner-Gelände an der Grenze der Au zu Giesing vorbei. Da kosten 70 Quadratmeter 1,2 Millionen Euro! Das ist für normale Münchner nicht so ganz leicht aufzubringen (lacht). Viele werden über den Anstieg der Mietpreise aus der Stadt vertrieben. Ein schwerer Schlag war auch der GBW-Skandal von 2013: Das hat vor allem auch Giesings Mieter getroffen.

Was bedeutet der Titel?

Die „Kara vo Giasing“ wurde inspiriert durch „I bin der schöne Kare“ vom Münchner Volkssänger August Junker. Der Kare ist so eine Arbeiter­stenz-Figur aus Giesing.

Im Song attackieren Sie auch die Paulaner-Brauerei ...

Das Lied sollte eigentlich anlässlich des Starkbieranstichs erscheinen. Paulaner ist doch heute ein Feigenblatt für die Schörghuber Gruppe, also ein Immobilienunternehmen. Bei den großen Brauereien geht es oft nicht mehr ums Bier, sondern um Immobilien.

Und die kann sich heute in München kein normaler Mensch mehr leisten.

Die Verdrängung der Mieter begann in Schwabing, dann schwappte sie auf Haidhausen über, nun ist Giesing dran. In Wien ist das anders. Da gehören sehr viele Wohnungen der Stadt. Bei uns gibt es zwar Wohnungen mit sozialer Preisbindung, aber die fallen meist nach 25 Jahren aus der Bindung heraus. Das ist der Fehler.

Gab es eigentlich eine Reaktion von Paulaner?

Die wissen gar nichts von dem Stück. Wir würden das Lied natürlich gerne mal am Nockherberg spielen. Aber das wird nie passieren. Dazu müssten wir vorher unsere Texte mit der Brauerei abstimmen. So ist das nämlich dort üblich. Ich hoffe allerdings auch bei Paulaner auf den Warsteiner-Effekt. Warsteiner drohte uns 2003 mit einer Klage. (Anm: Die Biermösl Blosn, die Hans Well bis 2012 mit seinen Brüdern Michael und Stofferl betrieb, hatte sich damals in einem Lied und darauf folgenden Briefwechsel nach Anzeigedrohung über Warsteiner lustig gemacht) Tät mich schon freuen, wenn auch Paulaner auf unser Lied schreibt.

Im Video zu sehen ist auch Ministerpräsident Markus Söder, wie er sich köstlich am Nockherberg amüsiert. 

Ja, da haben wir ein besonders schönes Söder-Bild ausgesucht … (lacht) Der Verkauf der GBW betraf damals 33 000 Wohnungen und 80.000 Mieter. Viele von ihnen wurden bald darauf mit immensen Mietsteigerungen konfrontiert. Meine Kinder haben in München studiert und wohnen heute in einer WG in Haidhausen. Die haben die Münchner Mietmisere natürlich mitbekommen. 

Wo haben Sie überall gedreht?

Einmal in einer Straße in Untergiesing, wo ein Mietwohnungsblock steht. Die Kneipenszenen sind in der Kneipe „Schwarzer Hahn“, also eigentlich in der Au, entstanden. Und einmal drehten wir direkt neben der Baustelle des alten Paulaner-Geländes – da treten wir als Straßenmusiker auf. Im Hintergrund sieht man die Skelette der Luxus-Neubauten. Ich kenne mich mit Bauen aus, weil ich immer wieder denkmalgeschützte Gebäude renoviert hab. Am Nockherberg sieht man, was verbaut wird: Beton, Plastikfenster und Styropordämmung. Das ist höchstpreisige Billigstbauweise.

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