A bis Z Interview mit dem 1860-Aufstiegs-Trainer

Bierofka: "Ich gehe davon aus, dass ich bleibe" 

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Nach dem Aufstieg des TSV 1860 spricht Trainer Daniel Bierofka mit Hallo über den Erfolg - von A bis Z.

Er hat den TSV 1860 aus dem Tal herausgeführt. Aufstiegstrainer Daniel Bierofka ist ein Löwe durch und durch. Wir haben mit ihm gesprochen.

Der Aufstiegstrainer Daniel Bierofka ganz privat: „Mein Vollbart gehört zu mir“, verrät der Cheftrainer des TSV 1860 im Hallo-Interview. Aber: Bleibt „Biero“ auch beim TSV? Noch in dieser Woche beginnen die Vertragsverhandlungen mit dem Verein – denn sein aktueller Kontrakt läuft in einem Jahr aus. Eines ist sicher: Unter den vielen Löwen-Fans ist Bierofkas größter Fan seine siebenjährige Tochter. „Sie ist voll dabei und kennt alle Lieder“, erzählt der zweifache Vater. Womit er in seinem Trainer-Job zu hadern hat, wie ihm sein Vater, der auch Trainer und Spieler bei den Löwen war, hilft und warum ihm die Fans so wichtig sind, berichtet der 39-Jährige von A bis Z.

Hanni Kinadeter

Aufstiegsmannschaft: Die aktuelle Mannschaft ist mir echt ans Herz gewachsen. Daheim will ich im Büro noch ein Foto von der Aufstiegsmannschaft aufhängen. Ein Jahr lang haben wir so hart gearbeitet – und dann dieser Erfolg! Beim Feiern sind alle Dämme gebrochen.

Bierofkas: Mein Papa, der auch Trainer und Spieler war, will mir immer helfen. Wir reden viel, aber wir streiten auch viel, vertragen uns wieder und es kommt etwas Positives raus. Geändert hat sich die Anrede: Früher nannten mich die Leute „den Sohn vom Willi“. Jetzt nennen sie ihn „den Papa vom Daniel“.

Chaos: Die chaotischen drei Tage von 2017 kann und will ich nicht kommentieren. Ich kann nur sagen: Kosta Runjaic war ein hervorragender Trainer. Was aber nicht funktioniert: Schnell vier, fünf neue Spieler zu holen und denken, dass alles besser wird. Es braucht Zeit, bis eine Mannschaft zu einer geschlossenen Einheit wird.

Durchschnaufen: Nach dem Aufstiegs-Feiern bin ich erst mal kurz in ein Loch gefallen. Da fällt dann alles ab, der Körper war vorher ständig auf einem Stresslevel. Ich habe jetzt noch Urlaub und brauche auch zwei bis drei Wochen, damit das Energielevel voll wird.

Ehrgeizig bin ich auf jeden Fall. Manchmal überfordere ich meine Mannschaft damit, aber das gehört dazu.

Fans: Wir sind eine Mannschaft, mit der sich die Fans freuen. Unsere Fans haben eine hohe Identifikation mit dem Verein, die nicht nur vom Ergebnis abhängt. Das soll auch weiter so bleiben. Jetzt wurden unsere treuen Fans mal wieder belohnt.

Giesing: Das Grünwalder Stadion in Giesing ist für mich etwas ganz Besonderes. Ich war 1988 zum ersten Mal dort, als der TSV 1860 gegen den FC Amberg gespielt und gewonnen hat.

Herausforderung: Die größte Schwierigkeit als Trainer ist es, die Mannschaft zusammenzuhalten und auf das Zwischenmenschliche zu achten. Man muss jeden Tag schauen, dass es für jeden der 26 oder 27 Spieler passt.

Image: Die Bayern gelten als der Global Player, der in der ganzen Welt unterwegs ist. Und wir Löwen als der bodenständige Arbeiterverein aus Giesing. Die Marke müssen wir uns beibehalten. Wir sind in der vergangenen Saison sehr Fan-nah aufgetreten und wollen das auch weiterhin.

Jugend: Vier Jahre lang habe ich beim FC Bayern in der Jugend gespielt, zwei Jahre bei den Amateuren. Ich wurde dort gut ausgebildet und bin dem Verein gegenüber ganz neutral. Dass sich die Fans nicht alle mögen, das ist ja ganz normal.

