Mehr München geht nicht

Andreas Giebel: „Grant ist wie Charme, den hat man oder nicht“

Er ist der bärbeißige „Sheriff vom Marienplatz“ in „München 7“ und ein begeisterter Menschenbeobachter: Schauspieler Andreas Giebel.
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Er ist der bärbeißige „Sheriff vom Marienplatz“ in „München 7“ und ein begeisterter Menschenbeobachter: Schauspieler Andreas Giebel.

Der Schauspieler und Kabarettist wird 60 – Mit Hallo hat er darüber gesprochen, warum er seinen Geburtstag boykottiert, worüber er sich aufregt und was er Neues plant

Ein Münchner Original wird 60: Er ist der bärbeißige „Sheriff vom Marienplatz“ in „München 7“ und ein begeisterter Menschenbeobachter – manche Erkenntnisse schaffen es auch in seine Kabarettprogramme. Im Interview verrät der ­Haderner, wo er sich die Stadt seiner Kindheit herholt und ob man ihn am Nockherberg sehen wird.

von

MAREN KOWITZ

Herr Giebel, Sie werden am ­4. Juni 60. Wie feiern Sie?

Gar nicht. Wenn ich mit Familie und Freunden feiere, dann gerne anlassfrei. Dann ist der Druck weg. Sonst ist man unentwegt mit Begrüßen, Danke sagen, Gratulationen und womöglich irgendwelche Geschenke auspacken beschäftigt.

In Ihrem Leben waren Sie Dekorateur, Masseur, Schulhausmeister, Kabarettist, Schauspieler... Können Sie sagen, zu welcher Zeit Sie am glücklichsten waren?

Erinnerungen sind wichtig, können einem aber auch Streiche spielen, verklären. Zum schönsten Geschenk des Lebens gehört sicherlich das Glück, die eigenen Kinder begleiten zu dürfen. Und jetzt auch die Enkelkinder.

Sie sind mit 19 Vater geworden. Wie war das für Sie?

Meine damalige Frau und ich haben es voller Neugier und Freude auf uns zukommen lassen. Wird schon werden. Und wurde auch. Keine Erziehungsbücher.

Wurde es Ihnen je zu viel mit einer Frau und vier Töchtern im Haus?

Komischerweise nie. Aber meine kabarettistischen Ausflüge mit so manchen männlichen Kollegen waren sicher ein unbewusster Ausgleich. Aber ich bin keiner, der sich mit Männercliquen zu Stammtischen trifft. Da kommt meine Frau Karin schon mit.

Trafen sich auf einen Ratsch im Haderner Augustiner: Andreas Giebel und Hallo-Redakteurin Maren Kowitz.

Sind Sie ein Frauenversteher?

Frauen zu verstehen, wäre eine Illusion. Und das macht es ja spannend. Ich bin manchmal viel umständlicher als Frauen. Wie lange ich in meiner Tasche wühle. Ein Krimskrams ist da drin. Grauenvoll.

Sie sind hier geboren und aufgewachsen. Vermissen Sie das München Ihrer Kindheit?

Als pragmatischer Mensch hole ich mir das München her, wie ich es brauche. Das gibt es schon noch. Ich bin im Westend aufgewachsen. Die Parkstraße existiert noch und die Gollierstraße. Der frühere Tengelmann an der Ecke ist immer noch ein Supermarkt. Klar, das Baustellen-Chaos, Fremdinvestoren, Gentrifizierung und Wohnungsnot sind eine dramatische Entwicklung – zu viel Geld in den falschen Händen.

München spielt neben Ihnen die Hauptrolle in „München 7“ – sind Sie enttäuscht, dass die Serie nach sieben Staffeln nicht weitergeht?

