Hallo-Serie: München leuchtet – Wege aus dem Preis-Schock bei der Energie (2)

Erneuerbare Energien in München: So funktionieren Bürgersolaranlagen

Auf dem Dach der Grundschule Neuried soll eine Solaranlage entstehen.
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Auf dem Dach der Grundschule Neuried soll eine Solaranlage entstehen. (Symbolbild)
  • Romy Ebert-Adeikis
    VonRomy Ebert-Adeikis
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Im zweiten Teil der Energie-Serie äußert sich die Vorständin der Beng zu privaten Investitionen in Solaranlagen - sogenannte Bürgersolaranlagen.

MÜNCHEN Seit Beginn des Krieges in der Ukraine stehen in München zahlreiche Telefone nicht mehr still. So auch bei der Bürgerenergiegenossenschaft (Beng). Weil der Krieg Angst vor einem Mangel an fossilen Rohstoffen schürt, steigt das Interesse an erneuerbaren Energien.

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„Täglich kommen Menschen auf uns zu, die mit uns Projekte starten wollen“, sagt Katharina Habersbrunner vom Vorstand der Genossenschaft, die seit 2012 bereits über 40 Bürgersolaranlagen im Landkreis München realisiert hat. Diese stehen etwa in Gräfelfing, Aschheim oder Kirchheim.

Katharina Habersbrunner

Bürgersolaranlagen und wie sie funktionieren: Große Flächen als Voraussetzung

Anders als es der Name vermuten lässt, entstehen Bürgersolar­anlagen aber äußerst selten ohne Zutun von Kommunen, Bauträgern oder Unternehmen. „Wir haben eine Mindestgröße für unsere Projekte von 20 Kilowatt-Peak“, erklärt Habersbrunner. Heißt konkret: Es braucht große Dachflächen, um dort genügend Solarenergiemodule anbringen zu können – und damit häufig Pachtverträge mit Kommunen oder Wohnungsbaugenossenschaften.

Die Bürger finanzieren die Solaranlagen selbst. Sie müssen für einmalig 100 Euro Mitglied bei der Genossenschaft werden und können dann Investitionspakete für Anlagen in ihrer Nähe kaufen. „In der Regel sind diese im Wert von 1000 Euro“, erläutert die Vorständin. 90 Prozent des Betrags entsprechen einem Darlehen, das bis zum 20. Jahr nach Bau der PV-Anlage von der Beng zurückgezahlt wird.

Darauf erhalten die Bürger zwischen zwei und 3,25 Prozent Zinsen – die Höhe ist an den Ertrag der jeweiligen Solaranlage gekoppelt. Der restliche Teilbetrag ist ein Geschäftsanteil an der Beng. „Für diesen gibt es eine Dividende, die jährlich von allen Mitgliedern neu festgelegt wird“, sagt Habersbrunner.

Große Flächen braucht es für Bürgersolaranlagen. Es gibt nämlich eine Mindestgröße für die Projekte. (Symbolbild)

Bürgersolaranlagen in Neuried: Auf Grundschule und Kita soll gebaut werden

Aktuell plant die Genossenschaft nach diesem Modell zwei weitere Bürgersolaranlagen in Neuried. Dort sollen noch 2022 der neue Grundschultrakt sowie eine Kita bestückt werden. Auf dem Feuerwehrhaus, dem Sportverein und der Mehrzweckhalle hat Beng bereits Anlagen.

Die Solaranlage auf der Feuerwache in Neuried.

Der dort erzeugte Strom wird zur Versorgung des jeweiligen Gebäudes genutzt. Der Rest wird in das allgemeine Stromnetz eingespeist, wofür es eine Vergütung gibt. „Die Bürger selbst können den erzeugten Strom leider noch nicht nutzen“, so Habersbrunner. „Aber wir hoffen, dass sich da rechtlich noch was tut.“ Mit dem „Energie Sharing“ liege der Bundesregierung bereits ein entsprechender Entwurf vor. Erst damit könnten auch Nachbarhäuser Energie aus Bürgeranlagen nutzen.

