Interview und Verlosung

Hallo Interview mit dem Autor Friedrich Ani: Gewinnt zudem Tickets für das Krimifestival!

Schriftsteller Friedrich Ani – hier im Juni bei einer Kundgebung gegen die Abschiebung von jugendlichen Flüchtlingen.
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Schriftsteller Friedrich Ani – hier im Juni bei einer Kundgebung gegen die Abschiebung von jugendlichen Flüchtlingen.

München: Einsame Edelfeder: Erleben Sie den Star-Autor Friedrich Ani live – und im Interview!

Der bekannte Autor liest zur Eröffnung des Krimifestivals an seiner alten Ausbildungsstätte, dem Münchner Merkur. Wie es ihm dabei geht, warum er die Mitgliedschaft beim FC Bayern gekündigt hat und was sein Engagement für Flüchtlinge mit seinem Vater zu tun hat, verrät der Giesinger im Hallo -Interview.
von Maren Kowitz

Sie haben beim Münchner Merkur eine Ausbildung zum Zeitungsredakteur gemacht. Jetzt lesen Sie dort in der Alten Rotation zur Eröffnung des Krimifestivals. Werden Sie dabei nostalgisch?

Aber sicher. Es kommt mir vor, als wäre es länger her als 30 Jahre. Damals wurde noch mit Blei gesetzt. Ich erinnere mich noch an die Gerüche nach Blei und Papier und das Gewusel, das herrschte, wenn jeden Tag die Zeitung gemacht wurde. Das waren lustvolle Momente. Ich habe viel gelernt – handwerklich und über Zusammenarbeit, das Kollegiale. Ich wusste damals, dass wenn ich je vom Schreiben leben können würde, ich noch einzelgängerischer werden würde als ohnehin.

Fühlen Sie sich einsam?

Ja, aber ich gehe dem Beruf nach, den ich immer machen wollte. Da ist blöderweise eine der Grundbedingungen, dass man alleine in seinem Zimmer bleibt. Es entspricht mir auch. Auch in den Redaktionen war ich ein Einzelner. Ich habe es genossen, dass die anderen da waren, aber ich habe nicht auf Kumpel gemacht.

Ihr neuer Protagonist, der pensionierte Kommissar Jakob Franck, ist auch Einzelgänger...

Naja, Jakob Franck lebt allein, weil er geschieden ist, aber er zelebriert es nicht. Er ist gerne unter Menschen. Das ist auch der Grund, warum er nach seiner Pensionierung noch für die Polizei arbeitet – als Überbringer von Todesnachrichten.

Der wohl schlimmste Moment für die Angehörigen. Haben Sie selbst Erfahrungen mit dem Tod gemacht?

Jeder Autor hat Momente in seiner frühen Zeit, die ihn im Herzen geprägt haben und die sich in die Erinnerung eingebrannt haben. Da gibt es bei mir zwei, drei – zum Beispiel, als mein Großvater, an dem ich sehr hing, gestorben ist. Damals durfte ich aber nicht mit den Erwachsenen trauern, sondern wurde alleine aufs Zimmer geschickt. Die Gefühle damals rufe ich wieder hervor, bringe verheilte Wunden wieder zum Bluten, um darüber schreiben zu können. Danach geht es mir nicht besser oder schlechter, aber diese Erlebnisse sind prägend für die jeweilige Stimmung meiner Hauptfigur.

Die meistens sehr schwermütig ist. Würden Sie Ihre Bücher als Urlaubslektüre am Strand lesen?

Ich denke schon. Ich mag solche Bücher, die etwas melancholisch sind und einen herausfordern als Leser. Bei denen man nicht sagt, ich lese noch 20 Seiten, weil irgendwelche skandinavischen Serienmörder umherlaufen. Wenn ich nur einen Krimi will, kann ich auch fernsehen. Es gibt genug spannende und unterhaltsame Fernsehkrimis, da brauche ich nicht das Gleiche in Buchform.

„Der namenlose Tag“ – der erste Fall für Jakob Franck – wurde gerade für das ZDF verfilmt, von dem Oscar-Preisträger Volker Schlöndorff. Wie kam es dazu?

Er fand den Roman toll und wollte ihn unbedingt machen. Ein großes Kompliment für mich und uns alle im Verlag. Der Film hat Premiere im Oktober beim Hamburger Filmfest. Ich finde, er ist klasse geworden, und Thomas Thieme als Jakob Franck ist fabelhaft.

Sie schreiben selbst Drehbücher. Wieso nicht für die Film­adaptionen Ihrer Bücher?

