Trotz oder Trostpflaster?

Wie’s ohne Wiesn in München geht – und wo trotzdem gefeiert wird

 Das Münchner Kindl, Viktoria Ostler, steht vor Böllerschützen vor den Stufen der Bavaria.
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 Das Münchner Kindl, Viktoria Ostler, steht vor Böllerschützen vor den Stufen der Bavaria.

Auch wenn die Wiesn 2020 wegen Corona ausfällt, die Oktoberfest-Stimmung bleibt in München. Ob bei der "WirtshausWiesn" oder der "Digi Wiesn" - Hallo zeigt wo gefeiert wird.

  • Die Wiesn 2020 findet wegen Corona nicht statt.
  • Es gibt Alternativen, ob "WirtshausWiesn"oder "Digi Wiesn". 
  • Wo in München trotzdem gefeiert wird.

Krieg, Cholera, Inflation – und jetzt Corona. Es ist das 25. Mal in der gesamten Geschichte des Oktoberfestes seit 1810, dass Bayerns größtes Volksfest nicht stattfinden kann. Ein trauriger Umstand nicht nur für Festgäste und Feierwütige. 

Insgesamt 1,2 Milliarden Euro geben die Festbesucher an 16 Tagen in München aus. Davon etwa 442 Millionen Euro direkt auf dem Oktoberfest, 505 Millionen Euro gehen an Übernachtungsmöglichkeiten wie Hotels oder Pensionen. Diese Einnahmen fehlen nun in den Kassen der Münchner Unternehmen. Statt Trübsal zu blasen, haben sich Fans und Wirte aber etwas einfallen lassen. 

Was die „Digi Wiesn“ ist, wie die „WirtshausWiesn“ aussehen wird und ob OB Dieter Reiter auch heuer traditionell das erste Fass anzapft, lesen Sie hier.

Mit Freunden die Wirte unterstützen

Zehn bis 13 Mal ist Viktoria OstlerMünchner Kindl seit 2016 – sonst pro Jahr auf der Wiesn. „Es ist eh schon traurig, wenn der Sommer zu Ende geht. Sonst hat man die Wiesn als Zwischenstop bis Weihnachten“, sagt die Jura-Studentin (27). 

Sie will nun das Beste daraus machen: „Ich hab’ mir vorgenommen, die Wirte zu unterstützen und bei der WirtshausWiesn so viele wie möglich zu besuchen.“ Um Pflichtbesuche als Münchner Kindl wird es sich dabei nicht handeln: „Ich werde ganz locker mit Freunden unterwegs sein.“ 

Dass es heuer trotzdem Wiesn-Bier gibt, ist für Ostler ein „großer Trost“. Den Anstich am 19. September wird Ostler aber „in Montur“ zusammen mit dem Festring im Ratskeller verbringen, danach geht’s in den Garchinger Augustiner.

Ein virtuelles Prosit der Gemütlichkeit

Gerademal das zweite Jahr in dem Clemens Baumgärtner (CSU) als Wirtschaftsreferent Wiesnchef ist – und schon musste er das Oktoberfest absagen. „Natürlich schmerzt das, da entsteht eine Riesenlücke“, sagt er genickt. „Die Gerüche, die Klänge, die Gastlichkeit im Festzelt und vor allem die persönlichen Begegnungen – das alles wird mir sehr, sehr fehlen.“ 

Wirtschaftsreferent Clemens Baumgärtner präsentiert das Wiesn-Plakat 2020.

Worauf er auch heuer nicht verzichtet: „Eine Maß, eine Brezn und ein Hendl – das muss sein.“ Sein Wiesn-Mahl lässt er sich zum Beispiel im Hofbräu schmecken, wo heuer ganz modern eine virtuelle Wiesn stattfindet. „Die ,Digi Wiesn’ ist ein tolles Format, das die Reminiszenz ans Oktoberfest hochhält“, schwärmt Baumgärtner

Eine kleine Truppe sei vor Ort, das wird per Livestream online gestellt, Interviews werden geführt – und natürlich Business gemacht. „Da kann man trotz Corona Kontakte knüpfen“, so der Wiesnchef. Das ist aber nicht die einzige Veranstaltung, die Baumgärtner am Tag des virtuellen Anstichs besucht. Ein kleiner Abstecher zum Flughafen, wo Airbräu Bier verköstigt, steht auf der Agenda. 

Und eine Veranstaltung, die gerade verschiedene Brauereien aushecken – nach dem Motto: sechs Braumeister, sechs Brauerein und sechs Bierfässer. „Und die WirtshausWiesn will ich natürlich besuchen“, fügt Baumgärtner hinzu.

Für den OB gibt’s nur ein Original

Zwei Schläge waren es am Samstag, 21. September 2019, für Oberbürgermeister Dieter Reiter bis zum „O’zapft is!“. 

Oberbürgermeister Dieter Reiter beim Wiesnanstich 2019.

Zum siebten Mal hätte das Stadt­oberhaupt heuer den traditionellen Anstich im Schottenhamel-Festzelt begangen: „Ein Herbst ohne Wiesn – da fehlt einfach etwas. Am 19. September werde ich sicher etwas wehmütig daran denken, dass ich jetzt eigentlich das erste Fass anzapfen würde.“ 

Ein alternatives Programm hat OB Reiter aber nicht geplant: „Für mich gibt es einfach nur das Original. Ich werde nirgendwo ein Fass anzapfen, verstehe aber alle, die trotzdem virtuell oder wie auch immer feiern wollen.“

Die Wiesn konnte diese Jahr wegen der Corona-Pandemie nicht stattfinden, doch Reiter hofft auf das Oktoberfest 2021.

Trostpflaster: Kleiner Anstich mit Kapelle

Ein prachtvoller Einzug mit der Kutsche, Anstich im eigenen Wiesnzelt – auf all das muss Christian Schottenhamel heuer verzichten. „Über finanzielle Einbußen will ich gar nicht erst sprechen.“ Das besondere Flair, die geliebte Gewohnheiten, die Gäste, die Wirtskollegen, die Mitarbeiter, das Miteinander und die gemeinsamen Erlebnisse – all das wird der Wiesnwirt schmerzlich vermissen. 

Oktoberfest-Festwirt Christian Schottenhamel

Ein Alternativprogramm hat er trotzdem: Am 19. September, Punkt 12 Uhr, zapft Andreas Steinfatt, Geschäftsführer im Nockherberg, dort das erste Fass an. Schottenhamel, der das Paulaner am Nockherberg betreibt, ist freilich bei der Wirtewiesn dabei – mit süffigem Oktoberfestbier, Wiesn-Schmankerl und der Kapelle Otto Schwarzfischer, die sonst bei ihm im Festzelt spielt.

Sammlerkrug und die Wiesn der Münchner Wirtshäuser

Das Münchner Kindl, Clemens Baumgärtner, Christian Schottenhammel – sie alle werden die „WirthausWiesn“ besuchen: Von Samstag, 19. September, bis Sonntag, 4. Oktober, gibt es in 54 Münchner Gaststätten Wiesn-Stimmung mit Deko aus den Zelten, Live-Musik, Trachtlern und dem eigens gebrauten Wiesnbier. Infos und Teilnehmer unter www.wiesnwirte.de

Sammler dürfen sich heuer trotz Fest-Ausfall über den traditionellen Krug freuen: Bedruckt mit dem rosa Wiesnplakat voller nostalgischer Symbole, das von Grafikdesigner Ulrich Peter entworfen wurde.

Der Wiesn-Krug 2020.

hki/ dbo/ soph

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