Vorrangig geeignet sind Bürgerenergiegenossenschaften daher für Menschen, die ein gewisses Kapital haben. „Wir bieten aber auch an, die Pakete in Raten zu bezahlen“, so Habersbrunner. Zudem sollen günstigere Beteiligungsoptionen ausgebaut werden. „So wollen wir auch mehr Frauen und Menschen mit geringerer Bildung erreichen.“

Spar-Tipp für daheim

Kombigeräte meiden: Mit einem Gerät Wäsche waschen und trocknen oder Backofen und Mikrowelle in einem Gehäuse vereint: Moderne Kombigeräte sind durchaus beliebt. Aber: Schon die Energieeffizienz – etwa mit der Klasse E bei einer Skalierung von A bis G – zeigt, dass das Gerät viel Strom verbraucht.

So platzsparend Kombigeräte auch sind, so anfällig sind diese durch den Technik-Mix. Geht eine Gerätefunktion – etwa der Trockner beim Wasch-Trockner – kaputt, ist meist auch die andere nicht nutzbar und eine Neuanschaffung wird fällig, da Reparaturkosten die Neupreise oft übersteigen. 

Neuried: Zwei neue Bürgersolaranlagen

Für Solaranlagen auf dem neuen Grundschultrakt und der Kita am Bozaunweg in Neuried sucht Beng aktuell nach Bürgern, die sich beteiligen wollen. 57 beziehungsweise 67 Pakete à 1000 Euro können für die Anlagen erworben werden. Bürger können ein oder auch mehrere Pakete kaufen. „Dabei geht es nach dem Kirchturmprinzip“, sagt Beng-Vorständin Katharina Habersbrunner.

Menschen aus Neuried und Umgebung erwerben die Beteiligungen also bevorzugt. „Die meisten unserer Anlagen wurden allein von Menschen aus dem jeweiligen Ort gezeichnet.“ Wer sich für eine Beteiligung in Neuried interessiert, schreibt bis Freitag, 15. April, unverbindlich eine E-Mail an kontakt@beng-eg.de.

Gleiches Prinzip bei Wind

Ähnlich wie bei Bürgersolaranlagen können sich Privatpersonen auch bei der Finanzierung von Windrädern beteiligen. „Grundsätzlich gibt es zwei Varianten: eine direkte und eine genossenschaftliche“, erklärt Peter Beermann aus Solln, der als Windkümmerer die Windenergie im Forstenrieder Park vorantreiben soll.

Beim Genossenschaftsmodell vergeben die Bürger in der Regel Darlehen, die ihnen nach mehreren Jahren mit Zinsen zurückgezahlt werden – wie bei den Bürgersolaranlagen von Beng.

Auch bei der Finanzierung von Windrädern können sich Bürger beteiligen. (Symbolbild)

Finanzierung von Windrädern: So funktioniert die Investition

Bei der direkten Beteiligung legen die privaten Investoren ihr Geld an. „Den Bürgern gehört dann ein Teil der Anlage. Sie werden über viele Jahre an der Gewinnausschüttung des Windrads oder -parks beteiligt“, sagt Beermann. Dadurch sind sie auch direkter in Entscheidungsprozesse eingebunden. Ein Beispiel für die Variante sind die Windräder in Berg (Lkr. Starnberg). Was bei beiden Varianten gleich ist: „Wer kein Geld übrig hat, wird sich nicht beteiligen. Das kann man durchaus skeptisch sehen“, so Beermann.

Auch im Forstenrieder Park soll es eine Bürgerbeteiligung bei den Windrädern geben. In welcher Form ist noch offen – zunächst müssen Windmessungen und artenschutzrechtliche Prüfungen beendet werden. Das wird wohl erst Ende des Jahres der Fall sein.

In den anderen Teilen der Serie ging es um Tipps zum Energiesparen , Balkon-Kraftwerke und Geothermie und die Vermeidung von Wärmeverlust.

Quelle: www.hallo-muenchen.de

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