Interview und Verlosung

Der evangelische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm im Gespräch mit Hallo München

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München: Der Chef der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm spricht über Playmobil, Feiertage und was das das Jubiläumsjahr für Folgen haben wird.

Er ist als Ratsvorsitzender der höchste Repräsentant der Evangelischen Kirche in Deutschland. Im Hallo-Interview erklärt der 57-Jährige aus dem Lehel, wieso das Jubiläum nicht nur für Mitglieder der Kirche wichtig ist, wie man Kinder für das Thema interessiert und warum er sich einen dauerhaften Feiertag am Reformationstag wünscht. von Maren Kowitz

Herr Bedford-Strohm, im Jubiläumsjahr gibt es Luthersocken, Lutherkekse, eine Luther-Playmobilfigur. Geht Ihnen das nicht zu weit?

Gar nicht. All diese Dinge sollen ein Türöffner für den Inhalt sein. Durch Bücher und Vorlesungen alleine, können wir die Breite der Menschen nicht erreichen. Wir wollen, dass die guten Inhalte in so viele Herzen wie möglich kommen. Ich bin fest davon überzeugt, dass Leute, die ihren Kinder den Playmobil-Luther schenken, genau wissen, warum sie nicht Darth Vader oder Spiderman schenken. Das ist der erste Schritt, Kindern nahezubringen:  Luther – wer war das?

Sollte das jeder wissen, auch wenn er mit der Kirche gar nichts am Hut hat?

Sicher. Die Reformation hat eine öffentliche, eine kulturelle, eine historische Dimension – jeder Deutsche wurde in diesem Jahr darauf hingewiesen, welche zentrale Bedeutung die Bewegung, die Martin Luther angestoßen hatte, für unsere Geschichte und unsere Kultur hatte. Nicht wenige deutsche Worte, die wir noch verwenden, stammen ursprünglich aus der Bibel, die Luther ins Deutsche übersetzt hat. Zum Beispiel  „Schandfleck“, „Machtwort“, „Lästermaul“, „Lückenbüßer“ oder „Lockvogel“. Das ganze Thema Bildung wäre ohne die Reformation so nie ins Rollen gekommen.  Aber natürlich war es im Kern ein Christus-Fest.

Konnten Sie eine neue Begeisterung für die Kirche feststellen, vielleicht sogar mehr Eintritte?

Es ist nicht so, dass Leute unmittelbar eintreten, weil sie bei einem Ereignis waren. Aber ich bin in bestimmten Gesprächen, in denen Leute sagen „ich merke, mir fehlt etwas im Leben“ und darüber nachdenken, sich taufen zu lassen. Dieses Jahr hat die Inhalte neu in die Herzen und Köpfe gebracht. 

Woran haben Sie das gemerkt?

Beim Pop-Oratorium über Martin Luther haben auch Menschen mitgemacht, die in Distanz zur Kirche standen und „nur“ singen wollten. Die haben über das Singen die Inhalte neu entdeckt. In München sind 2000 Leute gemeinsam aufgetreten. Ich war bei der Generalprobe im Gasteig dabei, habe eine Andacht gehalten und einen Segen gesprochen. Danach habe ich  Briefe bekommen von Menschen, die eigentlich nicht in die Kirche gehen, sich aber für den Segen bedankt haben. Das ZDF zeigt am 31. Oktober eine Aufzeichnung des Pop-Oratoriums. Da werde ich gemeinsam mit Eckart von Hirschhausen kommentieren.  

Was war Ihr persönliches Highlight des Jahres?

In München bestimmt die Ökumenische Pfingstvesper in der St. Michaelskirche. Ich habe mit Kardinal Marx eine Dialogpredigt gehalten. Wir als Katholiken und Protestanten haben die Einheit gespürt und dass in diesem Jahr keine bestimmte Konfession im Zentrum steht . Es gibt keinen evangelischen Christus, keinen katholischen und keinen orthodoxen Christus, sondern nur den einen Christus, der uns zusammenführt. 

