Münchens neue Quartiere: Der Campus Süd in Obersendling

Stehen hier 1300 Wohnungen auf der Kippe?

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Bis 2001 war es der weltweit größte Einzel-Standort des Konzerns Siemens –künftig sollen auf dem Obersendlinger Areal mehrere tausend Menschen wohnen.

Obersendling –  Das Projekt Campus Süd soll am ehemaligen Siemens-Standort in Obersendling enstehen – Doch ein Eigentümerwechsel verzögert jetzt die Planungen für das Areal

Kreativ, modern, innovativ und versehen mit dem gewissen Etwas. In dieser Serie gibt Hallo einen tiefen Einblick in Münchens ganz neue Quartiere.

Es ist eines der größten privaten Entwicklungsmaßnahmen im gesamten Münchner Stadtgebiet: Der Campus Süd in Obersendling. Dabei handelt es sich um ein rund 100 000 Quadrat­meter großes Areal, eingebettet zwischen Siemensallee, Hofmann- und Baierbrunner Straße. Bis 2001 war dort der weltweit größte Einzel-Standort des Konzerns Siemens beheimatet, künftig sollen dort etwa 3000 Menschen leben. Die Vision: Mit dem Projekt „Hofmann Höfe“ soll auf dem Gesamtareal ein lebendiges Wohnquartier entstehen. Laut Stadtratsbeschluss ist folgendes geplant: Versorgungs- und Infrastruktureinrichtungen, umfassende Grün- und Freiflächen sowie knapp 1300 Wohnungen – 1000 auf dem Gelände selbst, etwa 270 durch die Umnutzung des ehemaligen Siemens-Hochhauses.

Stadtbaurätin Elisabeth Merk räumt ein, dass die Planungen zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht weitergeführt werden können.

Doch: So richtig will es nicht vorangehen mit den Planungen für das neue Quartier. Eigentlich war alles längst in trockenen Tüchern. Von November 2014 bis Januar 2015 fand der städtebauliche und landschaftsplanerische Wettbewerb statt – im Dezember 2015 hatte der Stadtrat dann beschlossen, das Siegerkonzept der Arbeitsgemeinschaft Rapp+Rapp B.V. weiterzuentwickeln. Damaliger Eigentümer: Die Firma Patrizia Immobilien. Doch: Nicht mehr heute. Im Juli 2017 hat der Eigentümer gewechselt, das Grünwalder Unternehmen „Rock Capital Group“ hat das Gelände aufgekauft – ob damit auch das Bebauungsplanverfahren hinfällig wird, ist aktuell noch fraglich.

Mehr als ein Jahr ist seit dem Ankauf vergangen – auch für die Bayernpartei im Stadtrat nun Anlass, eine Anfrage an das Referat für Stadtplanung und Bauordnung zu stellen, um mehr über die Zukunft des Areals in Erfahrung zu bringen. In einem Antwortschreiben erklärt Stadtbaurätin Elisabeth Merk: „Der neue Eigentümer hat sich hinsichtlich der Zielsetzung, insbesondere zum Maß der Nutzung für das Planungsgebiet noch nicht abschließend festgelegt. Deshalb kann das Bebauungsplanverfahren derzeit nicht aktiv weitergeführt werden.“

Der Campus Süd im Stadtviertel Obersendling umfasst eine Fläche von 10 Hektar und bietet Platz für rund 3000 Bewohner in 1270 Wohnungen. Weitere Informationen unter: https://bit.ly/2QaAmaI

Allerdings sei bereits sicher, dass auch der neue Eigentümer an den bisher vorgesehenen Rahmenplanungen festhalten will. „Zwischenzeitlich haben schon Gespräche mit dem Referat für Stadtplanung und Bauordnung stattgefunden“, so Merk. Aus diesen Gesprächen sei klar hervorgegangen, dass auch der neue Investor an dem Planungsziel, der Umstrukturierung des Gewerbeareals in einen neuen Wohnstandort, festhalten will. „Die konzeptionelle Grundlage für den Bebauungsplan ist weiterhin das Ergebnis des städtebaulichen und landschaftsplanerischen Wettbewerbs aus dem Jahr 2015 sowie die anschließende Konkretisierung des Entwurfskonzeptes zu einem Masterplan“, so die Stadtbaurätin.

Mit Projekten wie den „Gmunder Höfen“ und „Südlicht“ verfügt die Rock Capital Group in unmittelbarer Nachbarschaft bereits über Liegenschaften mit etwa 200 000 Quadratmetern Bestands- und Baurechtsflächen. „Mit dem Erwerb des Campus Süd Areals können wir einen weiteren Beitrag zur Entwicklung des Standortes in Obersendling leisten und in München dringend benötigte Wohn- und Gewerbeflächen schaffen“, sagt Rock Capital-Geschäftsführer Peter G. Neumann.

Vanessa Hahn

Siemens-Sportpark – wie geht es weiter nach dem Ankauf der Stadt?

Bekommen die Obersendlinger auf dem Gelände des Siemens Sportparks bald ein neues Naherholungsgelände?

Viele Jahre lag das Areal brach, im Sommer 2017 hat die Stadt den Hermann-von-Siemens-Park nach langem Hin und Her angekauft. Viele Obersendlinger hoffen seitdem vor allem darauf, mit dem Areal künftig eine große Naherholungsfläche für das Viertel und die Öffentlichkeit zu gewinnen. Auch der Bezirksausschuss hat dieser Forderung immer wieder Nachdruck verliehen. Das Referat für Bildung und Sport erarbeitet aktuell ein Nutzungskonzept. Eine stadtinterne Bestands- und Bedarfsermittlung für die künftige Nutzung ist bereits abgeschlossen, im nächsten Schritt steht die Einbindung weiterer Beteiligter, wie Bezirksausschuss, diverser Vereine und der Gleichstellungsstelle an.

Disco-Kantine

Bis zur Fertigstellung des Areals könnte eine kreative Zwischennutzung das Gelände beleben: in der ehemaligen Siemens-Kantine soll übergangsweise eine Discothek eröffnen.

Mehrere Tausend Bewohner sollen einmal auf dem Obersendlinger Areal einziehen – bis es soweit ist könnte aber noch eine kreative Zwischennutzung Leben auf das Gelände bringen: In der Hofmannstraße 51, der ehemaligen Siemens-Kantine soll eine Discothek eröffnen (Hallo berichtete). Der Obersendlinger Bezirksausschuss ist mit diesen Plänen einverstanden, will aber die Chance nutzen, um auch Bandprobenräume auf dem Areal zu integrieren. Denn diese sind, so heißt es in einem entsprechenden BA-Antrag, im Viertel bisher Mangelware – und könnten künftig zur kulturellen Vielfalt im ständig wachsenden Stadtteil beitragen. Initiator des Vorhabens für die Disco in der einstigen Siemens-Kantine sei laut BA die „Rockstudio Gastro GmbH“, die bis zur Schließung 2013 in der Landsberger­straße, direkt neben der Discothek „M-Park“, den Club „Rockstudio“ betrieben hatte.

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