A bis Z mit dem Präsidenten der Bayerischen Schlösser- und Seenverwaltung

Bernd Schreiber – Der Herr über 45 Schlösser

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Bernd Schreiber - Der Präsident der Bayerischen Schlösser- und Seenverwaltung spricht mit Hallo über seinen Arbeitsplatz, politischen Einfluss und Zerstörung.

Seit 100 Jahren verwaltet die erste Behörde Bayerns die Identität des Freistaats – so wird jetzt gefeiert - Das Jubiläumsinterview

Sie war die erste republikanische Behörde des neuen Freistaats Bayern – am 20. November 1918 wurde die Bayerische Schlösser- und Seenverwaltung gegründet. Heute ist sie für 900 denkmalgeschützte Einzelgebäude, darunter 45 große Schlösser, Burgen und Residenzen, sowie 27 Gartendenkmäler verantwortlich. Und hält damit deutschlandweit diverse Rekorde: „Keine andere Verwaltung hat so viele museale Einrichtungen auf so großer Fläche mit so vielen Mitarbeitern und Besuchern“, sagt deren Präsident Bernd Schreiber (Foto: Schlösserverwaltung). Der 58-jährige Jurist ist seit 2011 Präsident der Behörde. Sein Büro hat er im Schloss Nymphenburg. Im Hallo-Interview spricht Bayerns oberster Schlossherr über Schätze und deren Schutz, Tumulte im Englischen Garten, seine Lieblingsplätze und noch offene Kriegswunden. 

Ursula Löschau

Der Präsident der Bayerischen Schlösser- und Seenverwaltung, Bernd Schreiber (58), von A bis Z

Arbeitsplatz: Schloss Nymphenburg ist sicher einer der schönsten Arbeitsplätze in München.

Burgen sind die ältesten Objekte, die wir verwalten dürfen, aber inzwischen mit den innovativsten Inhalten versehen, wie die Erlebnisburg Cadolzburg bei Fürth.

Cembalo: Ich bin ein großer Liebhaber der alten Musik und die Residenzwoche ist für mich persönlich der Höhepunkt im Veranstaltungsjahr. Dort wird alte Musik auf historischen Instrumenten gespielt. Ein Klangerlebnis wie damals im 18. Jahrhundert.

Diebstahl: Außer in den Museumsläden kann ich mich an keine Fälle erinnern. Die Besucher gehen durchaus mit Ehrfurcht an unsere Exponate heran.

Erbe: Das Erbe, das wir wahren, ist die kulturelle Identität Bayerns. Woran denkt man denn bei Bayern zuerst, wenn nicht an unsere Schlösser? Und die Erben sind die Bürger Bayerns.

Flora und Fauna: Viele unserer Gärten unterliegen als Fauna-Flora-Habitat- Gebiete dem höchsten Naturschutzstatus. Wir nehmen diese Aufgabe sehr ernst. Hier gilt es, die Balance zwischen Nutzungsdruck und Natur- und Denkmalschutz zu wahren.

Gärten: Der Englische Garten wurde schon unter Kurfürst Karl Theodor im 18. Jahrhundert für die Bevölkerung geöffnet. Dort haben wir jetzt eine schwierige Entwicklung. Das Verständnis für gegenseitige Rücksichtnahme und einschränkende Regelungen geht zurück. Die Tumulte, die es heuer im Englischen Garten gegeben hat, waren ein Ausdruck davon.

Herzog Franz von Bayern: Der Chef des Hauses Wittelsbach ist ein herausragenden Kunstkenner, der rege an der Entwicklung der Schlösser und Gärten seiner Vorfahren Anteil nimmt.

Investitionen: Wir haben Baumaßnahmen in Höhe von 460 Millionen Euro in Planung und Umsetzung – mehr als in der Wiederaufbauzeit nach dem Krieg. Die finanziell größten Projekte sind der Umbau der Festung Marienberg in Würzburg zum Museum für Franken mit rund 100 Millionen Euro und die Sanierung der Grotte im Schlosspark Linderhof mit 30 Millionen Euro.

Jobs: Wir haben rund 1000 Mitarbeiter. Manchmal sind es nur fünf Personen an einem Standort. In Nymphenburg und Herrenchiemsee sind es jeweils etwa 100. Vertreten sind Berufsgruppen in den unterschiedlichsten Bereichen.

