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Stimmen-Parodistin Antonia von Romatowski im Hallo München-Interview über Merkel, Nockherberg und neue Rollen

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Von: Marco Litzlbauer

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Wer die Singspiele auf dem Münchner Nockherberg kennt, könnte ihr da widersprechen wollen: 
Denn hier imitiert Antonia von Romatowski die Ex-Kanzlerin seit 2014 (Foto von 2019) mit Bravour.
„Herr Scholz ist die Merkel 2. 0 – besser kann man sie nicht parodieren.“ Wer die Singspiele auf dem Münchner Nockherberg kennt, könnte ihr da widersprechen wollen: Denn hier imitiert Antonia von Romatowski die Ex-Kanzlerin seit 2014 (Foto von 2019) mit Bravour. © Tobias Hase/dpa

Antonia von Romatowski ist einer der besten Stimmen-Parodistinnen in Deutschland. Zu sehen ist sie beim Nockherberg oder bei „Binge Reloaded“ auf AmazonPrime.

Eine der besten deutschen Stimmen-Parodistinnen wohnt im Raum München. Viele kennen sie vom Singspiel am Nockherberg, wo sie seit 2014 als Angela Merkel zu sehen ist. Wie hart sie das Aus der Kanzlerin trifft, welche Rollen sie sich neu angeeignet hat und welches Geheimnis sie so gut hütet wie Coca Cola das Rezept...

Antonia von Romatowski
Antonia von Romatowski © Mara Zarges

Frau von Romatowski, auch wenn Sie natürlich mehr Rollen drauf haben: Wie groß ist die Zäsur für Sie persönlich mit dem Abtritt Merkels?

Ich hatte ja drei Jahre Zeit, mich auf den Abschied vorzubereiten. Nur als sie zwei Tage vor der Wahl mit Armin Laschet am Nockherberg aufgetreten ist, da habe ich mir schon gedacht: „Meinetwegen war sie nie da.“ (lacht) Da ich aber ja auch schon seit einem Jahr Annalena Baerbock parodiere, wechsele ich jetzt quasi ins Bundes-Außen-Klima-Ministerium. Und da ich Merkel weiterhin täglich fürs Radio spreche, bleibt sie mir schon noch etwas erhalten.

Das Beispiel Stoiber beweist ja, dass man auch noch Jahre nach dem Abtreten von der politischen Bühne Parodie-Potenzial hat..

Ob das bei Merkel auch so ist, kann ich mittelfristig nicht beurteilen. Aktuell mag man noch nicht von ihr loslassen, aber der Zapfenstreich ist ja auch erst einen Monat her. Und Herr Scholz ist ja quasi die Merkel 2.0. Besser kann man sie nicht parodieren.

Sie haben Frau Baerbock angesprochen. Rückt sie jetzt in Ihrem Schaffen in den Mittelpunkt, auch wenn es nicht zur Kanzlerin gereicht hat?

Es hat ja noch nicht mal zur Vizekanzlerin gereicht... Aber in Deutschland ist sie die wichtigste Frau auf der politischen Bühne. Momentan noch. Eine Nancy Faeser und eine Christine Lambrecht muss man sich mal anschauen. Nicht vergessen darf man natürlich Ursula von der Leyen, die ich jetzt seit zehn Jahren parodiere. Eigentlich habe ich aus jeder Partei die weibliche Hauptfigur im Repertoire. Und aus der FDP Christian Lindner. Diese lässige Art, das „Ich atme frei durch die Hose“-Verständnis, macht großen Spaß zu spielen. Aber: Ich bin eben keine Kanzlerin mehr.

Von außen betrachtet erscheint eine Angela Merkel leichter zu parodieren als eine Annalena Baerbock...

Als ich vor 18 Jahren angefangen habe, Angela Merkel zu parodieren, da hat es geheißen: Die hat ja nichts, die ist ja ganz normal. Das musste alles erst herausgearbeitet werden. Ein leichter Dialekt, ein leichtes Lispeln, die richtigen Pausen... Das ist ein ganzer Kosmos. Selbst mit Erkältung brächte ich Merkel heute noch 1:1 raus. Bei Annalena muss ich schon immer wieder mal noch nachjustieren.

Was sind die für die Parodie wichtigen sprachlichen Eigenheiten von Frau Baerbock?

Das verrate ich nicht. Noch bin ich eine von sehr wenigen, die sie machen. Coca Cola verrät ja auch nicht das Rezept.

Gibt es leichte und schwere Rollen?

