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Clueso im Interview über sein neues erweitertes „Album“, „Sing meinen Song“ und seine Beziehung zu München

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Von: Romy Ebert-Adeikis

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Clueso im Hallo-Interview.
Clueso im Hallo-Interview. © dpa/Monika Skolimowska

Schlicht „Album“ heißt die aktuelle Platte des Erfurter Popsängers, mit der er im Herbst auch im Zenith zu Gast ist. Warum der 42-Jährige sein bisher neuntes Werk zuletzt lieber erweitert hat, statt ein neues Album zu schaffen, wieso er heute mit der Schickeria an der Isar leben könnte und wie er gerade sein Russisch aufpeppt.

Clueso, in deinem aktuellen Song „Mond“ geht es darum, gemeinsam abzuhauen. Gerade wäre ja wirklich eine gute Zeit, der Erde den Rücken zu kehren, oder?

Ja, das spielt da natürlich rein. Einfach weg, das trifft total den Nerv bei vielen. Aber der Song hat auch noch eine zweite Stimmung – so Bonnie und Clyde-mäßig, zwei gegen den Rest der Welt.

Wir verlosen Karten für das Konzert von Clueso im Zenith München.

„Mond“ ist eines von fünf neuen Liedern auf einer Deluxe-Version deiner aktuellen Platte. Warum eine Erweiterung?

Ich hatte noch so viele Songs rumliegen, die es zur Veröffentlichung nicht aufs Album geschafft haben, aber stilistisch doch noch gut dazu passen. Ich schreibe so viel... Und auf meinem dann zehnten Album soll es ein bisschen verrückter werden. Bei „Album“ bin ich zu den Produzenten gegangen und habe gesagt: „Ich möchte ein großes Popalbum machen.“ Beim zehnten soll der Ansatz ganz anders sein: Ich will die Leute fordern!

Woher kommt diese Experimentierfreude?

Während des Lockdowns habe ich sehr viel Neues probiert – Videos, Podcasts oder Twitch-Sendungen. Dazu war ich sehr viel im Studio. Ich hatte so viel zu tun, dass ich fast ein bisschen überarbeitet war.

Dazu engagierst du dich auch noch sozial...

Ja, das erfordert manchmal ein bisschen Kraft, aber ich finde es wichtig, auch mal nach links und nach rechts zu schauen. Wie jetzt mit der Ukraine. Wir haben eine ukrainische Familie aufgenommen, eine Mutti und zwei Kinder.

Das funktioniert gut?

Ich bin WG-erfahren, das passt. Und ich kann meine Russischkenntnisse mal aufbessern.

Du bist dieses Jahr auch bei der TV-Show „Sing meinen Song“ gewesen, bei der Musiker die Lieder anderer neu interpretieren. Fast wie eine Ehrung des Lebenswerks, oder?

Es hat sich definitiv so angefühlt. Nach 20 Jahren auf der Bühne ist das wie eine Zeitreise. Man erinnert sich daran, warum oder für wen man einen Song geschrieben hatte. Das ist sehr emotional.

Am Anfang sollst du ja sehr skeptisch gewesen sein...

Aber ich bereue es nicht. Es war total geil, ich würde es sofort wieder machen. In dem Format passieren einfach coole Sachen. Wenn die eigenen Songs interpretiert werden – das ist wie Geburtstag haben. Man bekommt einen Haufen Geschenke.

Du arbeitest auch sonst viel mit anderen Künstlern zusammen – Udo Lindenberg, die Fantastischen Vier, jetzt Elif. Wer fehlt noch?

Das ist ja kein Stickeralbum, aber ein paar Ideen hätte ich schon noch. Alte Hasen finde ich immer super, wie etwa „Deichkind“. Aber auch Newcomer sind immer cool.

Ich glaube, dass deine Songs in München später und seltener im Radio laufen als etwa in Ostdeutschland. Oder trügt mich mein Gefühl?

Nein, vor allem in der Anfangszeit ist das krass gewesen. Bayern ist für mich immer ein bisschen herausfordernder. Das merke ich etwa an den Tour-Verkaufszahlen. Vielleicht muss man hier einfach präsenter sein.

Und andersherum: Fremdelst du auch mit München?

Früher fand ich München schickimicki. Jetzt ändert sich das, es ist eigentlich sehr geil – an der Isar spazieren, Sachen am Viktualienmarkt probieren, ein paar Meter außerhalb der Stadt sieht man schon die Berge. Wenn ich hier bin, fahre ich immer sehr viel durch die Stadt, checke nicht unbedingt, wo ich gerade bin. Aber man bekommt überall ein riesiges Bier, selbst wenn man eigentlich nur ein kleines Radler wollte (lacht).

Klingt fast, als wäre München eine Alternative zu deiner Heimatstadt?

Das könnte ich mir durchaus vorstellen. Man kann hier auf jeden Fall überall richtig gut chillen. Aber Leipzig und Hamburg mag ich auch sehr.

Was sollte der Münchner über Erfurt wissen?

Die Altstadt ist wundervoll, fast schon ekelhaft schön. Auf die Einwohnerzahl gerechnet gib es dort die meisten Kirchen – von oben sieht man nur Kirchtürme. Und es gibt viele tolle Cafés und Restaurants.

Wir verlosen Karten für das Konzert von Clueso im Zenith München.

Zur Person

„Clueso“ – der Künstlername spielt auf den ungeschickten Inspektor Clouseau aus „Der rosarote Panther“ an. Auch der Weg von Thomas Hübner, wie Clueso wirklich heißt, vom Hip-Hopper zu einem der erfolgreichsten deutschen Popsänger war steinig. Als hyperaktives Kind hatte der Erfurter in der Schule Probleme, eine Friseurlehre brach er wieder ab. Eine Stütze war sein Großvater, wie der heute 42-Jährige erzählt: „Opa hat damals alle beruhigt und gesagt: ‚Der Junge ist okay. Gebt dem eine Gitarre, dann kann er sich austoben.‘“ 2001 veröffentlichte Clueso sein erstes Album „Text und Ton“. Mit Auftritten bei Stefan Raabs Bundesvision Song Contest und als Vorband von Herbert Grönemeyer wurde er schließlich bundesweit bekannt. Hübner lebt bis heute in Erfurt.

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