So eine schöne, traditionelle Münchner Serie hätte man noch weiterführen können. Franz Xaver Bogner hatte, so viel ich weiß, schon Drehbücher weitergeschrieben. Es war eine wunderbare Zeit und ich habe den Viktualienmarkt noch mehr ins Herz geschlossen. Ein Dorf mitten in der Stadt, mit allem an Charakteren, Menschen und Begegnungen. Wir haben mal so a oids Muatterl gefragt, ob sie fünf Minuten warten kann, weil wir gedreht haben. Die ist unter der Absperrung durch und hat gesagt: „I brauch net stehbleim. I schaug koa Fernsehen...“ Wunderbar.

„Es gibt sie noch, die Grantler. Und die braucht’s mehr denn je!“

Das klingt nach bayerischem Grant, mit dem ja auch Sie berühmt wurden. Was halten Sie von den Bestrebungen, ihn als Unesco-Weltkultur­erbe zu etablieren?

Das ist sicher ein Schmarrn. Aber der Ansatz ist richtig. Es wird gerne verwechselt mit, „Ach, wir Deutschen jammern immer so“, aber das ist was anderes. Er muss unbedingt im Dialekt sein und es ist genauso wie mit dem Charme. Grant hat man oder hat man nicht. Es wird sich nie eine Grantlerschule entwickeln. Obwohl?

Was bringt Sie zum Granteln?

Ich verstehe nicht, wenn jemand an der Isar feiert und Dreck und Müll hinterlässt. Auch die auf schnellen Vollrausch geplante Saufkultur mancher jungen Leute ist mir fremd. Bei uns war der Weg zum Rausch viel interessanter als das Ergebnis.

Gibt es in der nächsten Generation noch gute Grantler?

Man findet die nicht mehr so gut, weil sie überdeckt werden von den glattgeleckten, rundgelutschten Menschen. Diese Retortenfiguren, die sich für individuell und selbstbestimmt halten, aber total durchgetaktet sind und alle Schubladen bedienen. Aber es gibt sie noch, die Grantler – wie auch die Eigenbrötler, seltsame Gestalten, quasi Künstler. Und die braucht’s mehr denn je. Nicht aufgeben, Freunde.

Sie haben mal gesagt, Ihre Programme seien Ihnen zu schade für Politiker. Ist das noch so?

Ein Zitat von Hanns Dieter Hüsch, den ich sehr geschätzt habe. Seine Art des Vortrags hat mich dazu ermuntert, auf die Bühne zu gehen. Ich beschäftige mich gerne mit Missverständnissen untereinander. Die Verhaltensweisen von Menschen, den Irrwitz, die Fehlbarkeit. Das, was wiederum Humor auslöst.

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Ihr Name taucht oft auf als potentieller neuer Fastenredner am Nockherberg. Wie stehen Sie dazu?

Der Vortrag ist konzentriert auf Personen aus der Politik. Meine Vorgehensweise wäre eine andere. Ich freue mich für jeden, der es macht und wenn ich mir das anschauen kann.

Zur Person

Andreas Giebel mit seiner Frau Karin beim Symposium Bavaricum im Augustinerbräu-Keller.

Mehr München geht nicht: Andreas Giebel wurde am 4. Juni 1958 hier geboren und wuchs mit zwei Brüdern im Westend auf. Er erlernte den Beruf des Dekorateurs, arbeitete als Masseur und als Hausmeister an der Dom-Pedro-Grundschule in Neuhausen, bevor er seine Bühnenleidenschaft zum Beruf machte. 

1984 erhielt Giebel für sein erstes Programm „Der Mensch ist sein Fehler“ das Passauer Scharf­richterbeil. Nationale Bekanntheit erlangte er in Serien wie „Rosenheim Cops“ oder auch der Bogner-Serie „München 7“, in der er sieben Staffeln lang die Hauptrolle des Polizeihauptmeisters Xaver Bartls spielt. 

Giebel ist Vater von vier Töchtern und lebt heute mit seiner dritten Frau Karin, mit der er an seinem 60. Geburtstag gleichzeitig 20. Hochzeitstag feiert, in Hadern.

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