Django Asül im Gespräch mit Hallo München

Django Asül: „Gemütlichkeit ist die oberste Staatsräson“

+
„Eigentlich schaue ich permanent in den Rückspiegel. Denn die Gefahren lauern nicht nur vorne, sondern auch hinten“, erklärt der Kabarettist.

2018 neigt sich dem Ende zu: Django Asül hat das ganze Jahr über Schlagzeilen gesammelt – für seinen „Rückspiegel 2018. Ein satirischer Jahresrückblick“ – Über die Highlights spricht er im Interview

Blitzgescheit und begnadet bissig: Der Niederbayer (46) legt seinen Finger in die Wunde – auch bei seinem „Satirischen Jahresrückblick“ im Lustspielhaus. Wie er privat 2018 erlebt hat, welche Folgen die Globalisierung für die Münchner hat und wen er für eine hochexplosive Guerilla-Gruppe hält, verrät er hier. von INES WEINZIERL

Herr Asül, wie oft schauen Sie beim Autofahren in den Rückspiegel?
Eigentlich permanent und das zur eigenen Sicherheit. Denn die Gefahren lauern nicht nur vorne, sondern auch hinten.

Wie halten Sie es mit dem Schulterblick?
Selbstverständlich mache ich den. Ich traue dem Spiegel alleine nicht. Wer weiß... die ganze Technik könnte ja versagen.

Wie haben Sie 2018 erlebt?
Es war insgesamt ein schönes, entspanntes Jahr. Ich habe die überstrapazierte „Work-Life-Balance“ gut hinbekommen. Denn ins Bairische übersetzt bedeutet das ja nichts anderes als Gemütlichkeit – es ist quasi die oberste Staatsräson.

Sie schauen im Dezember im Lustspielhaus in den satirischen Rückspiegel 2018 (Hallo verlost Tickets)– was hat Sie am meisten bewegt?
Ich bin ja relativ unbeweglich. Ich nehme alles, was kommt, entspannt an. Einige Dinge waren natürlich spektakulär, wie die Bildung der Bundesregierung Anfang des Jahres, die Fußball-WM und die bayerische Landtagswahl.

CSU und Freie Wähler – wie schätzen Sie das ein?
Die Freien Wähler haben den Marsch durch alle Institutionen geschafft. Es ist eine hochexplosive Guerilla-Gruppe, die sich aus Bauernverband und geschassten CSU-lern zusammensetzt.

Wird es ein rein politischer Abend?
Nein, ich denke da an die FC-Bayern-Pressekonferenz. War klar, dass die Roten meckern, denn nach der Landtagswahl hatten sie dort die Möglichkeit, ihren Frust abzulassen.

Wie gehen Sie eigentlich vor? Sammeln Sie das ganze Jahr über?
Ich mache es wie Guttenberg: 1:1 copy and paste. So kopiere ich beispielsweise aus den Onlineportalen der Zeitungen Überschriften heraus. Mittlerweile habe ich einen gut gefüllten Ordner. 250 Seiten ist der mittlerweile dick.

Stoff für einen 24-Stunden- Jahresrückblick.
(lacht) Es wird nicht länger als zwei Stunden. Ich kürze natürlich immer was raus. Politisches wird mit anderem aufgelockert, wie mit der TV-Rubrik „Die Show des Jahres“ – heuer ist es „Adam und Eva“ von RTL.

Was war denn Ihr positives Highlight?
Mein Highlight des Jahres war definitiv die Verleihung des Bayerischen Verdienstordens. In einer Reihe mit hochrangigen Humoristen wie Loriot, Seehofer und Adenauer zu stehen, ist schon eine besondere Ehre.

Was hat Sie am meisten beängstigt?
Ich bin kein ängstlicher Mensch. Traurig fand ich, dass Hans-Georg Maaßen (Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz, Anmerkung der Redaktion) von Kräften in der SPD gesprochen hat. Welchen Kräften?

Nicht die AfD?
Nein. Wenn sich eine Partei gegen das Recht und Gesetz stellt, dann ist das etwas für die Staatsorgane.

In München gab es heuer sehr viele Demonstrationen. Spüren Sie, dass die Unzufriedenheit wächst?
Auf alle Fälle. Jedem dämmert langsam, dass die Globalisierung auch Schattenseiten hat, Fluch und Segen zugleich ist. Einerseits steht die Wirtschaft sehr gut da, andererseits brauchen diese Firmen Arbeitskräfte, die dann in die Städte kommen. Die Mieten und Kaufpreise steigen – das Leben in den Städten wird zu einem überteuerten Stressfaktor.

Sie machen den Rückblick seit 2011 – nehmen Sie einschneidende Veränderungen wahr?
Mir fällt auf, dass sich immer mehr Fronten bilden. Das geht von ganz klein bis groß: In der Politik, im Land, in Europa, auf der Welt. Die Solidarität wird immer weniger.

Zur Person

Auf das Abitur 1992 folgte eine Banklehre. Als der gebürtige Niederbayer in Berlin den Kabarettisten Matthias Beltz sah, fing er Feuer und unternahm Mitte der 90er-Jahre erste Schritte. Seit 1997 steht er mit eigenen Programmen auf der Bühne. Auftritte in „Ottis Schlachthof“, „Neues aus der Anstalt“, „Satire Gipfel“ folgten. 

2007 hielt er die Fastenrede auf dem Nockherberg. Seit 2008 zelebriert er den Maibockanstich im Hofbräuhaus. Derzeit tritt er mit seinem Programm „Letzte Patrone“ auf. Vor eineinhalb Jahren hat er im Hallo-Interview gesagt, dass es eventuell sein letztes Programm ist. Wie schaut es aus? „Bis nächstes Jahr bin ich mit dem Programm noch unterwegs. Und dann halte ich es mit der ,Work-Life-Balance’. Schauen wir mal.“

Auch interessant:

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Von Sturmtrachtler bis Münchner Gsindl: Karikaturist Julian Opitz zeigt neue Werke
Von Sturmtrachtler bis Münchner Gsindl: Karikaturist Julian Opitz zeigt neue Werke
Manfred von Papen: Muss der Kult-Cartoonist Haidhausen verlassen?
Manfred von Papen: Muss der Kult-Cartoonist Haidhausen verlassen?
Im Kampf gegen Lärm und Vandalismus: Polizei Planegg befürwortet Sicherheitswacht
Im Kampf gegen Lärm und Vandalismus: Polizei Planegg befürwortet Sicherheitswacht
Gerd Baumann: „Heimat ist ein Label, das aufgestülpt wird“
Gerd Baumann: „Heimat ist ein Label, das aufgestülpt wird“

Kommentare