Das Sendlinger Projekt „PARTicipation“ wird mit Inklusionspreis geehrt

Barrierefreiheit im Kopf

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„Inklusion ist mehr, als dass behinderte Kinder auf Regelschulen gehen dürfen“, erklärt Stefanie Lehmann, Initiatorin von „PARTicipation“.

Sendling – Aktives Handeln anstelle von platten theoretischen Diskursen: Die 2010 gegründete Initiative „PARTicipation“ hat den Inklusionspreis des Bezirks Oberbayern verliehen bekommen

Stefanie Lehmann ist die Initiatorin des Projekts.

In der Kyreinstraße befindet sich eine ganz besondere Anlaufstelle für Menschen mit Behinderungen und deren Angehörige: Die 2010 gegründete Initiative „PARTicipation“ hat jetzt den Inklusionspreis des Bezirks Oberbayern verliehen bekommen. Im Gespräch mit Hallo erklärt die Initiatorin des Projekts, Stefanie Lehmann, was Inklusion wirklich bedeutet und warum Menschen weniger auf Defizite schauen sollten.

Frau Lehmann, warum haben Sie „PARTicipation“ gegründet?
Ich habe selbst ein Kind mit einer Beeinträchtigung. Die Bedingungen von Menschen mit Behinderungen müssen auf politischer und struktureller Ebene verändert werden. Das Bewusstsein in der Bevölkerung zu verändern, sehe ich als unsere Aufgabe an.

Was bedeutet Inklusion für Sie?
Inklusion ist mehr, als dass behinderte Kinder auf Regelschulen gehen dürfen. Für mich ist es eines der wichtigsten gesellschaftlichen Themen. Inklusion heißt Teilhabe für alle. Nicht nur für Menschen mit Behinderung, sondern auch Menschen unterschiedlicher Religionen oder Herkunftsländer.

Wie engagieren Sie sich?
Unser Team spricht aus eigener Erfahrung. Bei unseren Schulungen ist immer ein Team-Mitglied mit eigener Behinderung und ein Elternteil eines behinderten Kindes vor Ort. Wir wollen keinen theoretischen Diskurs. Diese Konstellation ist soweit einzigartig.

Was vermitteln Sie den betroffenen Eltern bei Schulungen?
Wir versuchen, den Eltern die Situation bewusst zu machen. Die Diskriminierungen unserer Kinder erleben wir nämlich auch. Trotzdem haben auch Eltern das gesellschaftliche Bild von richtig und falsch. Es gilt zu fragen, wo die Kompetenzen des eigenen Kindes liegen und nicht nur die angeborene Krankheit zu sehen.

Was muss sich in der Gesellschaft ändern, damit Inklusion besser funktioniert?
Es müssen Barrieren abgebaut werden. Und zwar nicht nur reale Barrieren, sondern auch Barrieren im Kopf. Wir müssen aufhören, nur auf die Defizite der Menschen zu schauen und lieber bemerken, was behinderte Menschen zu unserer Gesellschaft beitragen können. 

Sophia Oberhuber

Das Projekt

PARTicipation bietet Seminare für Eltern von Kindern mit Beeinträchtigung, Seminare für Fachleute und Inhouse-Schulungen an. Schulungen für Eltern gehen drei Tage, Schulungen für Fachleute einen Tag.
Die nächste Schulung für Fachleute und Interessierte findet am 8. Dezember statt, für Eltern vom 18. bis 20. Januar. Anmeldung und Informationen unter: partinklusion.de

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