Erhard Dietl im Gespräch mit Hallo München

Die Olchis – Gegenpol zum hektischen Alltag

Erhard Dietl, der Erfinder der Olchis, im Gespräch mit Hallo München.
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Erhard Dietl, der Erfinder der Olchis, im Gespräch mit Hallo München.

Vor 30 Jahren eroberte eine grüne, müffelnde und fluchende Familie die Welt der Kinderbücher  – 2021 ist die Kinoleinwand dran. Erhard Dietl, aus dessen Feder „die Olchis“ stammen, kommt nun zur Lesung nach Schloss Blutenburg. Worauf heute der Fokus seiner Bücher liegt und wie die Olchis Vorbild sein können, verrät der 67-Jährige hier.

Herr Dietl, die Blutenburger Sommerbühne wurde kurzfristig ins Leben gerufen. Welche Bedeutung hat das für Kinder gerade jetzt?
Wie schön, dass jetzt nach dem Stillstand endlich wieder etwas möglich ist! Ich hoffe, dass viele Zuhörer kommen und sich die Kinder darüber freuen werden.

Wie ist die Pandemie für Sie?
Für mich war es einigermaßen erträglich, da ich eh immer im Home-Office arbeite. Was die Zeit für die Bücherverkäufe bedeutet, ist schwer zu sagen. Ich hoffe, dass viel gelesen wurde.

Ein neues Projekt kommt 2021: Die Olchis als Kinofilm. Wie waren Sie involviert?
Ich habe am Drehbuch und an den Dialogen mitgearbeitet. Bei der Umsetzung der Figuren hatte ich ein Mitspracherecht.

Wird es eine neue Geschichte?
Ja, es wird ein neues spannendes Abenteuer sein, mit aktuellen Themen, wie Müllproblematik, Integration, Freundschaft, Toleranz… ich will aber noch nicht zu viel verraten.

Sie sind breit aufgestellt, Autor, Illustrator, Liedermacher. Nun der Film – eine neue berufliche Perspektive?
Nein, ich bin schon zu alt für ein Filmkarriere (lacht). Das machen Jüngere, dazu braucht man sehr viel Geduld. Es ist ein fremdes Gebiet für mich, sehr speziell und auch kompliziert.

Zu Beginn Ihrer Karriere wollten Lehrer bei Lesungen nicht, dass sie aus den Olchis vorlesen. Wie haben Sie reagiert?
Ich habe es trotzdem gemacht. Diese Lehrer hatten die Bücher vorher nicht gelesen, hatten nur gehört, das Olchis schlecht riechen und fluchen, was sie unpassend fanden. Mittlerweile wird mit den Olchis viel im Unterricht gearbeitet.

Die Olchis werden zum Beispiel für Zero Waste gefeiert – hatten Sie das Thema Recycling damals im Hinterkopf?
Das Müllthema gab es schon in den 90er-Jahren. Ich bin da nicht didaktisch herangegangen. Für die Olchis ist Müll lebenswichtig, ihr Müllplatz ist ein kreatives Paradies. Die Bücher behandeln das Thema ohne erhobenen Zeigefinger, sondern spielerisch.

Haben sich Kinderbücher seit den 90er-Jahren verändert?
Damals gab es weniger Kinderbücher, sicher war das ein oder andere belehrend. Heute gibt es mehr Wissensvermittlung und mehr Erstlesebücher, das war damals noch am Anfang.

Die Olchis sind berühmt für ihre Gerüche. Ein persönliches Faible von Ihnen?
Nein, die Kinder finden das witzig. Dass die Olchis müffeln und pupsen, ist heute selbstverständlich. Der Fokus liegt mehr auf der Entspannung. Erwachsene sind oft gestresst, die Kinder durchgetaktet, da bieten die Olchis einen beruhigenden Gegenpol, sie feiern das Dasein. Olchig sein heißt cool und entspannt sein.

Also haben sich die Bücher mit den Kindern mitverändert.
Die Olchis sind geborgen in ihrer gemütlichen Großfamilie, was sich viele Kinder wünschen, aber nicht mehr selber erleben. Die Olchis dürfen sich schmutzig machen, feiern die Freiheit und müssen keine Leistung erbringen.

Bei Ihrem ersten Buch machten die Bilder den Anfang. Arbeiten Sie bis heute so?
Überhaupt nicht. Ich überlege, was für ein Buch es werden soll, ein Bilderbuch oder Roman, arbeite ein Exposé aus, schreibe den Text. Erst am Ende kommen die Zeichnungen dazu.

Auch weil Sie mittlerweile 30 Jahre Erfahrung haben?
Ja, dicke Bücher schreiben musste ich erst lernen. Ich liebe Zeichnen und Schreiben, ich brauche die Abwechslung, trotzdem ist es oft mühsam, wenn ein dickes Buch fertig geschrieben ist, dann noch alle Bilder dazu zu zeichnen.

Ihr Vater war Freiberufler, Ihr Sohn eifert ihm und Ihnen nach. Wie sehen Sie das?
Zwiespältig. Er ist im Grunde Jazzmusiker, da ist es schwer, sich zu behaupten. Aber ich habe noch zwei Töchter, eine davon ist Beamtin, das gleicht sich aus (lacht).

Also hat es ihn nicht abgeschreckt?
Natürlich nicht, das Freiberufliche hat man anscheinend im Blut. Auch mich hat es ja nicht abgeschreckt, dass mein Vater immer Geldsorgen hatte. Es ist nicht ohne Risiko, man muss an sich glauben und tatsächlich ein wenig wie ein Olchi sein: „Schleimeschlamm und Käsefuß, das Leben ist ein Hochgenuss!“

Zur Person Erhard Dietl

Karikaturen der strengen Lehrer zählten zu Erhard Dietls ersten Arbeiten. Am 22. Mai 1953 in Regensburg geboren, blieb er dem Zeichnen auch nach dem Umzug nach München treu und studierte an einer Grafikerschule und an der Akademie der bildenden Künste. 

Schon während des Studiums zeichnete er für Zeitschriften wie das Zeit-Magazin, den Stern und die Cosmopolitan. Zudem illustrierte er Kinderbücher, unter anderem von Joachim Ringelnatz und Erich Kästner. Vor ungefähr 30 Jahren entstanden dann die Olchis – das erste Buch über die lustige, müffelnde Familie erschien 1990. 

Das Olchi-Universum umfasst heute Bücher, Theaterstücke, Hörbücher, Lieder-CDs und Spielsachen. Der Autor, Illustrator und Liedermacher hat drei Kinder und lebt in Haidhausen und zwischen Staffel- und Kochelsee.

SABINA KLÄSENER

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