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800-Meter-Läuferin Christina Hering im Interview über die Heim-EM in München als emotionales Highlight

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Von: Sabina Kläsener

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Sie kämpft bei den European Championships um Edelmetall - 800-Meter-Läuferin Christina Hering im Interview.
Sie kämpft bei den European Championships um Edelmetall - 800-Meter-Läuferin Christina Hering im Interview. © Christina Hering

Spitzensportler kämpfen ab 11. August um Edelmetall: Die European Championships vereinen Europameisterschaften in neun Sportarten zu einem großen Spektakel. Mit dabei ist die 800-Meter-Läuferin aus Neuhausen – zurück von der WM, bei der sie das Finale verpasste. In Hallo spricht sie über die Heim-EM und Erwartungen an sie.

Frau Hering, Sie waren erst vor wenigen Tagen bei der WM. Kurz danach folgt jetzt das zweite Highlight. Wie sind Sie diese Saison angegangen?

Ich wusste, dass es eine intensive Saison wird. Es ist nicht das erste Mal, dass ich zwei Events so nah beieinander habe. Mental ist es mir deshalb nicht schwergefallen. Das Ziel war, bei der WM und dann bei der EM in Bestform zu sein. Seit den Deutschen Meisterschaften war mein Fokus auf der WM, da habe ich nicht an die EM gedacht.

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Und jetzt?

Jetzt wo ich zurück bin, merkt man, dass wieder ein Highlight ansteht. Gerade ist es ein Zwischending: Ich regeneriere mich noch, bin aber auch schon im Training und in der mentalen Vorbereitung für die EM.

Auch wenn es nicht so gelaufen ist wie geplant, was nehmen Sie von der WM mit?

Gerade die internationalen Meisterschaften haben ihre eigenen Gesetze. Jede Erfahrung ist da wertvoll. Der WM-Vorlauf war wild, ich musste alles geben, daher war ich wirklich platt. Das war ein Punkt, warum es am nächsten Tag nicht mehr zu 100 Prozent rund lief. Eigentlich habe ich die Form, zweimal hintereinander schnell zu laufen. In München sogar dreimal. Im Halbfinale habe ich mich getraut, forsch anzulaufen, was nicht aufgegangen ist. Trotzdem ist es eine gute Taktik.

Sie laufen vor der EM noch in der Diamond League. Ist es gut, dass noch ein Rennen dazwischen ist?

Ich bin froh, nochmal die Chance zu haben, in einem Rennen mit Tempomacherin zu laufen. Ich hoffe es wird schnell, dass es eine gute Zeit wird und ich so Rückenwind für München bekomme.

Manche Sportler haben die EM über die WM gestellt. Haben Sie priorisiert?

Für mich als Münchnerin ist die Heim-EM das emotionale Highlight. Das hat mich schon angetrieben, im Training noch ein paar Prozent mehr zu geben. Aber die WM habe ich als Chance gesehen und war da voll drauf konzentriert.

Was erwarten Sie sich bei der EM?

Durch meine Erfahrungen weiß ich: Solche Turniere sind knallhart und haben ihre eigenen Gesetze. Das Finale zu erreichen ist erstmal die größte Hürde. Wenn das geschafft ist, ist auch eine Medaille möglich. Der Titel ist weit weg, da die Britin Keely Hodgkinson in herausragender Form ist. Aber danach ist es relativ offen.

Wie ist es für Sie, wenn Freunde und Familie zum Zuschauen kommen?

Sie waren schon oft dabei, aber das ist eine andere Hausnummer. Ich habe wahrgenommen, dass der Fokus mehr auf meiner Person liegt, weil ich eben hierherkomme. Und jedem bewusst ist, welche Bedeutung die EM für mich hat, wie cool das auch ist. Deswegen wird der Druck auch sehr groß sein. Ich hoffe, dass er auch gleichzeitig beflügelt. Auch, weil es einfach eine Ehre ist, hier starten zu dürfen.

Die angesprochene Britin ist 20, ebenso Weltmeisterin Athing Mu. Sie werden im Oktober 28. Gibt es ein perfektes Läuferalter?

Nachgewiesen ist, dass im Kurzsprint der Höhepunkt der Schnelligkeit eher Anfang 20 ist. Und je Ausdauerlastiger die Disziplin wird, desto länger braucht man, um dieses Trainingsniveau aufzubauen. Bei 800 Metern ist es ein Mix zwischen Ausdauer und Sprint, deswegen laufen viele Anfang 20 schon schnelle Zeiten. Ich bin damals auch schon unter zwei Minuten gelaufen. Man sagt, dass Mitte bis Ende 20 bei 800 Metern nochmal ein Höhepunkt kommt. Jedes Rennen ist anders. Jetzt habe ich taktische Vorteile.

Wie geht es Ihnen mit der Inszenierung im Sport, besonders in Social Media?

Da ich mich schon auch über den Sport definiere und der Sport von den Emotionen, der Vermarktung lebt, gehört es einfach zusammen. Ich kann es verstehen, wenn man das nicht möchte. Ich habe kein Problem, gewisse Dinge aus meinem Alltag zu teilen, habe Spaß daran, schöpfe daraus auch Motivation. Ich finde es spannend bei anderen Sportlerinnen, meinen Konkurrentinnen, zu sehen, wie sieht deren Leben aus, wie trainieren sie. Manche Sachen aus meinem Leben halte ich auch bewusst raus.

Welche Bereiche sind das?

Mein Zuhause, mein Privatleben, Familie oder Freund kommen bei mir gar nicht vor. Und Momente, die ganz besonders sind, wo ich es schön finde, dass es eben privat ist.

Ist ein kleiner Teil von Ihnen auch ein bisschen froh, wenn die EM rum ist?

Bisher noch nicht. Ich bin mir jetzt schon sicher, dass ich danach froh bin, wenn ich dann entspannt in den Urlaub fahre. Ich habe oft nach Großereignissen noch Wettbewerbe gemacht. Aber ich glaube, es wird emotional schon sehr aufreibend sein.

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Zur Person

„Begeisterung und Leidenschaft für Bewegung und Sport hatte ich schon immer – wahrscheinlich habe ich das mit den Genen mitbekommen“, verrät Christina Hering, Tochter eines ehemaligen Basketball-Bundesliga-Spielers. Geboren am 9. Oktober 1994, wechselte die Neuhauserin mit 16 ins Leistungszentrum.

Neben diesem Zeitpunkt beschreibt sie einen weiteren als „Knackpunkt“: das Abitur, wo viele aufhören, weil sie umziehen, anfangen zu studieren, nebenher arbeiten müssen. „Ich hab mich in dem Jahr nochmal verbessert, meine erste internationale Medaille geholt.“ Da war klar, dass sie weitermacht.

Mittlerweile ist Hering mehrfache Deutsche Meisterin, hat an der TU München einen Bachelor in Sportwissenschaften und einen Master in Management gemacht. Neben dem Training im Olympiapark joggt sie gerne im Nymphenburger Schlosspark und an der Isar.

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