A bis Z mit der Schauspielerin Christiane Blumhoff

Christiane Blumhoff: "Ich will, dass München bunt bleibt."

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Christiane Blumhoff mit ihrem Sohn Comedian Simon Pearce.

In Hallo spricht die Schauspielerin über ihre Familie, die große Liebe und über das Schimpfen auf bayerisch

Wenn die 76-Jährige mit ihrem Roller durch die Stadt fährt, schlingert Christiane Blumhoff fröhlich. Kurvig ist auch ihr Lebensweg: Als Zweijährige floh sie mit ihrer Mutter und Großmutter von Danzig nach München. Mit neun Jahren trat sie das erste Mal im Gärtnerplatztheater auf und wurde schnell erfolgreich als Schauspielerin beim „Komödienstadl“. Ihre Karriere erlitt einen Rückschlag, als sie 1976 den Nigerianer Charles Pearce heiratete: Die Rollen blieben aus. „Beim BR haben sie damals gesagt: ,Mei, die kannt bei uns a ganz a Große wern, wenns net den schwarzen Mo hätt’“, erinnert sich Blumhoff. Trotzdem nahm sie das Leben immer leicht: „Ich wollte entgegengesetzt zu meiner Oma leben – frei und positiv.“ 

Mit ihrem Mann lebte sie glücklich bis zu seinem Krebstod 2004 und hat drei Kinder, unter anderem den Comedian Simon Pearce, der heute noch viel Lustiges aus der Schwarzer-Spießer-Papa- und Hippie-Mama-Dynamik seiner Eltern zieht. Der BR widmet der beliebten Schauspielerin am Montag, 29. Oktober, um 22 Uhr eine Episode seines Formats „Lebenslinien“. In Hallo spricht Blumhoff vorab über ihr bewegtes Leben.          Maren Kowitz

Alleinverdienerin war ich für unsere Familie. Dabei waren gerade nach unserer Hochzeit die Rollen nicht so reich gesät. Wir haben uns von Freunden Geld geliehen, um die Miete zu zahlen. Aber ich habe mir nie Sorgen gemacht, auch wenn wir kein Geld hatten.

Bloody Monday: Fast jeden Montag gibt es ein Fest bei mir, an dem wir rauchen und trinken. Nächsten Montag machen wir daraus ein Public Viewing der Lebenslinien.

Comedy: Simon wird oft gefragt: „Sag mal, weiß deine Mama eigentlich, was du Privates aus eurem Familienleben erzählst?“ Dann sagt er: „Hast du die gehört, die so tief und laut lacht – das war meine Mutter.“ Ich find’ s wunderbar.

Demos: Da bin ich gerne und laut dabei. Ich engagiere mich auch für die „Künstler mit Herz“ gegen die AfD. Mein Leben ist bunt, meine Familie ist bunt – und ich will, dass München bunt bleibt.

Enkel: Simon hat vor vier Monaten einen Buben bekommen. Das ist mein dritter Enkel nach Wilsons Söhnen. Oma Sein ist nach Mutter Sein das Schönste. 

Flucht: Bei unserer Flucht 1945 von Danzig nach München war ich zwei Jahre alt. Ich habe keine Erinnerung daran. Aber meine Oma und meine Mama haben mir erzählt, dass wir das rohe Fleisch der toten Pferde gegessen haben.

Gruseln: Ich habe vor nichts Angst – nur vor Toten. Nachvollziehbar aus der Flucht heraus. Ich gehe auch nicht über Friedhöfe.

Haidhausen: Ich bin vor 14 Jahren von der Maria-Theresia-Straße in die Steinstraße gezogen. Mittlerweile wohnen auch alle meine drei Kinder in fünf Minuten Entfernung. 

Illegal: Mein Mann hatte nicht das Geld, um sein Visum zu verlängern. Deswegen musste er sein Studium abbrechen und hat sich illegal hier aufgehalten. Dann haben wir geheiratet. Wir sind aber beide zu Geldstrafen verknackt worden – ich, weil ich ihn versteckt habe. 

Jubeltage: Meine ganze Familie feiert oft und gerne. Mein Mann ist im November gestorben. Am 25. Dezember haben wir groß seinen Geburtstag gefeiert – mit 40 Leuten.

