A bis Z mit Komponist Christian Bruhn

Christian Bruhn: „Alle singen wie Tim Benzko oder Judith Holofernes“

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Komponist Christian Bruhn schuf unter anderem die berühmten Titelmelodien zu den Zeichentrick-Serien Captain Future, Wickie und Heidi.

Christian Bruhn ist einer der erfolgreichsten deutschen Komponisten. Seinem Leben widmet sich nun ein Kinofilm. In Hallo resümiert er seine musikalischen Meilensteine. 

Captain Future, Wickie, Heidi, Sindbad, TaoTao – all diese Zeichentrick-Serien haben eines gemeinsam: ihre bis heute unvergessenen Titelmelodien vom Münchner Christian Bruhn. Doch den Musikproduzenten und Komponisten auf das Fernsehen zu reduzieren wäre grundverkehrt. Unzählige Schlager – darunter „Ein bisschen Spaß muss sein“, „Marmor, Stein und Eisen bricht“, „Liebeskummer lohnt sich nicht“ und „Zwei kleine Italiener“ – verdanken ihre eingängigen Melodien dem heute 84-Jährigen. 

Der für seine dritte Ehefrau Katja Ebstein komponierte Song „Wunder gibt es immer wieder“ erreichte 1970 beim Eurovision Song Contest Rang drei. Jetzt widmet sich der Dokumentarfilm „Meine Welt ist die Musik“ (ab 10. Januar im Kino) dem Musik-Majestro aus Solln. Neben dem Protagonisten selbst – und natürlich ganz viel Musik – sind unter anderem Katja Ebstein, Harold Faltermeyer, Ralph Siegel, Klaus Doldinger, Toni Netzle und DJ Hell mit von der Partie. Wie Christian Bruhn selbst die musikalischen Meilensteine seines Lebens sieht, verrät er hier von A bis Z. 

Marie-Julie Hlawica

Komponist Christian Bruhn (84) von A bis Z

Arbeit: Meine Arbeit macht mir Spaß. Ich beherrsche gottseidank mein Handwerk: Das musikalische Rüstzeug, wie die Instrumente funktionieren, wie man eine Partitur schreibt, das muss man halt lernen.

Bewunderer – bin ich selbst. Der Beste ist für mich Ralph Siegel. Seine vielen goldenen Schallplatten, seine Texte – einfach Wahnsinn.

Captain Future: Für diese Zeichentrick-Serie der 80er konnte ich Sounds erfinden, die sonst nicht in der Illustrationsmusik vorkommen. Das Thema hatte ich schon – wir Komponisten sind ökonomisch. Es besteht aus einem großen Melodiebogen, dazu Sopran, Klavier, Streicher und ein straffer Beatrhythmus. Das Ergebnis ist eine Sternstunde gewesen.

DJ Hell hat mein Titel-Thema von Tim Thaler genutzt und verändert, für seinen Discostyle. Ich finde das gut, denn es ist ja auch eine Hommage an mein Werk.

Erfolgreichstes Lied ist bis heute „Marmor, Stein und Eisen bricht“ – und: Die ersten vier Takte sind von Drafi Deutscher! Den Song singt und kennt fast jeder.

Früher hat man mit gutem Gewissen Deutsch singen dürfen. Jetzt haben wir auch wieder eine gesunde Szene, das freut mich natürlich. Wir haben auch mehr fröhliche Lieder als etwa die Amerikaner.

GEMA: Der Bäcker verschenkt keine Brötchen, Strom aus der Steckdose ist nicht umsonst, Freibier gibt’s auch nicht. Wenn jemand ein gutes Lied geschrieben hat, sollte er auch daran verdienen. Bei Youtube und Spotify geht der Komponist so gut wie leer aus.

Humor ist für mich ein Text wie „Wärst Du doch in Düsseldorf geblieben“ – Das war als Karnevalsschlager gedacht. Jetzt halten es die Düsseldorfer für eine Nationalhymne.

