„Was bitteschön ist ein Coup?“

Gemeinsam gegen Kauderwelsch – Nachbarschaftstreffs und Hallo München starten Projekt zu verständlichen Nachrichten

Sieglinde Schiedek (l.) und Hannah Suttner setzten sich seit Monaten für verständliche Sprache ein.
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Sieglinde Schiedek (l.) und Hannah Suttner setzten sich seit Monaten für verständliche Sprache ein.

Hallo München und die Nachbarschafftstreffs starten ein Projekt für einfache Sprache. Statt Fachchinesisch soll der Leser verständlichen Nachrichten bekommen.

  • Hallo München startet gemeinsam mit den Nachbarschaftstreffs ein Projekt zur einfachen Sprache.
  • Einfache Sprache ist ein Anliegen des Behindertenbeauftragten der Stadt, sowie dem "Demokratie Lokal".
  • Bei "Hallo für alle!" sagen Besucher aus den Treffs sagen uns, wann wir noch verständlicher schreiben können.

Schluss mit Kauderwelsch und Fachchinesisch – das fordert Hannah Suttner, die das Projekt „Demokratie Lokal“ und den Nachbarschaftstreff Ramersdorf Süd leitet. 

Ihre Mission: „Informationen über Politik, zu den Wahlen oder zum Parteiprogramm müssen für alle verständlich sein. Das ist ein Grundrecht.“ Vor der Kommunalwahl im vergangenen März, hatte sie eine große Podiumsdiskussion organisiert, bei der sich Politiker und OB-Kandidaten in einfacher Sprache vorstellten. Darüber haben wir groß berichtet – und die Redaktion ertappt sich seitdem immer wieder bei der Frage: Beherzigen wir das mit der einfachen Sprache denn selbst? 

Hallo München und die einfach Sprache

Da wir selbst diese Frage nicht objektiv beantworten können, arbeiten wir in den kommenden Wochen mit einigen Nachbarschaftstreffs zusammen (siehe unten), die uns quasi auf die Finger schauen. 

Unter dem Motto „Hallo für alle!“ soll geprüft werden, ob wir die Nachrichten der Stadt wirklich verständlich transportieren. Wie Hannah Suttner und die Kollegen der stadtweit 43 Nachbarschaftstreffs beobachtet haben, fühlen sich immer mehr Menschen von den vielen Informationen überfordert – lange, komplizierte Sätze, Fremdwörter und Fachchinesisch. „Da steigen viele einfach aus“, berichtet Suttner.

 Im Alltag sei das oftmals bei Formularen der Fall – weswegen auch die Landeshauptstadt immer mehr ihrer Internetseiten in einfache oder leichte Sprache übersetzt. „Die Wahl­unterlagen waren in einfacher Sprache“, weiß der Behindertenbeauftragte der Stadt, Oswald Utz, zu berichten. „Das Feedback darauf war sehr groß. Deutlich weniger Menschen als bislang haben mit Fragen zu den Formularen bei der Stadt angerufen.“ 

Oswald Utz, Behindertenbeauftragte der Stadt München.

Seine Vision ist es: „In der Stadt ein feste Stelle einzurichten, die Texte in einfache Sprache übersetzt – ganz genauso wie Texte auf Türkisch oder Englisch übersetzt werden.“ Utz will sich deswegen auch an das Innenministerium wenden. 

Utz und Suttner sind sich einig: Immer mehr Menschen profitieren von der einfachen Sprache 

Anders als die „leichte Sprache“, die vor allem Menschen mit einer Behinderung anspricht, ist die „einfach Sprache“ für ein breites Publikum gedacht. „Ältere Menschen haben zum Beispiel oft Probleme mit Anglizismen“, berichtet Suttner. Also mit Begriffen, die eigentlich aus dem Englischen kommen. Gerade Ältere hatten nicht immer Englisch-Unterricht in der Schule. 

Aber auch Menschen mit Lernschwierigkeiten, mit einer Leseschwäche, mit einer anderen Muttersprache als Deutsch oder bildungsfernem Beruf profitieren demnach davon. „Sie werden auch viel eher zum Lesen angeregt, wenn sie die Texte verstehen“, sagt Suttner, die jetzt eine Broschüre herausgibt, die in einfacher Sprache erklärt, wie man sich im Viertel, in der Viertelpolitik oder in einem Ehrenamt einbringen und sich für seine Interessen und Ideen stark machen kann. 

Hallo für alle!

„Was bitteschön ist ein Coup?“

Unter dem Motto „Hallo für alle!“ startet Hallo München gemeinsam mit den Nachbarschaftstreffs ein Projekt zur einfachen Sprache. Besucher aus den Treffs sagen uns, wann wir noch verständlicher schreiben können. 

Ehrenamtliche aus dem Nachbarschaftstreff Ramersdorf Süd.

Erste Rückmeldungen haben wir schon erhalten: Ehrenamtliche aus dem Nachbarschaftstreff Ramersdorf Süd sind in vergangenen Hallo-Ausgaben beispielsweise über die Worte Pädagogin und Coup gestolpert. Hätte man nicht statt dem Begriff „Pädagogin“ einfach Lehrerin schreiben können? Hätte man – und werden wir künftig auch verstärkt tun. 

Ehe man in einem Absatz aber fünf Mal „Lehrerin“ schreibt, bedient sich der Journalist eben gerne eines Synonyms – also eines Wortes mit der gleichen Bedeutung. 

Die Duden-Definition von „Coup“ lautet: ein kühn angelegtes, erfolgreiches Unternehmen. Hier ist jemandem quasi der große Wurf gelungen. Es gibt also auch deutsche Umschreibungen für den „Coup“, die wir künftig häufiger verwenden werden. Versprochen!

Haben auch Sie Anregungen? Schreiben Sie an redaktion@hallo-muenchen.de.

Hallo für alle! Gemeinsam gegen Kauderwelsch

H. Kinadeter

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