1. hallo-muenchen-de
  2. Hallo-Serien

Münchens Älteste (15): Das Dorf von Fröttmaning hat nicht überlebt, aber die Kirche steht noch

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Der Chorturmbau am Kurt-Landauer-Weg 8 von außen. Das kleine Bild zeigt eine der romanischen Wandmalereien auf den roten Ziegeln des Innenraumes.
Der Chorturmbau am Kurt-Landauer-Weg 8 von außen. © Patricia Stücher

Münchens älteste Kirche ist in mehrerer Hinsicht interessant: Sie ist das einzige Zeugnis des Dorfes Fröttmaning, und steht seit über 1000 Jahren. Alle Fakten:

München – eine Stadt mit Geschichte und Geschichten: In unserer aktuellen Serie begibt sich Hallo auf die Suche nach den ältesten Vertretern ihrer jeweiligen Gattung. Manches ist sogar älter als die 864 Jahre alte Isarmetropole selbst. Diesmal stellen wir Ihnen die älteste Kirche vor.

Münchens älteste Kirche: Gotteshaus über 1000 Jahre alt

Seit vielen Jahren pilgern Gläubige nach Fröttmaning, um sich die Heilig-Kreuz-Kirche aus dem Jahr 815 und ihren Doppelgänger anzuschauen. Mit einem Alter von 1207 Jahren ist sie die älteste Kirche auf Münchner Stadtgebiet.

Hier steht Münchens ältester Kiosk.

„Die Ersterwähnung fand man im Zusammenhang mit einer Schenkungsurkunde des Fröttmaninger Adeligen Situli, der damals dem Freisinger Bistum eine hölzerne Eigenkirche mit Ackerland schenkte“, berichtet Franz Freyberger, Kirchenführer von Heilig-Kreuz. Geweiht wurde sie am 19. April 815 von dem Bischof Hitto von Freising.

Der heutige spätromanische Chorturmbau entstand zum Anfang des 13. Jahrhunderts und wurde seitdem immer wieder restauriert. Merkmale der Kirche sind die Rundbogenfenster, die Deckenfresken aus dem Jahr 1736 und die romanischen Wandmalerei aus der Entstehungszeit. „Die direkt auf die roten Ziegel des Innenraumes mit Kalkfarbe gemalten Fresken, die erst 1981 bei Renovierungsarbeiten entdeckt und freigelegt wurden, sind etwas ganz besonderes,“ sagt Freyberger. „Diese zeigen einen Lebensbaum und gemalte Kreise, die die Sonne symbolisieren. Die Christus-Darstellung ist sogar die älteste in Bayern“, ergänzt der 80-Jährige.

Münchens älteste Kirche: Einziges Überbleibsel des Dorfes Fröttmaning

Die Kirche hat eine Höhe von 18, eine Länge von 17 und eine Breite von sieben Metern. Seit ihrer Errichtung bis etwa 1960 diente die Kirche den gläubigen Dorfbewohnern als Andachtsraum und in den ersten Jahrhunderten auch als Schutzort, einem Hochbunker vergleichbar. Denn zu dieser Zeit gab es noch eine Gemeinde rund um die Kirche, welche aus drei Höfen bestand. „Die Geschichte dazu ist genauso faszinierend wie die des Gotteshauses selbst.

Das ist Münchens älteste Ampel.

Sie ist heute das einzige Zeugnis des Dorfes Fröttmaning“, sagt Freyberger. „Es herrschte hier nämlich anfangs noch reges Leben auf den Anwesen, das dann aber aufgrund der Mülldeponie weichen musste.“ So verschwand das Dorf, aber die Kirche blieb erhalten, trotz vieler Baumaßnahmen wie beim Münchner Autobahnring oder der Allianz Arena.

Münchens ältester Straßenname existiert bereits seit dem Mittelalter.

Das ist dem Einsatz von Bürgern und dem Kirchenpfleger von St. Albert in Freimann zu verdanken. Die Pfarrgemeinde übernahm Heilig-Kreuz. Heute ist sie eine Filialkirche der Pfarrei St. Albert und wird von den Zuständigen mit betreut. „Leider verwahrloste die Kirche nach dem Abriss der Höfe bis 1971 ziemlich und viele Teile, unter anderem die zwei Glocken, wurden geplündert“, berichtet der Kirchenführer. Nach den letzten Renovierungsarbeiten, die 1982 gemacht wurden, setzte man 1984 neue Glocken ein. Seitdem ist die Kirche wieder „lebendig“ und lädt auch heute noch einmal im Monat zum Gebet unter dem Kreuz und in den Sommermonaten zur Abendmesse ein. Außerdem steht sie für Hochzeitsfeiern und andere familiäre Anlässe bereit.

Kunstwerk „Versunkenes Dorf“

Unter dem Begriff „Kunst am Bau“ wird in München bei großen Bauvorhaben versucht, auch neue Kunstwerke zu erschaffen. Dies war zum Beispiel der Fall bei der Entstehung der Allianz Arena. Das „Versunkene Dorf“ von Künstler Timm Ulrichs begeisterte damals die Jury und wurde 2004 umgesetzt. Das Kunstwerk zeigt einen nicht begehbaren Doppelgänger der Heilig-Kreuz-Kirche in Originalgröße und befindet sich 150 Meter südlich des echten Gebäudes. Der Doppelgänger wurde so eingerichtet, dass er halb vom Berg verschüttet ist. Er soll auf das verschwundene Dorf aufmerksam machen. 

Patricia Stücher

Mit dem Hallo München-Newsletter täglich zum Feierabend über die wichtigsten Geschichten aus der Isar-Metropole informiert.

Auch interessant

Kommentare