Ich möcht der Knopf an Deiner Bluse sein. Das war ein Hit, den ich für Bata Illic geschrieben habe. Der wurde zuerst im Radio nicht gespielt weil er als schmuddelig galt.

Jugendmusik: Ist heute nicht so differenziert wie früher. Alle singen wie Tim Benzko oder Judith Holofernes (Wir sind Helden). Früher konnte man ganz klar Katja Ebstein von Mireille Mathieu und Caterina Valente unterscheiden.

Kinder sollten so früh wie möglich gefördert werden. 95 Prozent der Menschen sind musikalisch. Es ist erwiesen: Musik regt die geistige Tätigkeit an. Man muss Kinder ja nicht mir einem Instrument wie Geige quälen, ein bisschen Klavierklimpern oder eine Gitarre tut es auch.

Lieblingslieder habe ich vier unter meinen eigenen Kompositionen: „Meine Welt ist die Musik“ von Mireille Mathieu, „Winter in Canada“ von Alisa Gabbai, „Er ist wieder da“ von Marion Maerz und natürlich „Wunder gibt es immer wieder“ von Katja Ebstein.

München liebe ich und wohne seit 1956 hier. Ich brauche die Gewissheit, dass die Berge in der Nähe sind. „Vom Ernst des Lebens halb verschont ist jeder, der in München wohnt“. Mein Lieblingszitat von Eugen Roth.

Neid stört schon sehr. Ralph Siegel ist ein Kollege, ein Freund und ich bewundere seine Arbeit. Aber neidisch bin ich nicht.

Ohren sind für mich sehr wichtig. Mein Gehör möchte ich nie verlieren. Das wäre die größte Strafe. Man darf nur nicht zu laut hören.

Preise: Habe ich viele und mich immer sehr gefreut. Man hat es ja wohl verdient. Wenn man einen Preis bekommt, muss er nicht im Keller verschwinden. Ich habe im Wohnzimmer ein Regal und im zweiten Stock hängen die schriftlichen Ehrungen.

Qualität ist mir wichtig. Da bin ich ganz akribisch. Ich höre auch abends auf zu arbeiten, weil man dann schlechter hört. Da werden die Mischugen schief.

Rock’n’Roll: Vier, fünf Leute machen genug Krach. Manchmal sehr schönen. Eine Big Band und Streicher sind heute zu teuer. Ich benutze natürlich Synthesizer. Man kann sich der Technik nicht in den Weg stellen.

Summen ist ein Tick von mir und ist ideal für die Stimme. Ich habe mit 84 keine Greisenstimme. Aber eigentlich ist es eine Macke. Wenn sich das Eheglück dem Ende zuneigt, kann das Summen auch ein Streitfaktor sein.

Tüftler: Ich bastle so lange an einer Musik-Abmischung herum, bis meine Ansprüche erfüllt sind – und die sind sehr hoch.

Unleidig werde ich, wenn jemand Schmähkritik über mich verbreitet. Ich habe auch schon mal einen Kommentar löschen lassen.

Volksmusik mit den drei Harmonien begreift jeder. Deshalb ist sie so erfolgreich. Und selbstverständlich gehört sie zur Kultur.

Wickie war ein Auftrag der Kirch-Film-Firma. Das Interessante ist, dass die Melodie mit einer Sept anfängt, die Musik ist ein richtiger zwölftaktiger Blues. Mit Beat natürlich. Ich habe nicht gedacht, dass das so eindringlich und einmal so ein Erfolg wird.

X-Mal werde ich gefragt: „Wie fällt Ihnen das ein?“ Das nervt. Da kann man doch nichts dafür, das ist Talent, eine Gottesgabe...

Yeah Yeah – das ist ein Element aus einem Song von mir (und auch aus einem Beatles-Lied). „7000 Rinder“, von Peter Hinnen. Es war mit sein größter Hit.

Zufriedenheit: Ich bin ausgeglichen. Unzählige Unterhaltungsmusiker sind wie ich vom Sternzeichen Waage: Udo Jürgens, Bert Kaempfert, Peter Moesser. 

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