Königsbau der Residenz: Er wurde im Frühsommer wiedereröffnet und ist das bedeutendste Raumkunstwerk der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Deutschland. Er war das Wohnapartement von König Ludwig I. und seiner Frau Therese und beherbergt nun auch den neu präsentierten Silber- und Porzellan-Schatz sowie die herausragende Miniaturensammlung der Wittelsbacher.

Mein persönlicher Lieblingsplatz in München ist der Nymphenburger Schlosspark

Lieblingsplatz: Mein persönlicher Lieblingsplatz in München ist der Nymphenburger Schlosspark. Er ist einfach ein Kunstwerk. Die Qualität dieses Parks ist körperlich zu spüren.

Der Blick auf Schloss Nymphenburg - Sommer wie Winter ein absolutes Highlight.

Museen: Die Bayerische Schlösserverwaltung ist der größte staatliche Museumsträger Deutschlands mit fünf Millionen Besuchern im Jahr. Die Residenz in München ist dabei Bayerns wichtigstes Museum. Sie ist die Mutter vieler anderer Museen.

Nächtliche Schließung des Nymphenburger Schloss­parks: Nur so können wir Vandalismus verhindern. Sonst hätten wir dort bald nächtliche Partys und andere Umtriebe.

Online: Im Dezember ist unser Instagram-Portal gestartet und ist jetzt schon ein Riesenerfolg mit etwa 4500 Abonnenten. Das ist die Gemäldegalerie des 21. Jahrhunderts.

Politischer Einfluss: Die Schlösser waren und sind schon immer ein Ort der Repräsentation für die jeweilige staatliche Führung.

Querelen: Unsere Gartendenkmäler können nicht die Bedürfnisse der modernen Freizeitkultur befriedigen. Deshalb haben wir die Parkwachen im Englischen Garten eingeführt und im Nymphenburger Schlosspark verstärkt. Die Bürger begrüßen es. Natürlich gibt es aber auch Uneinsichtige, insbesondere unter den Radfahrern im Englischen Garten.

Restaurierung: Das ist mit die spannendste und schönste Aufgabe in der Schlösserverwaltung. Hier ist die Weitergabe des Wissens die Grundlage für die Erhaltung unserer Denkmäler.

Schätze: Die sprichwörtlichen Schätze befinden sich in der Schatzkammer der Residenz: die Kronjuwelen. Ein Schatz der Raumkunst ist das Markgräfliche Opernhaus in Bayreuth.

Touristen: Fünf Millionen Besucher allein in den Schlössern sind Beweis für die Attraktivität unserer Objekte. Allerdings sind Besucherzahlen nicht das einzige Kriterium. Sie sind aber dann besonders wichtig, wenn es um die Legitimation des Einsatzes von öffentlichen Mitteln geht!

Ueberraschungen sind an der Tagesordnung. Dazu gehören auch Kostensteigerungen aufgrund unvorhersehbarer Entdeckungen im Zuge von Baumaßnahmen.

Vorreiter: Die Schlösserverwaltung wurde am 20. November 1918 als erste republikanische Behörde des gerade erst am 7. November 1918 ausgerufenen Freistaates Bayern gegründet. So konnten Plünderungen der Schlösser verhindert werden.

Wohnungen: Wir haben einen kleinen Anteil an Dienstwohnungen für staatliche Beschäftigte. Ohne sie könnten wir unser Personal in den unteren Gehaltsgruppen kaum in München halten.

X-Achse: Die Sichtachsen sind typisch für die Anlagen des Barock, wo die Symmetrie eines der entscheidendsten Gestaltungsmerkmale war, bei den Schlössern wie den Gärten.

Youngster: Ihren Bildungsauftrag kann die Verwaltung nur erfüllen, wenn sie gerade auch die Kin­der und Jugendlichen anspricht.

Zerstörung: Der Wiederaufbau der Residenz, die in den letzten Kriegstagen 1945 zerstört wurde, ist noch nicht vollendet. Das Schließen der Kriegswunden dauert an, aktuell mit der Wiederherstellung der Gelben Treppe im Königsbau.

Veranstaltungen zum Jubiläum

Das 100-jährige Bestehen der Verwaltung wird mit einem Festprogramm vom 7. bis 20. November gefeiert. Am Freitag, 9. November, ab 15 Uhr hält Schreiber im Johannissaal von Schloss Nymphenburg einen Vortrag über die Geschichte seiner Behörde. Alle Veranstaltungen zum Jubiläum finden Sie unter www.schloesser.bayern.de.

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