Interview zum neuen Album „Heile Welt“

Hannes Ringlstetter: „Mei, I bin kein einfacher Mensch“

Hannes Ringlstetter trinkt einen Espresso
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„Es freut mich, dass ich so viel Arbeit hab. Aber ich versuch auch, mich zurückzuziehen. Privat ist wirklich privat“, sagt Hannes Ringlstetter.
  • Claudia Theurer
    vonClaudia Theurer
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Der Musiker, Schauspieler und Kabarettist eckt immer mal wieder an. Trotzdem besingt er mit seiner Band auf seiner neuen CD die „Heile Welt“. 

  • Der Musiker, Schauspieler und Kabarettist Hannes Ringlstetter hat ein neues Musik-Album aufgenommen.
  • Darauf besingt er die „Heile Welt“.
  • Im Interview spricht er über das Album, Heimat, seine besten Freunde und verrät, was er von Dieter Bohlen und Thomas Gottschalk hält 

Herr Ringlstetter, Ihre neue CD heißt „Heile Welt“. Ist das in der jetzigen Zeit Zynismus, Mut, Verzweiflung? Oder wie der Bayer sagt: Jetzat grad erst recht?

Zynismus auf keinen Fall. Die heile Welt ist quasi ein Sehnsuchtsort. Das hat mit Corona nicht viel zu tun. Auf der einen Seite ist es Hoffnung, auf der anderen soll es ein ironischer Bruch sein, weil klar ist, dass es die heile Welt nicht mehr gibt.

„I find mi nimmer, bin heimatlos...“ heißt eine Zeile. Was bedeutet Ihnen Heimat?

Heimat ist für mich in erster Linie ein total überreizter Begriff. Wir können unsere Erdung nur durch unser Zuhause vermitteln. Das ist da, wo man die Leute, die Gerüche und die Landschaft kennt. Heimat ist für mich der Ort, an dem man sich immer wieder aufs Neue abarbeiten und neu gestalten muss.

An anderer Stelle heißt es: „I kann zickiger als a jede Frau sa“. Muss man da Angst vor Ihnen haben?

(lacht) Mei, I bin kein einfacher Mensch. Frauen unterstellt man das. Aber i bin auch schwierig. Ganz ehrlich: Das heutige Frauenbild nervt mich.

In München geboren, in Straubing aufgewachsen, jetzt wohnen Sie im Westend. Wo schlägt Ihr Herz hin?

Stadt ist Leben. Im Moment sind die Städte ja alle richtig spooky. Das ist anders auf dem Land. Zur Zeit lebe ich in der Nähe von Regensburg. Ich koche dort, arbeite viel, kann aber ohne Trauer nicht in die Lokale. Es ist besser, dass I weg bin.

Heimatsound“ ist seit vielen Jahren in Bayern angesagt. Ist das Sehnsucht, Kitsch, oder die Lust aus der Mischung von Tradition oder Moderne?

Es ist gut, dass wir so eine Selbstverständlichkeit erreicht haben. In den 90er-Jahren waren wir da noch außerirdisch. Was mich stört, sind die Klischees wie Boazn und Bier. Was die „Cuba-Boarischen“ gemacht haben, ist einfach wunderbar. „Koflgschroa“ kommen ja auch daher. Unsere Wurzeln kommen aus der Volksmusik. Und ich finde es super, dass wir aus der Tradition kommen. Dialektmusik gab’s schon bei BAP. Es gibt Superbands, die jetzt auch auf Englisch singen.

Könnten Sie sich vorstellen, eine CD auf Hochdeutsch aufzunehmen?

Ja schon. Ich hatte mal eine CD mit englischen Covers drauf. Aber die Taktung ist einfach härter. Die „Sportfreunde Stiller“ meinten einmal, dass meine Stimme zu weich ist für hochdeutsch. Grundsätzlich könnte ich mir das schon vorstellen. Es hätte einen gewissen Reiz. Aber meine Gefühle in der Hochsprache zu formulieren, da glaube ich, kämen ganz komische Sachen raus.

Wie gehen Sie mit Autoritäten um? Sind Sie ein kleiner Anarchist?

Ich bin ein konservativer Anarchist. Notfalls schmeiße ich alles übern Haufen. Ich hatte schon in der Schule damit Probleme. Und wenn die Lehrer nicht begründen konnten, warum und wieso, bin ich grantig geworden. Da bin ich immer wieder mal angeeckt. Das behalte ich bei.

Was sind Sie lieber: Musiker, Schauspieler, Kabarettist oder Moderator?

Ich habe das Glück, dass ich in der Vielfalt arbeiten darf. Die Musik gibt mir am meisten. Sie ist am nächsten bei mir.

Wie gehen Sie mit Ihrem Erfolg um?

Grundsätzlich beruhigt er mich und vertreibt meine Existenzängste. Es freut mich, dass ich so viel Arbeit hab. Aber ich versuch auch, mich zurückzuziehen. Privat ist wirklich privat. Und ich freue mich immer, dass die Leute mögen, was ich mache. Dass sie berührt sind und es ihnen etwas bedeutet.

Ich stell mir immer vor, wenn man Sie als Freund hat, kann man sich keinen besseren wünschen, ist das so?

Ja, das stimmt. Ich kenne die meisten meiner Freunde aus der Jugendzeit. Sie sind schon alt. Aber ich empfinde immer Empathie für sie. Ich bin ein verlässlicher Freund und pflege Freundschaften.

Letzte Frage: Lieber Dieter Bohlen oder Thomas Gottschalk?

Puuhh. Gute Frage. Bohlen ist nicht meins. Ich habe Gottschalk früher verehrt. Er ist eine Allzweckwaffe geworden und sollte eigentlich das Alter entspannter angehen.

Zur Person

Der gebürtige Münchner Hannes Ringlstetter wuchs im niederbayerischen Straubing auf. Schon während seines Studiums der Germanistik und Geschichte in Regensburg machte der heute 51-Jährige zehn Jahre lang Musik mit seiner Gruppe „Schinderhannes“. Danach folgten Kabarett, Fernsehen („Hubert und Staller“) oder Ottis Schlachthof. Seit 2016 moderiert er zusammen mit Caro Matzko die wöchentliche Late-Night-Show „Ringlstetter“. Er lebt im Westend und in der Nähe von Regensburg.

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