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Münchens Älteste (10): Sensationeller Fund bei Ausgrabung – Brunnen aus dem Jahr 1260

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Freilegung des Brunnenschachts aus dem Jahr 1260 am Marienplatz.
Freilegung des Brunnenschachts aus dem Jahr 1260 am Marienplatz. © ReVe, Büro für Archäologie, Bamberg

Münchens ältestes Bauwerk wurde bei einer Ausgrabung im Jahr 2011 gefunden. Es handelt sich um einen Schacht aus dem 13. Jahrhundert. Die Geschichte des Fundes:

München – eine Stadt mit Geschichte und Geschichten: In unserer aktuellen Serie begibt sich Hallo auf die Suche nach den ältesten Vertretern ihrer jeweiligen Gattung. Manches ist sogar älter als die 864 Jahre alte Isarmetropole selbst. Diesmal stellen wir Ihnen das älteste Bauwerk vor.

Münchens ältestes Bauwerk: Schacht aus 13. Jahrhundert gefunden

Die Altstadt hat einige alte Gebäude, unter anderem das neue Rathaus, welches ein Alter von 113 Jahren hat. Bei Ausgrabungen am Marienhof, direkt hinter dem Bauwerk des Bürgermeisters, die 2011 stattgefunden haben, kam das aktuell älteste bekannte Bauwerk der Stadt zum Vorschein.

Es ist ein Brunnenschacht aus Holz, der im 13. Jahrhundert verwendet wurde. „Dieser Fund ist etwas Außergewöhnliches, denn selten bleibt Holz so lange erhalten,“ sagt Eleonore Wintergerst, Mittelalterarchäologin. Sie arbeitet seit 2017 für die archäologische Staatssammlung. Der Grund für den guten Zustand der Hölzer ist die Bodenbeschaffenheit an dieser Stelle: Ausreichend Feuchtigkeit und die Tatsache, dass kein Sauerstoff vorhanden war, haben diesen Fund möglich gemacht.

Münchens ältestes Bauwerk: Stämme waren verformbar

Gegebenheiten, die aber auch einen Haken haben: „Die Bergung wurde dadurch erschwert, da die Stämme weich und verformbar waren“, erklärt Wintergerst. Deshalb wurden sie zunächst gereinigt und dann bearbeitet. Die Bearbeitung verändert dabei nicht den Zustand sondern soll ihn nur in seiner Ursprungsform erhalten. Zum Schluss wurden sie mit einem Schutzlack überzogen.

Nach einer speziellen Untersuchung der Hölzer von einem Labor, in dem man Holzart, Herkunft und Jahresringe datieren kann, konnte festgestellt werden, dass die Stämme im Jahr 1256 gefällt wurden. Kurz darauf sind sie dann zu dem Brunnenschacht verbaut worden.

Münchens ältestes Skelett auf Freiham ist deutlich älter als die Stadt selbst. Was hinter dem Fund steckt...

Münchens ältestes Bauwerk: Eher Mülltonne als Brunnen

„Ob jedoch wirklich mal Wasser in diesem Schacht war, kann man nicht sagen“, meint Wintergerst. Er sei jedoch definitiv genutzt worden. Dies erkenne man daran, dass andere wertvolle Funde aus der Grube geborgen wurden. „Wahrscheinlich benutzten die Menschen den Stollen als eine Art Mülltonne. Denn es wurden Obstkerne und Pflanzenreste darin gefunden“, sagt Wintergerst. So wie alle Ausgrabungen sei auch diese Entdeckung von hohem historischen Wert.

Münchens älteste Feuerwache steht seit 1879.

„Es macht das Bild der Bewohner von der damaligen Zeit bunter, deshalb ist es uns wichtig, sobald unsere Staatssammlung wieder eröffnet, die Vergangenheit zu präsentieren“, ergänzt Wintergerst. Momentan ist das Hauptgebäude jedoch aufgrund von Sanierungen geschlossen. Anfang 2024 soll dieses aber wieder mit einer neuen Ausstellung eröffnet werden. Auch einige der Ausgrabungen vom Marienhof und der sogenannte „Schacht 5“ werden zur Schau gestellt. Bis zu diesem Zeitpunkt lagern die Stämme in einem Depot in Baldham.

Münchens ältestes Tier ist die Riesenschildkröte Joe in Hellabrunn. Wie alt Joe ist, lesen Sie hier.

Weitere historische Funde

Wenn die Dauerausstellung in der archäologischen Staatssammlung wieder eröffnet wird, werden noch andere bedeutende Ausgrabungsfunde gezeigt: Münchens ältestes Schwert wurde in Pasing bei Ackerarbeiten von einem Bauern gefunden. Es ist 3500 Jahre alt und besteht aus Bronze. In Bernstorf bei Freising wurde 1999 das älteste Gold von München gefunden. Dieses ist 3000 Jahre alt.

Patricia Stücher

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