Kinder: Meine kleine Tochter Zoe ist echt ein extremer Fan. Sie ist gerade mal sieben Jahre alt, aber sie kennt alles und singt im Stadion alle Lieder mit. Sie ist voll dabei. Mein Sohn David ist auch Fußballbegeistert, aber viel zurückhaltender.

Lizenz: Ab nächster Woche mache ich die nächste Trainerlizenz – das muss ich, sonst dürfte ich nicht Trainer bleiben. Schneller hätte ich die Lizenz nicht machen können – mit 35 hab ich als Spieler aufgehört, dann musste ich erst den Jugendschein machen, dann den nächsten und dazwischen immer warten. Zehn Monate lang bin ich jetzt Montag bis Mittwoch immer in der Nähe von Köln – das wird sehr anstrengend.

München: Aufgewachsen bin ich im Münchner Norden, am Lerchenauer See. Inzwischen wohne ich aber in Obermenzing.

Nicole, meine Ehefrau,habe ich vor 18 Jahren in einer Disco kennengelernt. Anfangs war sie gar kein Fußballfan, aber sie ist da reingewachsen. Und sie weiß auch, wie sie mit mir umgehen muss: Wenn wir verloren haben, dann redet sie nicht groß mit mir, sondern wartet bis zum nächsten Tag. Dafür bin ich ihr sehr dankbar.

Operationen: Irgendwann habe ich aufgehört, sie zu zählen. Aber ich war 15 Jahre lang Profi, da ist alles dabei gewesen, von Knochenbrüchen bis zum Bandscheibenvorfall.

Party: Nach der Relegation haben wir erst im Stadion gefeiert, dann beim Bus und später am Trainingsgelände. Ich war zwischendrin noch mit dem Trainerteam essen, weil ich mich bedanken wollte. Für mich war das Feiern aber schnell wieder vorbei, es warten viele neue Aufgaben.

Querelen: Entscheidungen zu treffen, bedeutet, zu verletzen: Die ersten Elf im Kader sind glücklich, zwölf bis 16 sind unzufrieden und 17 bis 24 wollen dir den Hals umdrehen. Das sind die schwierigen Gespräche meines Trainer-Postens.

Route: Wenn ich abschalten will, gehe ich laufen. Da jogge ich von Obermenzing eine schöne Route direkt zum Nymphenburger Schlosspark.

Spieler: Anfangs war es für mich schwierig und ich habe das Spieler-Dasein vermisst, aber der Trainer-Beruf ist sehr umfangreich und interessant, ich bin jetzt verantwortlich für den ganzen Verein.

Trainer: Dass wir aufgestiegen sind, ist mein erster persönlicher Erfolg als Trainer, das war ein toller Moment.Es freut mich sehr, Aufstiegstrainer zu sein.

Urlaub: Gerade habe ich Urlaub und viel weniger Alltagsstress. Aber auch im Urlaub muss ich mich um die Kaderplanung kümmern und mit den Spielern reden. Aber ich merke, dass ich jeden Tag ruhiger werde.

Vollbart: Nein, meinen Bart rasiere ich nicht ab, der gehört zu mir und ist kein Play-Off-Bart. Den würde ich nur abrasieren, wenn er meine Frau stören würde und sie sich sonst scheiden lässt. Bis jetzt stört er sie aber nicht, sie mag ihn.

Wertvolle Momente hatte ich in meiner Karriere viele, nicht nur jetzt den Aufstieg. Nie vergessen werde ich mein erstes Spiel in der Champions League und mein erstes Länderspiel. Und natürlich, als ich 2007 mit dem VfB Stuttgart Deutscher Meister wurde.

Xundheit: Ich kann morgens früh allein gut aufstehen und das ist das Wichtigste (lacht). Aber ich hatte schon viele Verletzungen und war auch wegen einer Infektion mit einem multiresistenten Keim vier Wochen lang im Krankenhaus.Ich hatte mir das Wadenbein gebrochen, infizierte mich dann im Krankenhaus mit dem Keim und dann infizierte sich auch noch der Ersatzknochen. Das war das Schlimmste.

Yoga mache ich nicht, dafür habe ich leider keine Zeit.

Zukunft: Mein Vertrag geht jetzt noch für ein Jahr, was danach ist, steht noch in der Schwebe. Ich gehe davon aus, dass ich bleibe, aber gerade gibt es wieder ein großes Hin und Her. Ende der Woche finden Gespräche dazu statt, mein Berater ist jetzt schon in Gesprächen mit dem Verein.

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