„Wir sind Einzelkämpfer“

HALLO-Interview mit Unterhachings Schiedsrichter-Obmann Nico Keiser

Bei der SpVgg Unterhaching werden nicht nur Fußballer ausgebildet, sondern auch Schiedsrichter. Die Ausbildung umfasst einen theoretischen und einen praktischen Teil. „Die wirkliche Ausbildung“, sagt Obmann Nico Keiser, „kriegt man aber ohnehin auf dem Platz.“
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Bei der SpVgg Unterhaching werden nicht nur Fußballer ausgebildet, sondern auch Schiedsrichter. Die Ausbildung umfasst einen theoretischen und einen praktischen Teil. „Die wirkliche Ausbildung“, sagt Obmann Nico Keiser, „kriegt man aber ohnehin auf dem Platz.“

Zirka 75.000 Schiedsrichter sind Woche für Woche im Einsatz, damit pro Saison 1,5 Millionen Fußballspiele in ganz Deutschland stattfinden können. Die Spielvereinigung (SpVgg) Unterhaching leistet sich eine eigene Abteilung für die Regelhüter. Verantwortlicher Obmann ist Nico Keiser, aktueller Landesliga-Schiedsrichter und als Schiedsrichter-Assistent bis zur Regionalliga im Einsatz. HALLO hatte da mal ein paar Fragen...

HALLO: Warum sind Sie Schiedsrichter geworden? 

Nico Keiser: Mich hat die Aufgabe schon immer fasziniert. Man muss das Regelwerk beherrschen, körperlich fit sein und ein Spiel leiten können. Es bringt einen auch als Persönlichkeit weiter, man bekommt ein erhöhtes Selbstvertrauen und Durchsetzungsvermögen. Am Anfang hat es auch ein wenig das Taschengeld aufgebessert. Zudem hat man als Schiedsrichter den Vorteil, umsonst zu Bundesligaspielen zu kommen.


Welche Ausbildung braucht ein Schiedsrichter denn so? 

Erst kommt der Neulingskurs. In meiner Schiedsrichter-Gruppe München Süd dauert der aktuell fünf Tage. Nach Bestehen der theoretischen Prüfung , also dem Regeltest, und der praktischen Prüfung, dem Lauftest, ist man offiziell Schiedsrichter. Die wirkliche Ausbildung kriegt man auf dem Platz. Anfangs ist noch ein erfahrener Schiedsrichter als Pate dabei. Zudem gibt es regelmäßig Versammlungen und Fortbildungen in der Schiedsrichter-Gruppe.

Die Schiedsrichter-Abteilung bei der Spielvereinigung Unterhaching ist schon ungewöhnlich, oder? 

Es ist wirklich positiv, dass sich der Verein so für die Schiedsrichter engagiert! Im Bayerischen Fußball-Verband muss jeder Verein eine gewisse Sollzahl an Schiedsrichtern stellen, sonst zahlt er Strafe. Mit aktuell 22 Schiedsrichtern gehen wir in Unterhaching aber weit darüber hinaus. Wir haben eine gesunde Mischung: qualifizierte Schiedsrichter in diversen Spielklassen, einige junge Schiedsrichter in den Junioren-Spielkassen sowie erfahrenere Schiedsrichter, die sich um die Förderung kümmern. 

Sind die beiden Farbkarten und das Pfeiferl eigentlich Privatbesitz? 

Anfänger erhalten eine gelbe und eine rote Karte, eine Uhr, eine Wählmarke sowie die Pfeife, dazu eine Erstausrüstung mit Trikot, Hose und Stutzen. Meist haben wir mehr Trikotfarben als das traditionelle Schwarz dabei, um den Farben der Mannschaften ausweichen zu können. Die Kollektionen wechseln zudem alle zwei Jahre. Dazu gibt’s noch die so genannte Spielnotizkarte und ab der Bezirksliga kommen Funkfahnen zum Einsatz, bei denen der Assistent zusätzlich ein akustisches Signal geben kann. Mittlerweile etabliert sich das Head-Set, mit dem wir während des Spiels einfacher kommunizieren können. Dann noch Schuhe und Trainingsklamotten. Die SpVgg Unterhaching greift ihren Schiedsrichtern hier unter die Arme.


Wie viele Kilometer läuft so ein Schiedsrichter pro Spiel? 

Bis zu zehn Kilometer! Wir müssen ja ständig beim Geschehen sein. Unser Fitness-Zustand wird auch immer wieder überprüft.

Haben Fehlentscheidungen eigentlich Folgen? 

Wir werden regelmäßig bewertet und arbeiten unsere Spielleitungen auf. Die Beobachter sind meist Ex-Schiedsrichter, die hier vom Verband eingesetzt sind. Auch bei uns gibt es am Ende der Saison eine Tabelle. Die Besten dürfen nächste Saison eine Liga aufsteigen.

Was ist die derzeit schwierigste Regel auf dem Feld? 

Das ist für mich das Handspiel. Hier sind die Grenzen oft fließend und es ist nicht immer leicht zu erkennen, ob Absicht im Sinne der Regel vorliegt oder nicht.

Ihr bisher bedeutendstes Spiel? 

Der Einsatz als Schiedsrichter-Assistent beim Spiel FC Bayern Allstars gegen Manchester United Legends unter der Leitung des ehemaligen FIFA-Schiedsrichters Bernd Heynemann in der ausverkauften Allianz-Arena.

30 Grad Hitze und Verlängerung: Die Spieler werden in den Pausen massiert und gekühlt – wer kümmert sich da eigentlich um den Schiri?

Das ist eine gute Frage! Als Schiedsrichter ist man trotz der tollen Schiedsrichter-Gemeinschaft eher Einzelkämpfer.

Von all den Sprüchen und Witzen über Schiedsrichter – haben Sie einen Favoriten oder etwas, was Sie so gar nicht mehr hören können?

Den Klassiker „Schiri, wir wissen, wo dein Auto steht!“ finde ich immer noch gut, aber wohl nur deshalb, weil zumeist der Wahrheitsgehalt der Aussage eher zu bezweifeln ist. 

Interview: Carmen Ick-Dietl

Kontakt

Wer gerne Schiedsrichter bei der SpVgg Unterhaching werden möchte, darf gerne mit dem Obmann Kontakt aufnehmen. Unter E-Mail nico.keiser@spvggunterhaching.de beantwortet Nico Keiser gerne Fragen zu dem Thema.

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