Andrea Nahles zum Beispiel ist sehr anstrengend. Als durch Berlin geisterte, sie könnte SPD-Gesundheitsministerin werden, habe ich schon geschluckt. Es ist eine meiner Rollen, also wäre es toll gewesen, aber eben auch sehr anstrengend. Aber auch wegen Angela Merkel muss ich einmal im Monat zum Osteopathen.

Im Ernst?

Ja. Ich muss beim Sprechen auch ihre Körperhaltung einnehmen. Und die ist nicht gerade gesund. Ein Rücken wie eine gepanzerte Schildkröte.

Beim Streamingdienst „AmazonPrime“ startet nun die 2. Staffel von „Binge Reloaded“, eine Sendung im „Switch“-Stil, die andere TV-Formate parodiert. Natürlich sieht man Sie wieder als Merkel, doch es sind auch neue Rollen dabei.

Unter anderem Sonja Zietlow und Marlene Lufen. Das Produktionsteam setzt großes Vertrauen in die Darsteller. Man bekommt eine Rolle angetragen, hat zwei bis drei Monate Zeit und trifft sich dann erst wieder eine Woche vor dem Dreh zur Leseprobe. Keiner kontrolliert dich vorher.

Die doppelte Romatowski: Die 45-Jährige spielt in „Binge Reloaded“ – die zweite Staffel jetzt bei Prime Video– sowohl Angela Merkel als auch TV-Moderatorin Marlene Lufen. © Amazon.com

Wie lange dauert es, bis Sie eine Rolle drauf haben?

Manche fasse ich schneller, in andere muss ich oft wochenlang hineinhören, bis ich sie begriffen habe. Ich habe 2021 so viel gearbeitet wie noch nie. Dafür bin ich dankbar, aber die Rollen fressen mich manchmal auch auf. Allerdings lasse ich mich eben auch gerne fressen.

Ist es leichter, mit Bild zu parodieren?

Die Optik hilft schon. Im Radio muss die Stimme noch genauer sein. Aber das eigentlich Schöne an Dreharbeiten ist die Arbeit mit Kollegen. Gerade in Corona-Zeiten, in denen fürs Radio viel alleine im Studio daheim passiert. Ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie glücklich mich diese Dreharbeiten gemacht haben. Auch die mit meiner Kollegin und Freundin Angela Ascher zu den „Fraueng’schichten“ im BR – das sind Highlight-Tage im Jahr.

Sie und Frau Ascher kennen sich auch vom Nockherberg. Können Sie hier schon etwas zum Planungsstand verraten?

Nur, dass auf allen Ebenen Gespräche geführt werden. Und dass wir uns alle sehr freuen würden, wenn heuer das Starkbier wieder fließen würde.

Welche Bedeutung hat für Sie der Nockherberg?

Eine große. Ich bin Ende 2011 aus dem Norden hierher gezogen. Mit dem Engagement am Nockherberg kam dann ein Heimatgefühl auf. Beruflich gesehen war ich schon vorher gut aufgestellt. Aber der Nockherberg ist so etwas wie ein kabarettistischer Ritterschlag. Und wenn der Anruf mit der Frage kommt, ob man heuer dabei sein will, dann ist das ein sehr schönes Gefühl.

ZUR PERSON 

Die etwas ungesunde Haltung beim Parodieren von Angela Merkel einzunehmen dürfte Antonia von Romatowski auch deshalb auffallen, weil sie es eigentlich besser weiß: Weil ihre Mutter selbst Theaterschauspielerin war und eine Ballettschule hatte, wollte sie zuerst Tänzerin werden. Dann folgte der Besuch einer Schauspielschule in Hamburg. Nach abgeschlossener Schauspielausbildung merkte sie jedoch, dass „fernab von goetheschen und schillerschen Dramen noch etwas anderes“ auf sie wartete. Einer inneren Stimme folgend fing sie an, Angela Merkel zu parodieren – noch lange bevor diese Kanzlerin wurde. Mittlerweile wohnt die 45-Jährige nicht nur nahe des Starnberger Sees, sie zählt auch zu den besten Stimmen-Parodistinnen des Landes. Seit 2014 parodiert sie Merkel auch auf dem Münchner Nockherberg und ist quasi täglich im Antenne Bayern „Landtagslift“ zu hören. In der seit Ende 2021 ausgestrahlten deutschen Version „Spitting Image“ spricht sie neben Angela Merkel auch Annalena Baerbock, Ursula von der Leyen und Heidi Klum. Neben regelmäßigen Gastauftritten bei Kabarettsendungen wie „Die Anstalt“ ist von Romatowski auch aus der BR-Serie „Fraueng’schichten“ bekannt.

Quelle: www.hallo-muenchen.de

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