Handwerk: Die jungen Macher

Vom Theater auf die Schulbank

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Mit seinem Meister will Eleasar da Silva demnächst als selbstständiger Elektrotechniker für Gebäudetechnik arbeiten.

München – Das Handwerk in und um München boomt: Eleasar da Silva machte mit 24 Jahren seinen Elektromeister – und war damit der Jüngste seines Jahrgangs

Über 23 000 Menschen haben dieser Tage eine Ausbildung bei einem bayerischen Handwerksbetrieb begonnen. Anlässlich des internationalen Tag des Handwerks am 15. September sprechen wir mit jungen und alten Meistern über Nachwuchsmangel, Frauen in Männerdomänen & neue Branchen.

Als Selbstständiger durchstarten – das ist der Traum des Sendlingers Eleasar da Silva. Deshalb schloss er im August seinen Elektromeister ab. Mit 24 Jahren war er der jüngste Münchner Meister seines Jahrgangs. Durchschnittlich sind die Meisterabsolventen etwa 27 Jahre alt. „Ich habe schon im zweiten Lehrjahr gesagt, dass ich das unbedingt machen will, denn dann stehen mir alle Optionen offen“, sagt da Silva.

Nach der Lehre arbeitete er zunächst zwei Jahre als Bühnenmaschinist bei den Münchner Kammerspielen, um Geld für sein Ziel anzusparen. Die Arbeit dort gefiel ihm zwar, aber die Kammerspiele benötigten keinen Meister. Und so kündigte da Silva 2017 seinen Job und meldete sich für die Meisterschule am Ostbahnhof an. „Ich wollte diese Chance ergreifen. Als junger Mensch kann man sich Sachen besser merken und hat nicht so viele Verpflichtungen“, erklärt er.

Ein Jahr lang drückte er von Montag bis Freitag wieder die Schulbank. „Es war so viel Stoff und wenn man aus dem normalen Arbeitsleben kommt, hat man mit Schule nicht mehr so viel am Hut. Man muss erst wieder reinkommen“, sagt da Silva. Doch er biss sich durch.

Nebenbei arbeitete da Silva zwölf Stunden in der Woche, denn er musste seinen Meister selbst finanzieren. „Ich habe freitags und samstags gearbeitet und danach gelernt.“ Für Freundin und Kumpels blieb da kaum noch Zeit.

Dennoch bereut da Silva seinen Entschluss nicht: „Man lernt viele Aspekte an seinem Beruf kennen, die man als Geselle gar nicht mitbekommt. Man steigt viel tiefer in die Materie ein und versteht, weshalb man etwas macht.“ Viel Physik und Mathematik seien dabei gewesen, aber auch Betriebswirtschaft und das Erstellen von Kalkulationen für den Kunden.

Mitte Juli hatte er seine letzte Prüfung. Seit Anfang August arbeitet er Vollzeit bei einem Hersteller von 3D-Druckern aus Krailling. Da Silva verbaut Laser in den Maschinen. „Sie haben mich nur wegen meines Elektro-Meisters genommen“, sagt er. In den nächsten Jahren will er sich dann als Elektrotechniker im Bereich Gebäudesysteme selbstständig machen. An Namen, Slogan und Logo seiner Firma tüftelt der 24-Jährige schon.

Andreas Schwarzbauer

Informationen zur Meisterpflicht

Der Meisterbrief bescheinigt dem Inhaber umfassende fachliche, betriebswirtschaftliche und kaufmännische Kenntnisse. Der Handwerker soll dadurch einen eigenen Betrieb führen und Lehrlinge ausbilden können. Seit 2004 ist der Meister allerdings nur noch in 41 Berufen Voraussetzung, um sich selbstständig zu machen (darunter: Bäcker, Maurer, Schornsteinfeger). In den übrigen 53 Handwerksberufen (beispielsweise Fliesenleger, Schneider, Uhrmacher) gibt es keine Meisterpflicht mehr. Derzeit diskutiert die Regierung darüber, sie in manchen Bereichen wieder einzuführen.

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