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DJ Hell im Hallo-München-Interview über seinen 60. Geburtstag, Modern Talking als Vorbild und Techno-Nachwuchs

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Von: Marie-Julie Hlawica

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DJ Hell
DJ Hell © Sven Marquard

Helmut Geier aka DJ Hell spricht mit Hallo München zu seinem 60. Geburtstag über Modern Talking als Vorbild, das Rampenlicht und den Nachwuchs im Techno.

Helmut Geier, geboren am 6. September 1962, steht seit 40 Jahren als DJ für Techno, House und Electroclash am Pult. Anfang der 80er waren seine Residencies unter anderem das Münchner Park Café und das Tanzlokal Größenwahn. Von dort aus eroberte er als DJ Hell die internationalen Clubs.

In Hallo verrät der 59-Jährige, der auf der Theresienhöhe wohnt, warum „Modern Talking“ zu seinen Vorbildern zählen und was er vom Rampenlicht hält. 

DJ Hell im Interview in Hallo München

Herr Geier, ist es mit 60 Zeit, als DJ in Rente zu gehen?

Das sind alte Denkmuster. Als Künstler ist man nie zu alt für seine Passion.

Sie werden weltweit gebucht. Welche Rolle spielt da München da?

Ich bin im Chiemgau aufgewachsen, München war damals „Großstadt“. Hier hatte ich meinen festen Tag als DJ im Tanzlokal Größenwahn in der Klenzestraße, habe 1985 die ersten House Vinyls aus den USA aufgelegt,1987 kam dann Techno. Aktuell hat München mit dem „Blitz Club“ im Deutschen Museum einen international renommierten Club erschaffen mit einer der besten Soundanlagen in Europa.

Wollten Sie schon immer DJ werden?

Ich würde sagen, es war Vorhersehung, eine vorgezeichnete Linie. Ich wäre auch gerne Sportler geworden, Leichtathlet, Fußballer oder Tennisspieler. Sport spielt bis heute eine große Rolle in meinem Leben. Aber damals war das Nachtleben dann verlockender.

Haben Sie musikalische Vorbilder?

Jeff Mills, der eben Fritz Langs Film „Metropolis“ neu vertonte. Aber ich kann auch ehrlich sagen: Dieter Bohlen. Die Musik von „Modern Talking“, das ist schon grandios. Weltweit Top-Eins-Platzierungen mit einer musikalischen Formel, die einfach wiederholt wurde.

Ein DJ ist ein…

Künstler. Ein Performer, Artist oder Zeremonienmeister. Ich reise viel, treffe viele Menschen, bin aber auch Produzent, Sounddesigner, Arrangeur und Musiker. Die Gäste erwarten etwas Besonderes von DJ Hell – und das will ich jede Woche neu unter Beweis stellen.

Wie viele Leute hören Ihnen zu?

Im Club 500 Gäste, aber auch mal 3000 bis 5000 auf Festivals. Je nach Veranstaltungsort, wo ich gebucht werde, ob Open Air, Mehrzweckhalle oder Disco-Bunker. Mein größter Auftritt war 2001 in Berlin mit meinem Kollegen Westbam auf der Loveparade, vor rund 1,5 Millionen Menschen an der Siegessäule.

Früher schleppte ein DJ schwere Plattenkoffer von Club zu Club. Wie reisen Sie heute?

Nur mit Handgepäck. Platten lege ich seit 15 Jahren nicht mehr auf. Kopfhörer und USB-Stick sind die handelsüblichen Arbeitsgeräte.

Haben Sie in Ihrer Karriere je ein Set zweimal gespielt?

Niemals. Das ist unmöglich. Jede Party ist einmalig.

Wie wissen Sie, was die Leute von Ihnen erwarten?

Was in Berlin geht, funktioniert nicht in München und umgekehrt. Das ist Erfahrungswissenschaft, ich bin da ein Seismograf. Da stehen junge Leute, ein Drittel so alt wie ich, vor mir. Ich kann mich sehr gut vorbereiten und doch wird der Abend ganz unerwartet. Da muss ich spontan reagieren und alles umbauen.

Früher ging man um Mitternacht weg – und heute?

Da ist noch niemand im Club. Ich starte mit meiner Performance gegen zwei, drei, vier, manchmal fünf Uhr morgens. Wenn ich aufhöre zu performen, ist auch oft die Party zu Ende.

Warum machen Sie Techno und keine Schlager?

Techno hat eine starke Energie, das ist meine Musik, hier bin ich zu Hause. In den Millenniums-Jahren habe ich das Genre „Electroclash“ erfunden. Jetzt wird das wieder abgefeiert. In der Kunst, Mode und Musikwelt gab es immer deutliche Rückbesinnungen und Trends, auf die sich alle als Zeitgeist einigen konnten.

Wie steht es um den Techno-Nachwuchs?

Da empfehle ich Marcel Dettmann und Ben Klock aus Berlin. Beide machen stilistisch damit weiter, was ich in den 90ern definiert hatte in meinen Sets und pushen innovative Musik aus Detroit, Chicago und Deutschland in ihren aktuellen Sets.

Hören Sie privat noch Platten?

Es gibt eine große Sammlung von etwa 20 000 Stück. Eigentlich wollte ich sie dem österreichischen Künstler Erwin Wurm verkaufen. Mein Plan war, alle zu einem großen Tropfen Vinyl zu verschmelzen.

Mögen Sie es, im Rampenlicht zu stehen?

Ich mag vor allem nicht, von Scheinwerfern angestrahlt zu werden. Ich spiele lieber im Dunkeln, so kann ich mich besser konzentrieren.

Was ist das größte Vorurteil über Sie und DJs allgemein?

Wir sind alle drogen- und alkoholsüchtig, Egomanen und vor allem größenwahnsinnig. Das ist grundlegend falsch. Ich ernähre mich bewusst und sehr gesund, bin Nichtraucher, trinke keinen Alkohol, schlafe regelmäßig neun bis zehn Stunden wie Spitzensportler.

Wann gibt es neue Musik von DJ Hell?

Mein neues Release heißt „Save the Robots“ und wurde in New York produziert. In Berlin arbeite ich am zweiten Album mit Jonathan Meese und bereite in der Hellerau in Dresden eine Wagner-Opernaufführung für 2023 vor.

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