Münchens neue Quartiere: Die Bayernkaserne in Freimann

New York – mitten in Freimann

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Markant: So stellen sich die Architekten den Quartierseingang Nord vor. Die gesamte Anlage soll nach Vorbild des New Yorker Bryant Park grün und offen gestaltet sein.

Freimann – Die Bayernkaserne bietet nicht nur 15 000 Menschen ein neues Zuhause, hier entstehen auch ein Gymnasium, ein Seniorenzentrum und Münchens Hightech-Sportanlage

Kreativ, modern, innovativ und versehen mit dem gewissen Etwas. In dieser Serie gibt Hallo einen tiefen Einblick in Münchens ganz neue Quartiere.

Es wird eines von Münchens Mammutprojekten: Auf dem Gelände der ehemaligen Bayernkaserne in Freimann und dem östlich angrenzenden Gewerbegebiet an der Heidemannstraße wird ein neues Stadtquartier mit rund 6000 Wohnungen für bis zu 15 000 Menschen entstehen.

Die Bayernkaserne im Stadtviertel Freimann/Am Hart umfasst eine Fläche von 48 Hektar und bietet somit Platz für rund 15.000 Bewohner in 6000 Wohnungen.

Grün soll das 48 Hektar ehemalige Militärgelände werden, am besten eine Symbiose aus Park und Stadt. Die Detailplanungen nach dem Architektenwettbewerb von Hilmer & Sattler laufen gerade an, aber folgende Institutionen sind auf dem Areal bereits beschlossene Sache: Zwei Kindertagesstätten, ein Gymnasium, zwei Grundschulen, eine Förderschule, eine Musikschule und Sportanlagen mit einer einzigartigen Schwimmhalle, soziale Einrichtungen wie ein Seniorenzentrum, eine Jugendfreizeitstätte und Nachbarschaftstreffs, eine Zweigstelle der Münchner Volkshochschule. „Die Inbetriebnahme einer Grundschule und des sechszügigen Gymnasiums ist schon im September 2022 vorgesehen“, sagt Christina Warta vom Referat für Bildung und Sport. Dazu kommen öffentliche und private Freiflächen, bei deren Verbindung sich die Architekten am Bryant Park in New York orientiert haben.

Realisiert werden soll das durch einen „Grünboulevard“, der das Quartier in der Mitte durchschneidet und den Bewohnern als Flaniermeile, Aufenthaltsort und Treffpunkt für entspannte Sonntage dient. Breite Grüngürtel im Norden und Süden des Quartiers schirmen das neue Viertel vor der dicht befahrenen Heidemannstraße und dem Euro-Industriepark ab. In den Innenhöfen der Häuser, die mit Durchgängen verbunden sein werden, sollen zahlreiche Obstbäume gepflanzt werden.

Eine Symbiose aus Park und Stadt: Einen grünen und dennoch modernen Charakter soll das neue Quartier ausstrahlen.

Eine Verlängerung der Tramlinie 23 führt diagonal durch die Hauptader der neuen Siedlung. Konfliktpunkte gibt es bisher allerdings noch in Sachen Pflanzen: 2000 Bäume sollen weichen, doch Planer prüfen gerade Kompromisslösungen.

Seit Juli diesen Jahres läuft nach zahlreichen Bürger-Workshops der Billigungsbeschluss. Anschließend soll der finale Bauantrag laut Planungsreferat-Sprecher Thorsten Vogel dem Stadtrat im Dezember vorgelegt werden. „Erfahrungsgemäß kann dann voraussichtlich Mitte 2019 der Bau beginnen.“ Und dann hat München sein eigenes New York vor der Haustür.

Julia Langhof

Zwischennutzung: Die Kaserne als Flüchtlingsunterkunft

Sechs Jahre lang, beherbergte die Bayernkaserne Asylbewerber aus aller Welt.

Sechs Jahre war sie die zentrale Anlaufstelle für Asylbewerber in München: Von 2010 bis Dezember 2016 beherbergte das Gelände der Bayernkaserne Flüchtlinge aus aller Welt, wie hier drei Männer aus Eritrea. Wegen Platzschwierigkeiten und des Umbaus wurde die Unterkunft geschlossen. 

Historie des Areals

Die Kaserne wurde zwischen 1936 und 1938 für die Luftwaffe gebaut und war bis 1945 in Betrieb. Bis 1968 wurde das Areal von der US-Army übernommen und hieß „Henry-Kaserne“. Die Bundeswehr erhielt das Gebiet 1969. Seit 2011 ist es im Eigentum der Stadt – in dem Jahr haben die letzten militärischen Einrichtungen das Areal verlassen.

Eine Halle fürs Goldglück

Julia Titze und Aleksandar Savic schwimmen auf Olympia hin – und hoffen auf die neue Schwimmhalle.

Aleksandar Savic’ Finger umklammern den Startblock, die Beinstellung und die Rückenkrümmung stimmen perfekt – was jetzt noch für den Sprung ins Glück fehlt, sind für ihn und Jahrgangsmeisterin Julia Titze von der SG Stadtwerke München eine passende Umgebung für ihr Training. Ihre große Hoffnung: Im Raumprogramm für den Schulcampus Bayernkaserne ist ein Schwimmbad mit einem 50-Meter-Becken vorgesehen. Es wäre das zweite nach dem im Olympiabad – und für Leistungssport in der Stadt dringend nötig. Laut Referat für Bildung und Sport steht es allerdings erst 2022 für die Athleten zur Verfügung.

Noch muss Freistil-Jahrgangsmeisterin Julia Titze ihre Runden in einem beengten Übungsbecken ziehen, doch schon in ein paar Jahren steht ihr und der SG Stadtwerke München eine Leistungsbahn für Schwimmer auf dem neuen Campus der Bayernkaserne zur Verfügung.

Bis dahin heißt es Durchhalten für die zukünftigen Jung-Olympioniken. Während der Renovierung der Olympia-Schwimmhalle bis mindestens März 2019 (Hallo berichtete) können die Schwimmer nur in der kleinen Halle des dortigen Nordflügels trainieren. „Hier müssen 20 Profi-Schwimmer auf zwei 30-Meter-Bahnen aufgeteilt schwimmen“, sagt Savic. Zusätzlich dazu müssen sich die Sportler die Bahnen während der Woche mit der Öffentlichkeit als auch mit der LMU teilen. 

Aleksandar Savic’ Finger umklammern den Startblock, die Beinstellung und die Rückenkrümmung stimmen perfekt. Jetzt fehlt nur noch das perfekte Trainingsbecken.

Savic und Titze pendeln wegen Raumnot neben der Schule teilweise zwischen drei Schwimmhallen – Flossen und Zubehör immer im Gepäck. „Viele Schwimmer sind für ihre Karriere nach Hamburg oder Berlin gezogen, weil dort jeder Verein seine eigenen Bahnen hat“, sagt der 17-Jährige, der bereits den dritten Platz der Deutschen Meisterschaft in seiner Altersklasse geholt hat. Sein Ziel: Die olympischen Spiele in Paris 2024. „Wir leben fürs Schwimmen, trainieren jeden Tag und möchten Gold für Deutschland holen“, so Titze. „Und wenn dann auch noch der Platz zum Trainieren da ist, kann uns niemand aufhalten.“

Julia Langhof

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