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Elmar Wepper: „Ich wäre gerne spontaner gewesen“

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„Man soll den Mut haben, etwas zu wagen“, meint Elmar Wepper (74).
„Man soll den Mut haben, etwas zu wagen“, meint Elmar Wepper (74). © kn

Er ist der Held zahlreicher deutscher Film- und Serienfans: Elmar Wepper ist ein Mann mit einem Gefühl für gute Filme - Im Hallo Interview spricht er über sein Leben und seine Zukunftspläne

Dieser Mann hat ein Händchen für gute Filme: Nach „Dreiviertelmond“ oder „Kirschblüten – Hanami“ kommt mit „Grüner wird’s nicht“ erneut ein echtes Meisterwerk ins Kino (Hallo verlost 10x2 Tickets). Warum der Planegger dafür einen Golfplatz ramponiert hat und wieso er wohl keinen Film mehr mit seinem Bruder Fritz dreht, verrät der 74-Jährige hier. von MARCO LITZLBAUER

Herr Wepper, Ihre Filmfigur Georg sagt den schönen Satz: „Beim Träumen wachst irgendwann mal auf und dann sans weg, die Träume.“ Haben Sie Ihre Träume immer gelebt?
Ich glaube, es ist gar nicht sinnvoll oder richtig, alle Träume zu leben. Man braucht Ziele. Im Mittelalter war die höchste Art der Liebe die Minne, also die Liebe eines höfischen Ritters zu einer höhergestellten, meist verheirateten Frau. Eine Liebe also, die sich nie erfüllen konnte.

Haben Sie unerfüllte Träume?
Früher war es Neuseeland. Und ein kleinerer Traum war es, einmal zu Fuß die Alpen zu überqueren. Ich ertappe mich heute noch dabei, wie ich ein entsprechendes Buch durchblättere, in dem die unterschiedlichen Routen aufgeführt sind. Auch wenn ich weiß, dass ich es in meinem Alter physisch nicht mehr schaffen würde.

Im Film schieben die Figuren meist die Anderen als Grund vor, warum es mit ihren Träumen nichts wurde. Ertappen Sie sich bei solchen Ausreden?
Ich fühlte mich schon immer sehr in Verantwortlichkeiten eingebunden, beispielsweise meinem Sohn und meiner Familie verpflichtet. Bei mir schaltet sich immer erst der Kopf ein. Rückblickend hätte ich mir manchmal etwas mehr Spontaneität bei mir gewünscht.

Dazu fordert ja auch der Film auf: Die Träume nicht verschieben, bis sie nicht mehr umsetzbar sind.
Das Schöne ist ja, dass fast altersunabhängig ein Neuanfang möglich ist. Es bedeutet nicht, dass einen jeder Neuanfang bis ans Lebensende glücklich macht. Aber man soll den Mut haben, etwas zu wagen.

Zum Beispiel, sich einfach mal wie Georg in ein Flugzeug setzen, um frei zu sein?
Bei Georg ist es eine Flucht. Er steigt ins Flugzeug, um seinen Problemen zu entkommen. Er hält es nicht mehr aus. Ich habe mich, obwohl die Entscheidungen eher vom Kopf kommen, immer sehr wohl in meiner Haut gefühlt.

Wie waren die Flugszenen im Kiebitz für Sie?
Das Flugzeug wurde umgebaut, so dass der Doppelsitzer auch von vorne gesteuert werden konnte. Jan Meißner, der Eigentümer und unser Pilot, war toll. Er hat mir jede Angst genommen. Obwohl ich in Nordamerika schon öfter in kleinen Flugzeugen geflogen bin, ist es schon ein sehr luftiges Gefühl im Kiebitz gewesen. Fahrstuhlartig verschwinden unter einem die Alpen und vorne drin kauert ganz klein Jan Meißner, damit er auch ja nicht von der Kamera erfasst wird. Es war einmalig.

