Interview

„Bei der Partei ist nichts unmöglich“: Stephan Zinner im Gespräch mit Hallo München

Stephan Zinner sprach mit Hallo über das Singspiel, sein Verhältnis zu Söder und warum man Witze manchmal abschwächen muss.
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Stephan Zinner sprach mit Hallo über das Singspiel, sein Verhältnis zu Söder und warum man Witze manchmal abschwächen muss.

Noch lange bevor Markus Söder CSU-Spitzenkandidat wurde, hat ihn Stephan Zinner (43) zum Zugpferd ­gemacht – Ein Gespräch über Überraschungen und warum man manche Witze abschwächen muss

Herr Zinner, Jahr um Jahr schlüpfen Sie in die Rolle von Markus Söder. Der wiederum kostümiert sich im Fasching selbst gern: nach Homer Simpson heuer als Prinzregent Luitpold. Welche Verkleidung hätten Sie ihm vorgeschlagen?

War er schon einmal Seeräuber? Nein, das ist ja fast zu einfach. Obwohl, ich bleibe dabei. Vielleicht, weil ich immer als Herr der sieben Meere gegangen bin. Aber ich glaube, Herr Söder hat den besseren Zugang zum Fundus eines Theaters oder Kostümverleihs.

Schade, dass er ankündigte, nächstes Jahr im Smoking zur „Fastnacht in Franken“ zu kommen. Dafür wohl als Ministerpräsident. Ist es herausfordernder, den gemäßigten Machthaber zu spielen als einen polarisierenden Draufhauer?

Man sollte mit ja antworten, aber eigentlich nein. Für den Schauspieler ändert sich nicht viel. Ganz egal ob Söder Fußvolk ist oder König – es bleibt eine Rolle. Natürlich ändert sich bei der Figur etwas, aber sie zu spielen, bleibt schauspielerisches Handwerk.

Die Landtagswahl findet im Oktober statt. Wird das Singspiel bereits einen Ausblick wagen oder eher den Blick zurück machen?

Den Blick zurück. Es wird noch geschrieben, vielleicht gibt es also eine kleine Vorausschau. Ein „Wie-könnte-es-sein-wenn“. Aber bis jetzt arbeiten wir das Vergangene ab.

Sie werden also nicht als Ministerpräsident auftreten?

Er ist es ja noch nicht! Einen solchen Blick in die Zukunft sollte man nicht machen, da haben sich ja schon manche getäuscht. Bei der Partei ist nichts unmöglich.

Ist es da dieses Jahr besonders stressig?

Ich denke schon, aber da müsste man die Autoren fragen. Ich selbst muss nicht auf viel Text warten. Aber da habe ich mich auch schon getäuscht. Auf einmal macht’s bumm und da haben wir nochmal fünf neue Seiten.

Können Sie sagen, welche politischen Entwicklungen dieses Jahr thematisiert werden? 

Nein, sonst würde mir Stefan Betz den Kopf abreißen! Das ist ein Freund von mir und mit dem will ich noch Wein trinken und sonst redet er nicht mehr mit mir.

Kann auch ernst: Stephan Zinner.

Um Herrn Söder parodieren zu können, müssen Sie ihn gut kennen.

Ehrlich gesagt: Ich kenne den Menschen nicht gut. Außerdem mache ich Leute nicht so detailliert nach wie etwa Helmut Schleich oder Wolfgang Krebs – die imitieren die Stimmen und die Bewegungen perfekt. Meine Darstellung lebt von der Situation in der Szene.

Ihre Söder-Guttenberg-Duelle sind legendär. Vermissen Sie einen ebenbürtigen Gegenspieler auf der Bühne?

Es gibt immer Gegenspieler auf der Bühne, aber natürlich vermisse ich den Kollegen Gutti. Das hat Stefan Murr sehr gut gespielt. Aber man weiß ja nie. Vielleicht taucht er wieder auf.

Ein anderer Gegenspieler, der in Frage käme, wäre womöglich Donald Trump. 

Ich glaube, den Trump brauchen wir nicht auf der Nockherberg-Bühne. Die Plattform muss man ihm nicht auch noch geben. Das sage jetzt ich, vielleicht ist es auch eine der Überraschungen, die ich vorher angesprochen habe.

Mit Richard Oehmann und Stefan Betz arbeiten Sie ­bereits mit dem vierten neuen Autorenteam zusammen. Gibt es dabei große Unterschiede?

Ja, jeder hat seinen eigenen Stil. Das sind Nuancen, die für uns spannend umzusetzen sind. Sie gehen das Singspiel aber anders an. Für mich als Schauspieler ist es schön, diesen Wechsel mitzumachen.

Wird es wieder eigene Lieder geben oder werden bekannte Nummern umgeschrieben? 

Ich habe die Nummern der Kollegen noch nicht gehört, sondern nur den Text gesehen, deswegen kann ich das nicht sagen. Was ich vom Söder hatte, das hat Tobi Weber geschrieben, das ist also neu komponiert worden.

Songs schreiben Sie selber auch – allerdings für Ihr Musik-Kabarett. Welche Themen verarbeiten Sie im neuen Programm „Relativ Simpel“?

Es ist ja schlimm, wenn man sagt, es geht ums Leben. Aber es ist halt wirklich so (lacht). Ich beschreibe in Songs und Geschichten, was mir so tagtäglich passiert – im Supermarkt, mit den Kindern, beim Autofahren, beim Sport, was weiß Gott wo. Ab und zu muss man auch abschwächen – sonst glauben die Leute gar nicht mehr, wie schräg manche Mitmenschen drauf sind!

Sebastian Obermeir

Zur Person

Stephan Zinner ist Schauspieler, Musiker und Kabarettist. Beim Singspiel anlässlich des Starkbieranstichs auf dem Nockherberg parodiert er seit 2004 den CSU-Spitzenkandidaten Markus Söder. „Politisch sind wir bestimmt nicht auf der gleichen Linie“, sagt Zinner über das Verhältnis von Schauspieler und Politiker. Und da möchte er auch nichts durcheinander gebracht wissen: „Wenn mich die Leute mit Söder verwechseln oder gleichsetzen würden, würde ich sofort aufhören.“ Stephan Zinner wurde 1974 im oberbayerischen Trostberg geboren und lebt mit seiner Frau und seinen drei Kindern in Schwabing. Als Schauspieler war Zinner am Salzburger Landestheater und an den Münchner Kammerspielen. Darüber hinaus ist er bei Lesungen mit Marcus H. Rosenmüller und Hannes Ringlstetter sowie mit seinem Musik-Kabarett zu sehen.

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