Ich könnte das nicht – meine Romane zerlegen und neu zusammensetzen, damit die Handlung in 90 Minuten passt. Für Schlöndorff habe ich allerdings noch zwei kurze Szenen geschrieben, die er unbedingt haben wollte und die nicht im Roman stehen.

Sie wollten immer mal einen Tatort beim FC Bayern schreiben. Wie sieht es aus?

Das versuche ich weiterhin. Aber man kriegt keine Drehgenehmigung für das Stadion. Und ein Film über den FC Bayern ohne Spielszenen ist eigentlich doof.

Sie sind letztes Jahr beim FC Bayern ausgetreten, als er vom BR Geld für die Übertragung der Meisterfeier verlangt hat. Werden Sie jetzt Sechz’ger?

Praktisch wäre es – ich wohne quasi nur eine Straße vom Grünwalder Stadion versetzt. Aber ich bin seit meinem neunten Lebensjahr FC-Bayern-Fan und kann meine Vergangenheit nicht umschreiben. Ich schaue mir auch weiter die Spiele an.

Ihr Vater war Syrer – macht Sie die Flüchtlingsthematik dadurch betroffener?

Mein Vater ist nicht geflohen. Er wurde zum Studieren geschickt und sollte eigentlich zurückkehren. Seit er vor fünf Jahren verstorben ist, habe ich einige Erinnerungen und persönliche Gedanken verarbeitet – im Zusammenhang mit der Jetztzeit. Das war die Zeit, als ich immer mal wieder gebeten wurde, bei Anti-Pegida-Demos aufzutreten. Dafür habe ich dann kurze Texte geschrieben. Beides findet sich jetzt in meinem neuen Gedichtband „Im Zimmer meines Vaters“.

Im Juni sind Sie bei einer Kundgebung gegen die Abschiebung von Jugendlichen in Schule und Ausbildung aufgetreten...

Wenn es um Kinder und Jugendliche geht, geht mir das am nächsten. Und es geht mir nahe, wenn Menschen vor Krieg und Folter fliehen. Wir haben genug Geld und genug Räumlichkeiten, um diese Leute unterzubringen. Da fühle ich mich als Bürger aufgerufen, den Arsch hochzukriegen und auf die Straße zu gehen.

Zur Person

Er ist Rekordhalter des Deutschen Krimipreises – siebenmal wurde Friedrich Ani mit ihm ausgezeichnet. Er findet sich sowohl auf Bestsellerlisten als auch auf den Bestenlisten, wenn es um seine Kriminalromane geht. 1959 im oberbayerischen Kochel am See geboren und aufgewachsen, zog es ihn nach München, wo er seine Ausbildung zum Zeitungsredakteur beim Münchner Merkur abvsolvierte. Anschließend arbeitete er rund zehn Jahre als Polizeireporter für Merkur und Süddeutsche Zeitung. Bekanntheit als Schriftsteller erlangte er vor allem ab 1998 mit seiner Figur des Kommissars Tabor Süden, den er 2016 nach 20 Büchern verabschiedete. Für sein Drehbuch „Das unsichtbare Mädchen“ erhielt der Obergiesinger den Bayerischen Fernsehpreis. Außerdem schreibt er für den „Tatort“, „Rosa Roth“ oder aktuell „München Mord“.

Verlosung

Gewinnen Sie Karten für das Krimifestival!
Teilnahmeschluss: 27. August

Mord an der Isar: Zur Eröffnung des „Krimifestival München“ liest am Montag, 11. September (20 Uhr, Karten für zwölf Euro per e-Mail an krimifestival@t-online.de), Friedrich Ani aus „Ermordung des Glücks“, dem zweiten Fall für seinen Ermittler Jakob Franck.
„Ich finde es beeindruckend, wie lange es das Festival schon gibt und dass es immer wieder so viele Zuschauer anzieht“, sagt Ani. Er selbst ist schon ein bekannter Gast dort. „Aber dieses Mal ist es etwas Besonderes, da meine Lesung in der Alten Rotation des Pressehauses an der Bayerstraße stattfindet. Dort habe ich mein Volontariat gemacht.“
Das Festival läuft bis zum 12. November.
Das Programm finden Sie unter www.krimifestival-muenchen.de.
Wir verlosen 5x2 Karten für die Lesung von Friederich Ani.

Das Gewinnspiel ist beendet.
Vielen Dank für Ihr Interesse! Besuchen Sie unsere Seite gerne wieder.

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