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Münchens Älteste: Seit 463 Jahren wird am Wilhelmsgymnasium humanistisch gelehrt

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Ein Highlight des Gymnasiums: die Außenfassade.
Ein Highlight des Gymnasiums: die Außenfassade. © Patricia Stücher

Münchens älteste Schule steht im sechsten Teil unserer Serie im Fokus und befindet sich im Lehel. Das Wilhelmsgymnasium ist trotz Sanierung noch ein architektonischer Hingucker.

München – eine Stadt mit Geschichte und Geschichten: In unserer aktuellen Serie begibt sich Hallo München auf die Suche nach den ältesten Vertretern ihrer jeweiligen Gattung. Manches ist sogar älter als die Stadt selbst. Diesmal stellen wir Ihnen die älteste Schule vor.

Münchens älteste Schule: Wilhelmsgymnasium ist 463 Jahre alt

Zwischen 2015 und 2018 wurde das Neorenaissance-Gebäude des Wilhelmsgymnasiums im Lehel saniert und gehört jetzt zu den modernsten Schulen im Stadtgebiet. Dabei ist sie mit einem Alter von 463 Jahren auch die älteste.

Gegründet wurde das humanistische Gymnasium 1559 von Herzog Albrecht V. als Pädagogium. „Das war der historische Begriff für eine schulische Bildungseinrichtung mit überdurchschnittlichen Leistungsanforderungen, die für jede Gesellschaftsschicht kostenlos war, sowohl für Bauern als auch für Adlige“, erklärt Michael Hotz, Direktor des Gymnasiums. Der Begriff „humanistisch“ bedeutet, im Rahmen einer umfassenden Bildung auch die klassischen Sprachen wie Latein und Griechisch als Grundlage der europäischen Kultur zu lehren.

„1530 gründeten sich immer mehr evangelische Stadtteile, Herzog Albrecht wollte jedoch ein Gegenstück haben und hat aus diesem Grund das katholische Gymnasium ins Leben gerufen“, sagt Hotz. „Hierfür holte er extra aus Rom Jesuiten, die bis 1773 in der Bildungseinrichtung unterrichtet haben“, ergänzt der 58-Jährige.

Münchens älteste Schule: Gymnasium besticht heute noch durch Architektur-Stil

Der Standort befand sich damals im Kloster an der Neuhauser Straße. Nach der Auflösung des Ordens wurde die Schule staatlich weitergeführt und diente zwischen 1799 und 1826 auch als Pagenerziehungsanstalt des Hauses Wittelsbach. Erst im Jahr 1849 bekam sie den heutigen Namen „Wilhelmsgymnasium“ und 1877 zog man in das heutige Schulgebäude an der Thierschstraße 46.

„Schon bei der Gründung hatte die Lehranstalt 600 Schüler, dies wurde kurzzeitig mal weniger, doch heute werden auch wieder 600 Jungen und Mädchen dort betreut“, so Hotz. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts war das Gymnasium hingegen eine reine Bubenschule.

„Was das Haus heute noch so besonders macht, ist unter anderem unsere alte Bibiothek, in der das älteste Buch aus dem Jahr 1478 stammt“, sagt Hotz. Doch auch das Treppenhaus im Neorenaissance-Stil, die unterirdische Turnhalle und das Giebelfigurenprojekt im 3. Stock zeichnen das Gymnasium aus. Dort findet man 21 Statuen, die Kopien der Figuren aus dem Giebel des Zeustempels im antiken Olympia sind. Sie waren bis 1972 im Deutschen Museum ausgestellt, verschwanden dann in einem Lager und befinden sich nun als Dauerleihgabe im Schulgebäude.

Weitere Highlights des Baus: das Treppenhaus im Neorenaissance-Stil, die Figuren-Kopien aus dem antiken Olympia und die alte Bibiothek.
Weitere Highlights des Baus: das Treppenhaus im Neorenaissance-Stil, die Figuren-Kopien aus dem antiken Olympia und die alte Bibiothek. © Patricia Stücher

Im folgenden Teil der Serie ist ein historisches Objekt im Fokus. Ein Splitter eines Mondgesteins, mitgebracht von der Apollo 17-Mission, ist Münchens ältestes Objekt.

P. Stücher

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