Gesundheit: Homöopathin Eva Kolbinger über Alternativmedizin für die Kleinsten

Vorsicht vor Selbstmedikation

+
Eine Mutter verabreicht ihrer erkälteten Tochter einige Globuli. Experten wie Eva Kolbinger sehen die Selbstmedikation durch Eltern eher kritisch.

Aus der Reihe "Alles ums Kind": Homöopathie ist ein umstrittenes Feld - gerade bei Kindern. Wann und ob Globuli helfen

„Gesund in Serie“ – unter diesem Motto beleuchtet Hallo München wöchentlich Themen der Medizin. Aktuell dreht sich alles ums Kind – vom Embryo bis zum Heranwachsenden. Warum homöopathische Mittel bei diesen besonders gut wirken und was Eltern bei deren Anwendung beachten sollten, erklärt Eva Kolbinger, Vorsitzende des Homöopathie Forums in Gauting.

Homöopathin Eva Kolbinger

Als ehemalige Arzthelferin und Zytologie-Assistentin kommt Eva Kolbinger (50) von Seiten der Schulmedizin. Doch als ihr Sohn ständig krank war, unter Neurodermitis und asth­matischer Bronchitis litt und nichts dauerhaft helfen wollte, empfahl ihr eine Bekannte Homöopathie. „Nach einer gewissen Zeit war er gut stabilisiert“, erinnert sich die gebürtige Münchnerin, die seitdem von der Methode überzeugt war. Nach der Ausbildung zur Heilpraktikerin und einer dreijährigen Zusatzqualifikation an der Gautinger Akademie für Homöopathie hat Kolbinger seit 2004 selbst eine entsprechende Praxis. Und ist seit 2008 Vorsitzende des Homöopathie Forums.

„Gerade bei Kleinkindern wirken homöopathische Mittel oft sehr schnell und gut“, hat Kolbinger beobachtet. Vor allem die Infektanfälligkeit könne die Komplementärmedizin bei Kindern reduzieren. Warum, das ist genauso umstritten, wie die Frage, weshalb Homöopathie überhaupt Wirkung zeigt. Kolbingers Vermutung: Anders als viele Erwachsene haben Kinder in ihrem Leben seltener starke Medikamente wie Antibiotika eingenommen und reagieren darum direkter auf andere Mittel. „Natürlich wird sich kein Homöopath anmaßen, dass er jede Krankheit heilen kann“, so die Heilpraktikerin.

Kinder können genauso behandelt werden wie Eltern - prinzipiell

Prinzipiell können Kinder genauso homöopathisch behandelt werden wie Erwachsene. „Auch in jedem Alter“, sagt die Expertin. Der Grundansatz ist das Ähnlichkeitsprinzip – denn Homöopathie bedeutet „ähnliches Leiden“: „Wenn man Bauchschmerzen hat, bekommt man ein Mittel mit Substanzen aus der Natur, die eigentlich genau dieses Symptom auslösen würden – allerdings extrem verdünnt.“ Auch in Sachen Verdünnungsgrad und Dosis gebe es grundsätzlich keinen Unterschied zur Therapie von Erwachsenen. „Darüber entscheiden Homöopathen ohnehin von Fall zu Fall“, so Kolbinger. Außer bei Komplexhomöopathien, in denen mehrere Mittel gemischt vorliegen, seien Nebenwirkungen zudem selten.

Problematischer sei es, wenn Eltern selbst homöopathische Mittel anwenden. Diese sind nicht rezeptpflichtig, sondern können einfach in einer Apotheke gekauft werden. „Dann wird das Mittel meist zu oft gegeben und mit einer zu hohen Dosis gearbeitet“, sagt Kolbinger. Ohne umfangreiche Kenntnisse könnten Symptome und Reaktionen falsch eingeschätzt werden, warnt die Heilpraktikerin. „Es ist immer besser, sich einen guten Therapeuten zu suchen und Homöopathie als Medizin ernst zu nehmen.“

Der Nachteil: Viele Homöopathen oder Kinderärzte mit entsprechender Zusatzausbildung arbeiten nur mit Privatpatienten. Gesetzliche Krankenkassen übernehmen – wenn überhaupt – Kosten nur zum Teil. „Außerdem sind diese Patienten dann an einen Arzt gebunden und müssen nach zwei Jahren Behandlung meist ein Jahr Pause einlegen“, so Kolbinger. Gerade bei Kindern sieht sie das aber kritisch. „Da geht es ja oft um eine chronische Behandlung und Kinder erkranken trotzdem akut.“ rea

Was steckt in homöopathischen Medikamenten?

Homöopathische Mittel gibt es sowohl als alkoholische Tropfen, Tabletten oder kleine Laktoseperlen – sogenannte Globuli. Vor allem letztere sind für Kinder geeignet und werden von diesen gern eingenommen.

Für alle diese Mittel wird ein natürlicher Stoff – etwa aus Pflanzen-, Tier- oder Mineralienteilen – immer wieder mit einem Stößel mit Milchzucker zerrieben. Manche werden auch mit Wasser verschüttelt. Daraus entstehen Medikamente verschiedener Potenzen. Bei sogenannten D-Potenzen besteht ein Mischverhältnis von 1 zu 10, bei C-Potenzen von 1 zu 100. Dabei gilt: „Je stärker die Substanz verdünnt ist, desto besser ist ihre Wirkung“, sagt Eva Kolbinger vom Homöopathie Forum in Gauting.

Auch interessant:

Meistgelesen

Bis 2019 soll der Südpark stehen
Bis 2019 soll der Südpark stehen
Münchens Altenhilfe für die Seele
Münchens Altenhilfe für die Seele

Kommentare