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Gaudi trotz Parkinson: Fredl Fesl, der Erfinder des bayerischen Musik-Kabaretts, wird 75

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Von: Marco Litzlbauer

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Fredl Fesl feiert seinen 75. Geburtstag und hat mit Hallo über seine Karriere, seine Krankheit und seinen Ehrentag geredet.
Fredl Fesl feiert seinen 75. Geburtstag und hat mit Hallo München über seine Karriere, seine Krankheit und seinen Ehrentag geredet. © privat

Alles Gute zum 75. Geburtstag, Fredl Fesl! Der Kult-Liedermacher hat pünktlich zu seinem Ehrentag mit Hallo über seine Karriere, seine Krankheit und seinen Geburtstag geredet.

Das „Taxilied“, „Der edle Rittersepp“ oder „Der Königsjodler“: Fredl Fesl hat viele unsterbliche Lieder und noch mehr unvergessene Bühnen­erlebnisse geschaffen, ehe er sich – gut zehn Jahre nach seiner Parkinson-Diagnose – 2006 von der Bühne verabschiedete. Wohnte der gebürtige Niederbayer lange Jahre in München – zunächst in der auch im Taxilied erwähnten Ottobrunner Straße in Ramersdorf, dann eine Zeit in Sendling und schließlich in Garching Hochbrück – hat er sich längst zusammen mit seiner Frau Monika auf einen Hof in Alleinlage, unweit der Gemeinde Pleiskirchen im Landkreis Altötting, zurückgezogen.

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Und während ihn viele den Erfinder des bayerischen Musikkabaretts nennen, bezeichnet er sich selbst augenzwinkernd höchstens als Kleinkunst-Opa. Viele bringen ihn auch mit einem großen Bagger in Verbindung. Den hatte sich Fesl für seinen Hof gekauft, worauf ihn unter anderem Otti Fischer bei jedem Gastspiel im Schlachthof amüsiert angesprochen hatte. Ob er das Gefährt noch hat, wie es ihm heute geht und wie er seinen 75. Geburtstag feiert, verrät Fesl in Hallo von A bis Z.

Kult-Liedermacher Fredl Fesl (74) von A bis Z

Ade: Mein kürzestes Lied – bestehend aus den Tönen A und D.

Bagger: Ja, ich werde immer wieder nach meinem Bagger gefragt. Den habe ich aber längst wieder hergegeben, denn als ich alles ausgebaggert hatte, was es so zum Ausbaggern gab, stand er doch viel rum.

Corona: Da ich zur immer wieder zitierten Risikogruppe – über 70 und chronisch krank – gehöre, habe ich mich schon sehr an die Regeln gehalten. Bis jetzt bin ich von Corona verschont geblieben oder ich habe zumindest davon nichts gemerkt.

Diagnose: Jetzt werde ich 75 und kann fast nicht glauben, dass ich die Diagnose „Parkinson“ schon seit 25 Jahren habe. Damals war das schon ein ganz schöner Schock. Aber dank der Medizin konnte ich doch noch über zehn Jahre weiter auf der Bühne stehen. Als ich dann meinem Anspruch nicht mehr gerecht wurde, habe ich aufgehört.

Enkel: Ich habe eine fast zehnjährige Enkelin und einen sechsjährigen Enkel und es ist immer schön, wenn sie zu Besuch kommen.

Fischweiher: Es ist sehr schade, dass ich meine Weiher nicht mehr so nutzen kann, wie ich es gerne täte. Zum einen sind sie schon ziemlich eingewachsen, sodass man gar nicht mehr richtig ans Ufer kommt, zum anderen haben die letzten trockenen Sommer den Grundwasserspiegel so gesenkt, dass von den Weihern nur noch seichte Pfützen übrig geblieben sind.

Geburtstag: Weil der 7.7. dieses Jahr auf einen Donnerstag fällt, werde ich am Geburtstag selbst im engsten Freundeskreis bei einem schönen Brunch in einem Lokal feiern und mit der Familie dann am Wochenende zu Hause.

Humor: Der eine findet dies, der andere jenes lustig. Ich kann mit meinem Humor nicht so falsch gelegen haben, denn ich erhalte auch heute noch Post, wo sich zum Teil sogar junge Menschen bei mir dafür bedanken, dass ich sie mit meinem Humor gut unterhalten oder sogar geprägt habe. 