Was mir wichtig ist im Leben, hat eben häufig nichts mit dem Beruf zu tun

Die Luftaufnahmen sind tatsächlich spektakulär.
Die ganzen Dreharbeiten waren aufregend, weil wir an so vielen verschiedenen Orten in Deutschland gedreht haben. Und es klingt banal, aber Deutschland ist wirklich überall traumhaft schön, nicht nur an der Zugspitze oder auf Sylt.

Um das Thema Träume nochmal aufzugreifen: Ihr Bruder hat bei unserem letzten Gespräch davon geträumt, mit seiner Tochter Sophie und Ihnen einen gemeinsamen Film zu drehen. Er hatte auch schon etwas im Auge. Was ist aus diesem Plan geworden?
Der hat sich zerschlagen. Und Sophie ist ja jetzt Mama geworden und ein echtes Muttertier im positiven Sinne. Das hat sie von ihrer Mama Angela geerbt. Ich glaube, die Familie tritt bei ihr nun dauerhaft an die Stelle der Filmerei.

Planen Sie und Ihr Bruder dann einen Film zu zweit?
Nein. Es gab zwei, drei Angebote, aber das Thema „Brüder“ war immer viel zu schablonenhaft. Der Eine ist der Strenge, der Andere der Hallodri. Und dann kommt natürlich noch eine Frau ins Spiel. Es ist nicht so, dass ich mit meinem Bruder nicht drehen wollen würde. Wir haben ein sehr freundschaftliches, liebevolles Verhältnis, der familiäre Schulterschluss ist sehr stark. Aber Zeit ist mir sehr kostbar. Je älter ich werde, desto mehr wird mir das klar. Und das, was mir wichtig ist im Leben, hat eben häufig nichts mit dem Beruf zu tun. Auch Fritz merkt nach seinen zwei OPs, dass man nicht alles so leicht aus dem Ärmel schüttelt. Wer weiß schon, ob ich in zehn Jahren noch den Golfschläger schwingen kann.

Noch geht das aber. Wie sehr tut es einem passionierten Golfer da in der Seele weh, wenn er wie nun im Film ein Green zerstören muss?
Das hat schon a bisserl weh getan, weil das Grün etwas richtig Heiliges ist. Das Schlimme ist ja: Ich habe es wirklich kaputt gemacht. Dabei habe ich extra einen halben Tag Unterricht genommen, um mit dem kleinen Bagger umzugehen. Als es soweit war, habe ich mich trotzdem unsicher gefühlt. Also hat Flo (Florian Gallenberger, der Regisseur, Anmerkung der Redaktion) zu mir gesagt: „Schau Elmar: Vor, runter und ziehen.“ Das habe ich x-Mal mit den Joy­sticks wiederholt. Immer perfekt. Als dann gedreht wurde, lief es leider eher „vor, runter, rrratsch!“ – und ich habe ein riesiges Teil vom Green rausgerissen.

ZUR PERSON

Eigentlich wollte Elmar Wepper Medizin studieren. Inspiriert durch seinen älteren Bruder Fritz schwenkte er nach seinem Wehrdienst jedoch um und studierte Theaterwissenschaft und Germanistik. Sehr zur Freude der deutschen Film- und Serienfans: Wepper wirkte unter anderem in „Polizeiinspektion 1“, „Zwei Münchner in Hamburg“ und natürlich Bogners Kultserie „Irgendwie & Sowieso“ mit. Für seine Hauptrolle in Doris Dörries „Kirschblüten – Hanami“ bekam er sowohl den Bayerischen als auch den Deutschen Filmpreis. Jüngst stand der passionierte Koch und Golfer übrigens für eine Fortsetzung vor der Kamera. „Im Mittelpunkt steht der jüngste Sohn von Rudi und Trudi. Hannelore Elsner und ich erscheinen ihm dann als Dämonen.“ Während dieser Film wohl 2019 zu sehen sein wird, hat Wepper ein anderes Filmprojekt abgelehnt: „Ich hätte für drei Monate nach Argentinien gemusst – so lange wollte ich nicht von Frau, Hund und Garten getrennt sein.“

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