Hollywood in München

Götz Otto im Interview: Der Bond-Bösewicht über Surfbretter, Tatort-Rollen & ein Bühnenengagement

Schauspieler Gotz Otto
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Götz Otto spricht im Hallo-Interview über sein neues Stück „Richard III.“ im Hofspielhaus.
  • Marco Litzlbauer
    VonMarco Litzlbauer
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Ex-„Bond-Bösewicht“ Götz Otto lassen die Fieslinge nicht los – aktuell unter anderem im Münchner Hofspielhaus und im Tatort. Warum dennoch nicht alles schwarz-weiß ist...

„Bond-Bösewicht“ – mit diesem Stempel muss Götz Otto seit 1997 leben. Damals spielte er den Handlanger des Bond-Widersachers Elliot Carver (Jonathan Pryce) in „Der Morgen stirbt nie“. Es ist die wohl bekannteste Rolle des heute 53-Jährigen, aber bei weitem nicht sein einziges Ausrufezeichen.

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Zu sehen war er unter anderem auch in „Schindlers Liste“, „Der Untergang“, „Iron Sky“, „Cloud Atlas“ oder zuletzt in „Der Boandlkramer und die ewige Liebe“.

Ende der 80er-Jahre kam Otto auf die Otto-Falckenberg-Schule, spielte unter anderem an den Kammerspielen und im Residenztheater. Der bekennende Löwen-Fan hat mittlerweile das Stadtleben aufgegeben und wohnt mit seiner Frau und zwei der vier Kinder in Krailling.

Hallo München hat mit ihm gesprochen:

Herr Otto, in „Richard III.“ spielen Sie mit der Titelfigur mal wieder einen Fiesling. Viele Schauspiel-Kollegen sagen, Bösewichter sind reizvoller, humoristische Rollen schwerer.
Diese Rolle ist ein bisschen von beidem. Wir nehmen auf der Bühne die Schauspieler-Position ein – sagen: „Wir erzählen euch mal dieses Stück.“ Eigentlich wie zu Shakespeare-Zeiten. Da waren die Schauspieler auch nicht die ganze Zeit in den Rollen. Dadurch gibt es durchaus humorige Stellen.

Wie hat sich die Rolle des Bösen von diesen Shakespeare-Zeiten zu James-Bond-Zeiten verändert?
Es gab und gibt nicht den einen Bösewicht. So schwarz-weiß ist dann auch Schwarz nicht. Sonst wäre die Schauspielerei ja öde: Schublade auf und Text lernen. Ich durfte heuer gleich in zwei Tatorten den Täter spielen. Das waren auch zwei völlig unterschiedliche Figuren.

Lesen Sie auch: So hat Götz Otto beim Anruf für die Bond-Rolle reagiert

Haben Sie das im Vorfeld der zweiten Rolle thematisiert?
Ich habe jetzt 23 Jahre nicht mehr im Tatort mitgespielt, da lehnt man nicht ab und sagt: „War ich grad schon.“ Aber im Ernst: Die unterschiedlichen Reihen haben ja nichts miteinander zu tun. Fabian Hinrichs war beispielsweise zuerst im Münchner Tatort ein Täter und hat dort so überzeugt, dass er für den Franken-Tatort als Kommissar engagiert wurde.

Zurück zu „Richard III.“: Die Probenbilder zeigen Sie auch mit Gitarre. Ganz etwas Neues, oder?
Richtig, es wird ein paar Lieder geben. Das sind verrockte Shakespeare-Sonette – mit Originaltexten. Ich konnte vorher überhaupt keine Gitarre spielen, das habe ich mir extra für das Stück draufgeschafft.

Sind Sie dann diesmal vor der Premiere besonders nervös?
Auch wegen dem Gitarrenspiel, ja. Aber auch, weil ich keine Brille aufhabe und deshalb mein Umfeld gar nicht so gut sehe.

Ein Instrument zu lernen, passt gut in die Corona-Zeit. Haben Sie auch privat Neues ausprobiert?
Privat kann ich auch ohne Corona nicht stillhalten. Ich muss immer etwas machen. Vergangenen Sommer habe ich eine Terrasse gebaut, jetzt baue ich gerade ein 30 Jahre altes Feuerwehrauto zum Camper um. Das passt ja auch in die Corona-Zeit. Ansonsten gilt für mich mehr denn je die Devise: Raus aus der Stadt, rein in die Natur. Ich fahre viel Fahrrad oder bin mit dem SUP unterwegs.

Wo trifft man sie denn beim Stand-Up-Paddling?
Ich fahre gerne Touren – entweder die Amper runter oder die Würm hoch und runter. Oder ich fahre in der S-Bahn mit meinem aufblasbaren Board an den Starnberger See.

Wie sehr hat Corona Sie beruflich getroffen?
Ich hatte das große Glück, dass ich viel Arbeit hatte. Gut, ein französischer Dreiteiler ist beispielsweise für mich ausgefallen, weil sie aufgrund der Reisebeschränkungen dann doch keinen Deutschen besetzt haben. Aber im Vergleich zu anderen Menschen ist das ein Furz. Viele Theater-Kollegen hat es wirklich hart getroffen.

Versucht man der Krise etwas Positives abzugewinnen, würden viele wahrscheinlich das Homeoffice nennen. Gibt es solche Aspekte auch in Ihrem Beruf?
Ich spreche ja viel – bin zum Beispiel Stationvoice bei Sat 1. Früher ging das nur im Studio, jetzt wird viel experimentiert. Einiges geht tatsächlich auch online. Für „Die Toten vom Bodensee“ musste ich jüngst etwas nachsynchronisieren. Dafür hätte ich vorher nach Wien fahren müssen. Jetzt ging es von zuhause aus.

Wie haben Sie auf Familien­ebene die Krise erlebt? Leben Ihre Kinder noch zuhause?
Zwei – sie sind 18 und 19. Die wären in der Zeit natürlich ganz anders unterwegs gewesen als es jetzt möglich war. So haben wir nochmal viel gemeinsame Familienzeit geschenkt bekommen. Ich weiß aber nicht, ob meine Kinder das genauso sehen (lacht).

Bezogen auf eine andere Königs-Rolle haben Sie einmal gesagt: „Es macht Spaß, König zu sein, weil alle kuschen müssen. Das kenne ich sonst nicht so.“ Zuhause sind Sie also wohl nicht der strenge Bösewicht.
Überhaupt nicht. Ich bin froh, dass ich in der Familienhierarchie noch vor dem Hund komme. Aber schon die Katze steht über mir – die braucht schließlich wen, den sie ignorieren kann.

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