Impfung: Ich bin inzwischen viermal geimpft. Und es ist doch erstaunlich, was man so alles lernt. Vor zwei Jahren hätte mir der Begriff „boostern“ noch gar nichts gesagt.

Jodeln: Ich habe mir das Jodeln selbst beigebracht – ganz ohne Jodeldiplom!

Königsjodler war lange mein Markenzeichen, aber ich wollte nie auf dieses Lied reduziert werden. Das ging so weit, dass ich in TV-Sendungen, die nur diesen Titel angefragt haben, nicht aufgetreten bin.

Lieblingsspeise: Meine Lieblingsspeise sind selbstgemachte Kässpatzn. 

Musik ist mir immer noch sehr wichtig. Leider ist meine Motorik so eingeschränkt, dass ich kein Instrument mehr spielen kann, aber ich höre nach wie vor sehr gerne Musik in allen Stilrichtungen.

Natur: Ich würde mich als Naturbursche bezeichnen. Ich war als Kind schon stundenlang – meist alleine – im Wald und an Bächen unterwegs und habe dort meine Abenteuer bestritten. Und heute bin ich froh, auf einem Alleinlagebauernhof, mit ganz viel Natur um mich herum, leben zu können.

Ohne Gaudi is ois nix. Das ist der Titel von meinem Buch und mein Lebensmotto.

Parkinsonsymptome: Dazu gehören das Zittern, die Verlangsamung und die Muskelverspannungen, aber auch das Maskengesicht, das heißt, dass die Gesichtsmuskeln einfrieren. Wenn das bei mir so weit sein sollte, dann hoffentlich mit einem leichten Grinsen.

Querdenker ist auch so ein Begriff, den ich vor Kurzem noch nicht kannte – und auf den ich getrost hätte verzichten können.

Ringen: Viele wissen, dass ich früher mal Gewichtheber war – eine Zeit lang sogar recht erfolgreich, beispielsweise als oberbayerischer Juniorenmeister. Nur wenige wissen, dass ich meine Schwerathletikkarriere eigentlich bei den Freistilringern begonnen habe.

Schunkelhilfe: Erfinder überlegen immer, was man Nützliches brauchen könnte. Da dachte ich mir, ich erfinde was, was die Welt überhaupt nicht braucht. Und so ist die Schunkelhilfe entstanden.

Trompete: Ich habe in meiner Jugend Trompete gelernt und kann mich auch heute noch sehr an einem schönen Trompeten-Stückl erfreuen. Zum Beispiel wenn der Stofferl Well den „Dessauer“ bläst.

Uhr habe ich mein ganzes Leben keine getragen und bin trotzdem immer pünktlich gewesen. Zumindest, wenn es wichtig war. Aber als ich einmal auf Kur war, wo man sich ja eigentlich erholen und entspannen soll, hatte ich so viele Anwendungen so knapp nacheinander, dass ich mir dafür doch extra eine Uhr gekauft habe. 

Vorbilder habe ich eigentlich nicht wirklich. Aber der Humor von Karl Valentin ist schon sehr außergewöhnlich und hat mich bestimmt beeinflusst. 

Wurscht sage ich nicht mehr, denn das sind ja eigentlich an der Verwesung verhinderte Leichenteile ermordeter Tiere, teilweise in deren eigene Kotkanäle gefüllt. Ich sag nie mehr: „Des is mir wurscht.“ Ich sag nur noch: „Des is mir egal!“

Xylophon ist eines der wenigen Instrumente, das ich tatsächlich nie gespielt habe.

Youtube: Ich finde es sehr gut, dass man heute solche Möglichkeiten hat. Denn mit den dort verfügbaren Videos kann man auch heute noch die Stimmung bei meinen damaligen Auftritten in Bild und Ton nachempfinden.

Zirkus: Ja, das ist lang her, dass ich mal eine Tournee mit dem Zirkus Atlas gemacht habe. Aber es war eine tolle Zeit. Nachmittags habe ich im Zirkus bei einer Akrobatik-Nummer mitgewirkt und abends gab es dann ein Fesl-Konzert im Zirkuszelt.

Quelle: www.hallo-muenchen.de

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