200. Geburtstag von Max von Pettenkofer

Er bewahrte München vor dem Chaos

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Max von Pettenkofer erkannte, dass die schlechten hygienischen Verhältnisse auf verunreinigtes Trinkwasser und eine fehlende Kanalisation zurückzuführen waren.

Ludwigsvorstadt – Er machte die Hygiene in München salonfähig: anlässlich des 200. Geburtstags von Max von Pettenkofer hat Hallo mit Institutsleiter Oliver Keppler gesprochen

Professor Oliver Keppler (50) ist seit 2015 Vorstand des Max von Pettenkofer-Instituts der LMU.

Ohne ihn hätte München im 19. Jahrhundert wohl keinen steilen Aufschwung erlebt: Max von Pettenkofer war Gründer des weltweit ersten Kompetenzzentrums für Hygiene. Zu seinem 200. Geburtstag am 3. Dezember hat Hallo mit einem der beiden heutigen Institutsleiter gesprochen: Professor Oliver Keppler (50) ist seit 2015 Vorstand des Max von Pettenkofer-Instituts der LMU in der Pettenkoferstraße 9a und leitet den Lehrstuhl für Virologie.

Herr Keppler, München hat den Ruf als besonders saubere Stadt. War das immer so?
Nein, im 19. Jahrhundert war München sogar eine der schmutzigsten Städte Europas, hier tobte die Cholera, das Leid der Bevölkerung war riesig. 1854 und 1873 musste deswegen sogar das Oktoberfest ausfallen.

Dank Max von Pettenkofer hat sich das geändert. Wie hat er das gemacht?
Er erkannte, dass die schlechten hygienischen Verhältnisse vor allem auf verunreinigtes Trinkwasser und eine fehlende Kanalisation zurückzuführen waren. Er forderte, neue Quellen außerhalb der Stadt zu erschließen. 1900 hatte München ein modernstes Wasserversorgungs- und Kanalisationssystem und war Vorbild für weitere Großstädte. Außerdem hat er die Schlachthöfe zentralisiert.

Inwiefern hat er München außerdem geprägt?
Pettenkofer hat dafür gesorgt, dass Hygiene und Gesundheitsvorsorge allgemeines Wissensgut wurden. Er hat sich stark für internationalen Austausch eingesetzt und diesen auch betrieben. Bis heute hat München Weltruf in der akademischen Wissenschaft.

Würde die Stadt ohne ihn heute anders aussehen?
Das ist schwer zu sagen. Wahrscheinlich wäre sie in der damaligen Zeit mehr im Chaos versunken. Durch Pettenkofers Verdienste hat der anschließende Städtebau geboomt. Man kann wohl sagen, dass er die Stadt frühzeitig auf einen guten Weg gebracht hat und sie sich genauso positiv weiterentwickelt hat.

Die undatierte Fotografie zeigt den Hygieniker Max von Pettenkofer (1818 bis 1901) im Labor.

Was bedeutete „Hygiene“ für Pettenkofer?
Vor 150 Jahren kannte man noch keine Bakterien. Pettenkofer hat sich für die Umwelteinflüsse interessiert, die unser Leben negativ beeinflussen.

Es heißt, dass Pettenkofer auch Vorsitzender des Münchner „Vereins gegen den Missbrauch geistiger Getränke“ war, also ein Alkohol-Gegner...
Davon habe ich gehört, allerdings möchte ich das nicht bestätigen.

Was kann man sich heute noch von Pettenkofer abgucken?
Er hat sich den damaligen Herausforderungen gestellt, hatte einen offenen, neugierig Geist. Das wollen auch wir uns beibehalten und weiterführen.

Was wird heute an ihrem Lehrstuhl vor allem erforscht?
Den Schwerpunkt, den ich in den kommenden Jahren in der Virologie des Instituts, das nach unserem Gründungsvater benannt ist, setzen will, liegt bei den Retroviren, insbesondere HIV.

Daniela Borsutzky

Führungen zum Thema

Die Stadtwerke München bieten am Montag, 3. Dezember, drei besondere Führungen: Um 13, 14 und 15 Uhr gibt es jeweils einen Vortrag über Pettenkofer zu hören, ein anschließender Spaziergang führt durch das Trinkwasserschutzgebiet zur Grundwassererfassung Reisach. Die Führungen sind kostenlos, die Teilnehmerzahl begrenzt. Anmeldung unter 2 36 17 89 15 oder wassergewinnung@swm.de.
Weitere Informationen unter: bit.ly/2BrAeyG

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