1. hallo-muenchen-de
  2. Hallo-Serien

Singen für den Frieden

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Schwarz-weiß-rot: Der deutsch-französische Chor singt heute natürlich nicht mehr in Blumenröcken.
Schwarz-weiß-rot: Der deutsch-französische Chor singt heute natürlich nicht mehr in Blumenröcken. © DFC

Gelebte deutsch-französische Freundschaft: Das ist der Münchner Chor. Wie das in der Praxis aussieht, erklärt Hallo

„München vereint“: So lautet die Vereinsserie, die in loser Reihenfolge in der Samstags­ausgabe von Hallo München erscheint.

Erbfeinde Deutschland und Frankreich – für viele ist das heute kaum noch vorstellbar. Das ist das Verdienst intensiver Bemühungen seit dem Ende des 2. Weltkriegs. Ein Ergebnis der Versöhnung der zwei Staaten ist der deutsch-französische Chor München. Mittlerweile gibt es in beiden Ländern 15 dieser Chöre. Im Jahr 1968 gegründet, zählt der Münchner Chor zu einem der ältesten. 50 Jahre: Das Jubiläum will der Chor um die Vorsitzende Dorothée Jacquot-Weber (65) gebührend feiern. Zuerst steht ein Konzert in Haidhausen auf dem Plan, das der letzte Teil einer Trilogie ist. Nachdem 2014 dem Ausbruch des 1. Weltkriegs und 2016 der Schlacht von Verdun gedacht wurde, folgt nun das Konzert „Pour la paix“ zum Ende des Krieges vor 100 Jahren. Das Repertoire des Chores reicht von der Renaissance bis zur Gegenwart. Unter der Leitung von Heinrich Bentemann werden Stücke von Mendelssohn-Bartholdy, Gounod, Gouvy und Brahms angestimmt. Gemeinsam mit Gästen des Chorverbandes wird zudem bei einem Chansonabend gefeiert, bevor Ende Juni ein symphonisches Konzert folgt. Ein Mal in der Woche probt der Chor im Herzen Münchens. Bei Probewochenenden arbeiten die rund 45 Sänger intensiv am Repertoire. Als Zuckerl geht es auf eine einwöchige Konzertreise nach Frankreich, Italien oder Schweden.

Seit über 30 Jahren Mitglied: Dorothée Jacquot-Weber singt seit 1985 im Chor Sopran.
Seit über 30 Jahren Mitglied: Dorothée Jacquot-Weber singt seit 1985 im Chor Sopran. © privat

Jacquot-Weber ist seit 1985 beim Chor und wurde vier Jahre später zur Vorsitzenden. „Ich mache das solange es mir Spaß macht.“ Bei Auftritten trägt der Chor schwarz-weiß-rot: den klassischen Chorfarben treu und mit Elementen beider Nationalflaggen. Doch das war nicht immer so, erinnert sich Jacquot-Weber lachend: „Früher haben wir in ganz furchtbaren Klamotten wie Blümchenröcken gesungen.“ Für den Frieden zu singen, ist für Jacquot-Weber auch eine persönliche Botschaft. 2014 war die mittlerweile pensionierte Lehrerin am französischen Nationalfeiertag mit einer Kollegstufenfahrt in Nizza. Es war der letzte Abend, die Schüler durften sich bis Mitternacht frei bewegen. Viele zog es zum Strand, um das Feuerwerk bewundern zu können. Um 22.45 Uhr überfuhr ein Attentäter mit einem LKW über 400 Menschen auf der Strandpromenade – 86 starben. Gegen 3 Uhr nachts konnten alle Schüler unverletzt wiedergefunden werden. „Wir hatten einen Schutzengel, haben aber das Leid von anderen mitbekommen. Das war fast wie Krieg und daher singe ich sehr gerne für Frieden.“

Sabina Kläsener

Auch interessant

Kommentare