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Der Geiger David Garrett im Hallo-Interview über Klassik und Pop, Coverversionen und Rockstar-Klischees

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Von: Sebastian Obermeir

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David Garrett im Gespräch mit Hallo München
David Garrett im Gespräch mit Hallo München © Wolfgang Kumm

David Garrett spricht im Interview mit Hallo München über zerlegte Hotel-Zimmer, die Zerstörung seiner Geige auf der Bühne und seine Autobiographie...

Rock’n’Roll hat er auf dem Unterarm tätowiert, die Verschmelzung von Klassik und Pop hat er sich auf die Fahne geschrieben: Mit Coverversionen von Liedern der Beatles, Metallica, Oasis und vielen weiteren erreicht der Star-Geiger ein Millionenpublikum.

Auf so manches Rockstar-Klischee verzichtet er trotzdem allzu gerne...

David Garrett im Interview mit Hallo München

Herr Garrett, endlich stehen wieder Konzerte an. Wann haben Sie das letzte Hotel-Zimmer zerlegt? Oder machen das Klassik-Stars nicht?

Das hat glaube ich seit den 80ern gar niemand mehr gemacht! Da wird man auch sonst nicht mehr von den Veranstaltern eingeladen.

Mit dem Gedanken, Ihr Instrument auf der Bühne zu zerstören wie die Rockstars damals, spielen Sie erst recht nicht, oder?

Oh nein, nicht zuletzt wegen des Werts, den meine Geigen haben. Die Preise sind ja nochmal ganz anders als bei Gitarren. Aber ich wette, die haben auch nicht ihr wertvollstes Lieblingsinstrument auf der Bühne dabei. Sondern ein altes, ausrangiertes. In meinem Fall hat das auch mit Respekt gegenüber dem Instrument zu tun – ich respektiere den Klang, die Einzigartigkeit und möchte das auch an die nächste Generation weitergeben können.

E-Geige spielen Sie aber auch?

Vom ganzen Konzert vielleicht 0,5 Prozent. Vor allem aus musikalischen Gründen – manches ist nur damit spielbar. „Enter Sandman“ von Metallica beginne ich etwa mit der E-Geige. „Come together“ von den Beatles ist komplett auf der elektrischen Geige gespielt. Das geht gar nicht anders.

Was sagen denn Metallica zu Ihrer Version? Oder generell die Künstler?

Ich freue mich immer sehr, wenn es Feedback gibt oder die Künstler Videos von mir reposten. Metallica haben mir mal eine schwarze Geige geschickt. Bei Eminem war es für mich schon besonders, dass wir das „Go“ für eine Neuinterpretation bekommen haben, weil er normalerweise gar keine Cover freigibt. Und wir durften „Lose yourself“ machen.

Etwas weg von den anderen Musikern und hin zu Ihnen: Sie haben im Frühjahr Ihre Autobiografie veröffentlicht. Mit welchem Gefühl geben Sie so viel Persönliches von sich preis?

Mit einem sehr guten. Weil ich meine Geschichte selbst erzählt habe. Es gab dabei nicht nur Schönes zu erzählen, sondern es ging auch um schwierige Zeiten.

Etwa von der Kindheit, als Sie schon unter immensem Druck standen.

Auch, ja. Davon ungefiltert zu erzählen, tat mir gut. Wenn ich all das nicht preisgeben hätte wollen, hätte ich auch zur Psychotherapie gehen können.

Das heißt, Sie haben auch kein Problem, wenn intime Details publik werden, wie zuletzt in der Bunten?

Was stand denn da drinnen?

Dass Ihre Traumfrau schöne Zähne haben soll und Sie seit drei Jahren liiert seien.

Das stimmt. Ich bin seit drei Jahren in einer glücklichen Beziehung. Und Zähne sind mir wichtig, ja. Ich finde, natürliche, schöne Zähne sind ein Zeichen dafür, wie jemand lebt. Es zeigt, dass jemand auf sich achtet. Das mag ich.

Im Buch haben Sie vor allem zurückgeblickt. Wie sieht es mit dem persönlichen Blick nach vorne aus?

Ich bin niemand, der unbedingt wissen will, was in zwei Jahren ist. Ich schaue bis zum Ende eines Projekts, aber nicht weiter. Klar, kann das mal mehrere Jahre dauern, aber ich konzentriere mich auf eines und dann auf das nächste.

Wollen Sie den Satz vervollständigen? Ein Tag ohne Musik…

… kann auch sehr schön sein. Für mich ist jeder Tag anders. Aber ganz ohne Musik ist er natürlich fast wie nicht gelebt. Weil ich gerne Musik höre und sie brauche.

Was ist Ihr Tipp an Eltern, deren Kinder Violine lernen und wo es, sagen wir mal, noch nicht nach Weltstar klingt?

Grundsätzlich muss die Leidenschaft für das Instrument aus einem selbst kommen. Die Violine ist kein einfaches Instrument, sie zu spielen, verlangt einem viel ab. Deshalb wäre mein Rat: zu Konzerten gehen. Gemeinsam zu erleben, was die Musik kann und diese Begeisterung entfachen.

Wie beim Konzert in der Olympiahalle?

Genau. Für mich wird der Abend auch besonders. Das letzte Konzert in der Stadt ist schon eine Weile her, aber nach München zu kommen ist so etwas wie Heimkommen. Ich habe sogar mal einen Monat lang dort gelebt. Es gibt auch schöne Klassiksäle in München. Aber mit einem 300 Jahre alten Stück Holz in der Olympiahalle zu spielen, das wird gigantisch.

ZUR PERSON 

David Garrett war nicht immer David Garrett. Als David Bongartz wurde der Star-Geiger in Aachen am 4. September 1980 geboren. Schon als Kind lernte er Violine – vom strikten Übe-Alltag schreibt Garrett unter anderem in seiner Autobiografie. Die Musik-

Karriere nahm allerdings erst nach dem Studium an der New Yorker Juilliard School Fahrt auf. Dort begann er, Klassik und Pop miteinander zu verschmelzen. Dieser Stilmix führte zu Weltruhm, Millionen verkaufter CDs und brachte dem heute in Berlin lebenden Künstler zahlreiche Preise ein. Von 2008 bis 2010 war er sogar als schnellster Geiger der Welt im Guinness Buch der Rekorde eingetragen.

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