Was keiner Frau erspart bleibt

Typisch Frau, typisch Mann (10): Wechseljahre – wie sie sich äußern und welche Methoden helfen

Hitzewallungen, Stimmungsschwankungen, Schlafstörungen: Die Auswirkungen der Wechseljahre können beträchtlich sein.
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Hitzewallungen, Stimmungsschwankungen, Schlafstörungen: Die Auswirkungen der Wechseljahre können beträchtlich sein.
  • Ursula Löschau
    VonUrsula Löschau
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Keiner Frau bleiben sie erspart: die Wechseljahre. Was es zu beachten gilt und wo ein Umdenken stattgefunden hat, erklärt eine Münchner Expertin.

„Gesund in Serie“ – unter diesem Motto beleuchtet Hallo München wöchentlich Themen der Medizin. In unserer aktuellen Serie geht es um Beschwerden, die in besonderem Maße nur ein Geschlecht betreffen – wie die Wechseljahre, die bei jeder Frau früher oder später auftreten. Über Auswirkungen und Behandlungsmöglichkeiten informiert die Schwabinger Frauen­ärztin Dr. Ariane Kunstein.

Wechseljahre bei Frauen – wie sie sich äußern und welche Methoden helfen

Mit 52 Jahren setzte bei Margit Bannach schlagartig der Zyklus aus. „Es hat dann nicht lange gedauert, bis erste Hitzewallungen kamen. Ein halbes Jahr später waren es richtige Hitzeschübe, dazu Stimmungsschwankungen und Schlafstörungen“, berichtet die heute 55-Jährige und beschreibt damit typische Auswirkungen der Wechseljahre. Einer Veränderung des Körpers, bei welcher der Östrogen- und der Gelbkörperhormonspiegel abfallen und die Fortpflanzungsfähigkeit beendet wird. Denn: „Unsere reproduktive Zeit ist limitiert. Bei Männern ist das nicht so“, erklärt Dr. Ariane Kunstein (48), die als Frauenärztin täglich betroffene Patientinnen betreut.

Dr. Ariane Kunstein ist seit 2005 niedergelassene Frauenärztin.

Dauer und Begleiterscheinungen können von Frau zu Frau sehr unterschiedlich sein: „Von völliger Beschwerdefreiheit bis zu schweren Einschränkungen in der Lebensqualität sehe ich in der Praxis alles“, berichtet Kunstein. Ihre Einschätzung: „Ein Drittel erlebt es wirklich schlimm, bei einem Drittel geht’s irgendwie und ein Drittel kommt problemlos durch.“ Zu welcher Gruppe „frau“ gehört, sei kaum absehbar. Aus ihrer Erfahrung heraus gibt Kunstein ihren Patientinnen jedoch den Tipp: „Fragen Sie Ihre Mutter, wie es bei ihr war.“ Los gehe es im Schnitt bei Frauen um die 50, die Spannbreite liege zwischen 45 und 55 Jahren. Die Dauer kann „von wenigen Monaten bis zu einigen Jahren“ reichen.

Schweißausbrüche, Gereiztheit und Schlafprobleme - so leiden Frauen in ihren Wechseljahren

Letzteres trifft auf Margit Bannach zu, die nach wie vor über Schweißausbrüche, Gereiztheit und Schlafprobleme klagt. „Das ist manchmal sehr anstrengend. Ich sage oft, ich könnt’ aus der Haut fahren. Und das Umfeld versteht überhaupt nicht, warum ich mich so aufrege“, erzählt die Bürokauffrau. Sie versucht, sich mit der Veränderung zu arrangieren. „Du musst Freund mit deinem Körper werden“, sagt die 55-Jährige und probiert unterschiedliche Hausmittel und Naturheilmethoden vom Salbeitee bis zur Akupunktur aus. Auch Sport und eine bewusste Ernährung würden helfen. „Es tut gut, wenn ich natürlich ins Schwitzen komme.“

Sie folgt damit Kunsteins Rat, möglichst gesund zu leben: „Auf das Gewicht achten, regelmäßig Sport treiben, nicht rauchen sowie Alkohol und Koffein meiden, das lindert die Symptome etwas“, sagt die Expertin. Bei sehr starkem Leidensdruck empfiehlt sie jedoch eine Hormon­ersatztherapie. „Hier findet gerade ein Umdenken statt, weg von der absoluten Verteufelung. Allerdings verschreiben wir heute niedriger dosierte Präparate als früher, die deutlich näher am natürlichen Vorbild orientiert sind und es erfolgt in der Regel eine Gabe über die Haut in Form von Pflastern, Gel oder Spray.“ Die Therapiedauer sei individuell völlig verschieden: am besten „so kurz wie möglich und so lang wie nötig“. Zumal viele Frauen in dieser Zeit in einer Art „Rush Hour des Lebens“ stecken würden. „Es gibt Veränderungen im Beruf, der Familie, der Partnerschaft. Wenn sich die Lebensumstände wieder stabilisieren, wirkt sich das insgesamt positiv aus“, weiß Kunstein.

Hitzewallungen: wohl Folgen einer Fehlinformation an das Gehirn

Viele Frauen in den Wechseljahren leiden unter Hitze­wallungen. Wie es zu dieser inneren Hitze kommt, erklärt Ariane Kunstein folgendermaßen: „Es spielen wohl der Körperkern und verschiedene Botenstoffe im Gehirn eine Rolle, ebenso das zentrale Nervensystem und die Regulation der Blutgefäßwiderstände. Wahrscheinlich wird das Wärmezentrum im Gehirn über einen Hitzealarm fehlinformiert, woraufhin der Körper mit einem Weiten der Blutgefäße reagiert, um eine Kühlung des Körpers zu erreichen. Durch Schwitzen soll ein Abfall der angeblich zu hohen Körperkerntemperatur erreicht werden.“ Medizinisch abschließend geklärt ist das Auftreten von Hitzewallungen während der Wechseljahre aber noch nicht. 

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