Kennenlernen: Als ich meinen Mann 1975 auf einer Party kennenlernte, hatte ich keine Vorstellung von Afrika. Ich habe zu ihm gesagt: „Du kommst aus Afrika – da gibt es doch Löwen.“ Blamabelst. Er hat geantwortet: „Ich komme aus einer Stadt mit fünf Millionen Einwohnern, meine Eltern sind Rechtsanwälte und ich habe noch nie einen Löwen gesehen.“

Letzter Abschied: Als mein Mann 2004 an Krebs gestorben ist, habe ich ihn im Bett in den Armen gehalten und unser Lied von Abba, „Fernando“, gesungen. Er ist wie ein Engel eingeschlafen und hat aufgehört zu atmen. 

"Die Mieten in München regen mich auf"

Mieten: Die Mieten in München regen mich auf. Aber ich habe Glück: Ich habe seit 14 Jahren keine Miet­erhöhung bekommen. 

Nachkriegszeit: 1946 bin ich in die Klenzeschule gekommen und in der Corneliusstraße aufgewachsen. Meine ersten Erinnerungen sind an das München der Nachkriegszeit. Ich bin durch den Auer Mühlbach geklettert, habe mir an Bombensplittern die Füße aufgeritscht. 

Olympia 1972 war großartig. Ich habe im Deutschen Olympiazentrum in der Öffentlichkeitsarbeit gearbeitet. Wir haben Führungen gemacht für Bundespräsidenten und Staatsoberhäupter. Aber das Attentat hat natürlich alle erschüttert. 

Peter Steiner war der erste, der mich nach meiner Ehe Anfang der 80er-Jahre wieder gefragt hat, ob ich bei ihm im Theaterstadl spielen will. Ab da ging es dann wieder bergauf mit den Engagements.

Quatsch mache ich immer gerne. Ich bin als Kind aus der Singschule und als Sprecherin im BR geflogen, weil ich den Kaspar gegeben habe. 

Rassismus: Damit wurden wir viel konfrontiert. Es gab Leute, die nur mich gegrüßt haben – meinen Mann und meine Kinder nicht. Und es gab viele Kollegen, die gefragt haben: Warum hast du denn jetzt an Schwarzen nehmen müssen? Sehr nett war nur der Maxl Graf, der gesagt hat: „Sei froh, bei dem woaßt wenigstens sicher, dass’ koa Preiß is.“

Schleich TV: Zu diesem Team habe ich fest von 2013 bis 2017 gehört. Dann kam eine Entscheidung von ganz oben: Der Bayerische Rundfunk muss jünger werden. Helmut Schleich, den ich wahnsinnig schätze, hat für mich gekämpft wie ein Löwe, aber es hat nichts genützt. 

Theater: Nächstes Jahr spiele ich wieder am Blutenburgtheater – und zwar die Miss Marple. Theater ist mein Lebenselixier.

Urlaub war nie wichtig in unserer Familie. Das Geld war auch nie so da. Ich war Ende 40 das erste Mal am Meer – bei einem Dreh in Griechenland auf Kos. 

Volksschauspielerin: Der Begriff ist ein Schmarrn, ich bin Schauspielerin. Aber ich bin nicht beleidigt, wenn mich jemand so nennt. Nur, wenn man mich eine schlechte Schauspielerin nennt (lacht). 

Wurzeln: Mein Sohn Simon ist jetzt die sechste Generation unserer Familie, die auf der Bühne steht. Auch mein Stiefvater, Franz Leonhard Schadt, hat selbst Theater gespielt, bevor er 43 Jahre lang das Münchner Marionettentheater leitete. 

Xanthippe: Meine Oma hat uns allen das Leben schwer gemacht. Sie hat meine Mutter geschlagen, als die schon über 40 war. Mich auch. Für sie waren alle Menschen blöd und mussten erst beweisen, dass sie es nicht sind. 

Youtube: Ich habe zwar einen Laptop, der macht aber nie das, was ich will. Auch bei Fotos tendiere ich zum Papierformat. Am liebsten schaue ich mit meinen Enkeln Alben an, wo ihr Papa noch klein war.

Zwida: Wenn ich schimpfen muss, dann auf Bairisch. Das kommt zu mir natürlich. Aber da meine Mutter in Hannover geboren ist, spreche ich normalerweise Hochdeutsch. Ich habe aber ein Ohr für Dialekte.


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