Interview mit der neuen Leiterin der Jagdfeld Grundschule Haar 

Friedl: „Hier sät man die Samen, die später blühen“

Carolin Friedl ist die neue Schulleiterin an der Jagdfeldschule in Haar.
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Die Vorfreude ist groß: Schulleiterin Carolin Friedl kann es kaum erwarten, die neuen Räume der Jagdfeldschule zu beziehen. Bisher muss sie allerdings noch vor dem Bauzaun posieren.

Mitten in der Coronakrise hat Carolin Friedl ihre neue Stelle als Schulleiterin der Jagdfeld Grundschule angetreten. Seither ist einiges passiert. Es gab einen Wasserohrbruch, und die Schülerprognosen stimmen auch nicht mehr. Mit HALLO sprach die 43-Jährige über ihre ersten Monate als Rektorin in der Haarer Grundschule.  

HALLO: Seit dem 1. August müssen Sie sich ja gleich zwei neuen Herausforderungen stellen: Der Übernahme der Leitung der Jagdfeld Grundschule in Haar und den neuen Corona-Maßnahmen. Da kann man schon mal ins Straucheln kommen, oder?
Friedl: Im August war Corona schon nicht mehr ganz neu und auch an der Schule, an der ich vorher als Konrektorin tätig war, gab es bereits ein Hygienekonzept. So hat es mich also nicht völlig unvorbereitet getroffen. Ich habe außerdem eine sehr gute Grundlage von der vorherigen Leiterin, Juliane Dworzak, und dem gesamten Schul-Team übernehmen können. Aber natürlich gibt es immer wieder Änderungen, da muss ich flexibel bleiben. Corona ist jetzt ein Fixpunkt für mich, der im Moment bei vielem, was ich organisiere, berücksichtigt werden muss.

Aber viele Eltern sind derzeit verunsichert, weil sich ständig etwas ändert oder die Schule jederzeit wegen Corona geschlossen werden könnte. Bekommen Sie da nicht viele panische E-Mails und Anfragen besorgter Eltern?
Meine Idee von Elternarbeit ist, dass man diese in alle Prozesse, die die Schule betrifft, mit einbezieht. Vor allem müssen die Eltern immer informiert werden. So wie etwa über das neue Corona-Rahmenkonzept. Der Austausch funktioniert wirklich gut und Rückfragen sind absolut berechtigt. Das bringt mich dann auch noch oft auf neue Aspekte. Ich bin darüber hinaus selbst Mutter von zwei Kindern, im Alter von 19 und 16 Jahren, und kann daher gut verstehen, wenn Eltern sich Sorgen machen und manchmal auch kritisch nachfragen.

Nun ist ja kürzlich ein Wasserschaden im Neubau der Schule entstanden. Noch bevor dieser fertig ist. Hat das irgendwelche Auswirkungen auf Ihre Arbeit?
Daraus resultiert für uns eine Verzögerung des Umzugs. Im Moment ist Ostern 2021 angedacht, statt Weihnachten 2020. Da wir derzeit mit unseren 21 Klassen im alten Gebäude gut zurechtkommen, haben wir aber keinen Zeitdruck. Im Moment gibt es noch keinen Platzmangel. Aber natürlich wäre es schön gewesen, früher in das neue Gebäude zu ziehen. Ich habe es jeden Tag vor Augen und freue mich schon darauf.

Da kommt es Ihnen wohl auch entgegen, dass die ursprünglich errechneten Schülerprognosen wohl doch nicht stimmen und in den kommenden Jahren weniger Schüler nachkommen als erwartet.
Also, den Platz haben wir ja definitiv ab dem kommenden Schuljahr und dann nehmen wir gerne jeden Schüler auf, der zu uns kommt. Wie viele es dann werden, das wird sich zeigen.

Man merkt, dass Sie nicht viel aus der Ruhe bringen kann. Was braucht man neben Stress-Resistenz noch, um ein guter Lehrer oder Schulleiter zu sein?
Für mich war Schule immer ein toller Lebensraum, in dem ich mich schon als Schülerin gerne aufgehalten habe. Die Atmosphäre grundsätzlich zu mögen, ist daher eine wichtige Voraussetzung. Es gibt ja Menschen, bei denen weckt die Schule nicht nur gute Erinnerungen. Das war bei mir nie so. Schule war immer ein Fixpunkt in meinem Leben und ich komme bis heute gerne jeden Tag hin. Ich habe die Gemeinschaft immer als etwas Positives wahrgenommen. Außerdem ist das ein Beruf, in dem man viel gestalten kann. Man sät hier Samen, die irgendwann mal blühen und wenn Jahre später positive Rückmeldungen von Schülern kommen, dann ist das einfach toll.

Kommt es oft vor, dass Schüler Sie später wieder aufsuchen?
Ja, vereinzelt natürlich, aber man bekommt immer wieder mal Besuch von ehemaligen Schülern. Das tut wahnsinnig gut, vor allem wenn dies von Schülern kommt, bei denen es eigentlich gar nicht so gut lief. Ich bin fest davon überzeugt, dass es für jeden Menschen den richtigen Weg gibt, auch wenn der mal etwas kurviger verläuft. Daher muss man für diesen Beruf Freude und Vertrauen in die Menschen haben. Daraus kann man viel Energie schöpfen.

Wie sieht eigentlich der Alltag einer Schulleiterin aus?
Das ist vor allem sehr viel Organisation. Ich stehe immer mit der Gemeinde im Kontakt, jetzt vor allem wegen dem Neubau, aber auch wenn es um die Ausstattung oder Profilbildung der Schule im Allgemeinen geht. Und natürlich auch mit dem Elternbeirat, der ja das Bindeglied zwischen Eltern und Schule ist. Hinzu kommt das Planen der Lehrerkonferenzen und die Begleitung der Lehrer bei ihrer Arbeit.

Kannten Sie die Gemeinde Haar schon vorher oder sind Sie völlig neu hierhergekommen?
Ich selbst wohne in Sauerlach und komme ursprünglich aus Oberhaching. Zuletzt habe ich einen Abstecher in die Stadt gemacht und war Konrektorin an einer Schule in Giesing. Haar war schon ein Begriff für mich, aber richtig kennengelernt hab ich die Gemeinde erst jetzt. Natürlich bin ich auch alles sofort abgefahren, als ich wusste, dass ich hier arbeiten werde und habe mir ein Bild von der Gemeinde gemacht.

Und wie lautet Ihr Urteil?
Also, das Einkaufszentrum gegenüber der Schule habe ich gleich mal für mich entdeckt und bin happy, dass die kulinarische Versorgung auf jeden Fall sichergestellt ist (lacht).
Darüber hinaus klappt die Zusammenarbeit mit dem Rathaus sehr gut. Dort wurde ich wirklich mit offenen Armen empfangen, daher fühle ich mich sehr wohl. Das ist wirklich ein schöner Ort zum Arbeiten.

Interview: Lydia Wünsch

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