Glauben Sie, die Feierlichkeiten haben die Ökumene sub­stantiell weitergebracht?

Vor drei, vier Jahren gab es Misstrauen hinsichtlich der Feier dieses Jahres, manche  Katholiken haben gedacht: „Die Protestanten wollen sich selbst profilieren und uns abwerten.“ In vielen Gesprächen ist viel Vertrauen und Geschwisterlichkeit gewachsen, Freundschaft, menschliche Nähe.  Das ist die Grundlage für jede theologische Annäherung. An greifbaren Veränderungen diskutiert ja gerade die katholische Bischofskonferenz darüber, ob man konfessionsübergreifenden Ehepaaren zukünftig die gemeinsame Teilnahme an der Eucharistie ermöglichen kann.  Ich bin optimistisch, dass es nächstes Jahr ein Ergebnis geben wird.

Wo werden Sie den 31. Oktober verbringen?

Ich predige um 10 Uhr in der Nürnberger Lorenzkirche, was der BR im Fernsehen überträgt, und um 15 Uhr in Wittenberg beim nationalen Gottesdienst mit der Bundeskanzlerin und dem Bundespräsidenten, der danach zu einem Staatsakt einladen wird. Auch dieser Gottesdienst in Wittenberg wird – im ZDF – vom Fernsehen übertragen, deswegen muss ich mir zwei sehr unterschiedliche Predigten einfallen lassen (lacht).  

Ist der einmalige Feiertag zu 500 Jahre Reformation jetzt eine Chance, sich einen dauerhaften evangelischen Feiertag in Bayern zurückzuholen?

Es gibt Politiker unterschiedlicher Parteien, die das angeregt haben. Ich selbst habe schon früher geäußert, dass sowohl der Buß- und Bettag als wieder eingeführter Feiertag als auch der Reformationstag als ein zusätzlicher Feiertag in Frage kämen. Sollte man sich zu einem zusätzlichen Feiertag entschließen, wäre das ein starkes Zeichen, dass nicht nur der materielle Wohlstandszuwachs wichtig ist, sondern auch ein Zuwachs an Beziehungswohlstand.

Zur Person

Der evangelische Landesbischof wurde 1960 als Heinrich Strohm in Memmingen geboren, sein Vater war Dekan in Passau. Er studierte Evangelische Theologie in Erlangen, Heidelberg und Berkeley, wo er seine spätere Frau, die amerikanische Psychotherapeutin Deborah Bedford, traf. Die beiden heirateten 1985, seitdem führt das Ehepaar, das drei Söhne hat, den Namen Bedford-Strohm. 2011 wurde der Theologie-Professor zum evangelischen Landesbischof in Bayern gewählt, 2014 zusätzlich zum Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland. Dieses Amt wird er bis 2021 innehaben. In dieser Funktion predigt er am Reformationstag in Wittenberg.

Den zentralen Jubiläumsgottesdienst in München zelebriert die Regionalbischöfin, Susanne Breit-Keßler, am 31. Oktober um 10 Uhr in der St. Lukaskirche am Mariannenplatz im Lehel. Dessen Motto lautet „Evangelisch sein – mit allen Sinnen und Verstand“.

Verlosung

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Martin Luther ist in aller Munde: Vor 500 Jahren schlug er seine 95 Thesen an die Schlosskirche zu Wittenberg. Über sein Leben haben Christian Nürnberger und Petra Gerster das Buch „Der rebellische Mönch, die entlaufene Nonne und der größte Bestseller aller Zeiten“ (Gabriel Verlag) geschrieben. Nürnberger nimmt den Leser mit in eine andere Welt: In der die katholische Kirche das Leben der Menschen bestimmt und der Ablasshandel blüht – bis Luther sich gegen die erdrückende Macht auflehnt. Am Ende beleuchtet Nürnbergers Frau Petra Gerster das Leben von Luthers Frau Katharina von Bora. Klug und kurzweilig!
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