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Unsichtbare Krankheiten (9): Zecken können beim Menschen Borreliose und FSME auslösen

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Mehrere Krankheiten können durch Zecken übertragen werden, darum ist im Wald und hohen Gras Vorsicht geboten.
Mehrere Krankheiten können durch Zecken übertragen werden, darum ist im Wald und hohen Gras Vorsicht geboten. © dpa/Maurizio Gambarini

Wenn das Wetter wärmer wird, kommen auch die Zecken wieder in Wäldern und hohen Gräsern zum Vorschein. Die kleinen Tiere können jedoch gefährliche Krankheiten übertragen.

„Gesund in Serie“ – unter diesem Motto beleuchtet Hallo München wöchentlich Themen der Medizin. Unsere aktuelle Serie widmet sich Krankheiten, die nicht auf den ersten Blick sichtbar sind. So können Folgen einer Borreliose Monate oder sogar Jahre nach der Infektion auftreten. Wie man sich gegen die Übertragung durch Zecken schützen kann und welche Mythen über die Krankheit Nonsens sind, erklärt der Münchner Allgemeinmediziner Dr. Markus Frühwein.

*HalloMuenchen.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.
*HalloMuenchen.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA. © Hallo München

Ein auffälliger roter Kreis auf der Haut, meist mittig blasser als am Rand, häufig in Begleitung von Krankheitssymptomen: Die „Wanderröte“ ist eine der unliebsame Folgen einer Borreliose, der häufigsten von Zecken übertragenen Erkrankung in Deutschland.

Krankheiten nach Zeckenbissen: Zehn bis 20 Prozent der Zecken infiziert

Etwa zehn bis 20 Prozent aller Zecken sind infiziert und tragen das Lyme-Borreliose-Bakterium in sich. Was jedoch nicht bedeutet, dass auch zehn bis 20 Prozent der Zeckenstiche die Krankheit auslösen. „Bei der Borreliose macht es einen großen Unterschied, ob man die Zecke früh entdeckt und entfernt oder spät“, erklärt Allgemeinarzt Dr. Markus Frühwein, der in der Brienner Straße seine Praxis hat.

Dr. Markus Frühwein
Dr. Markus Frühwein © privat

Erst circa zwölf bis 24 Stunden nach dem Stich einer infizierten Zecke kommt es zur Übertragung auf den Menschen. Anders als bei der FSME gibt es gegen Borreliose keine Schutzimpfung. Sich gegen die Krankheit zu schützen heißt also, sich gegen Zeckenstiche zu schützen. Frühweins Empfehlung: Nach einem Ausflug in die Natur sollte man sich unbedingt noch am selben Tag nach Zecken absuchen.

„Beim Entfernen darf man die Zecke außerdem nicht reizen. Man muss sie mit einer Pinzette knapp über der Haut an ihrem Kopf greifen und langsam herausziehen“, sagt der Experte. „Dafür kann man aber auch zum Hausarzt gehen.“ Auf keinen Fall sollten bei der Entfernung Mittel wie Öl oder Benzin zur Hilfe genommen werden, warnt Frühwein.

Borreliose nach Zeckenbissen: Große Bandbreite an Krankheitssymptomen

Die Bandbreite an Symptomen einer Borreliose ist groß. „Es gibt frühe Erscheinungen, die Tage oder Wochen nach dem Stich auftreten und späte, die sich erst viele Monate bis Jahre danach zeigen. In den meisten Fällen wird die Erkrankung aber früh per Blick­diagnose erkannt“, so der Allgemeinmediziner.

Bei über 80 Prozent der Infizierten tritt mit der „Wanderröte“ die für die Borreliose typische Haut-Irritation auf, die im Normalfall mit der zweiwöchigen Einnahme eines Antibiotikums erfolgreich behandelt werden kann.

Eine Borreliose erkennt man oft an der dafür typischen „Wanderröte“ um den Stich herum.
Eine Borreliose erkennt man oft an der dafür typischen „Wanderröte“ um den Stich herum. © dpa/Harry Melchert

Daneben kann die Infektionskrankheit auch zu Muskel- und Gelenkschmerzen, in selteneren Fällen zu Herzmuskel- und Hirnhautentzündungen bis hin zu Störungen des Nervensystems führen. „Die komplizierteren Erscheinungsformen fordern auch mal drei Wochen Antibiotika“, sagt Frühwein.

„Bei Borreliosen mit Erkrankungen des Nervensystems wird das Antibiotikum zudem meist intravenös verabreicht.“ Generell sei die Infektion eine Erkrankung mit positiver Prognose: In jedem Stadium können die auftretenden Symptome sehr gut mit Antibiotika behandelt werden. Und, so der Experte: In jedem Stadium der Borreliose kann es grundsätzlich zur spontanen Heilung kommen.

Was dem Mediziner hingegen Sorge bereitet: Zu der Krankheit sind viele irreführende Informationen im Umlauf, die zu Verunsicherung und teilweise unseriöse Therapiemethoden führen. „Die Behandlung einer Borreliose ist von unseren Krankenkassen hervorragend gedeckt, Selbstzahlungen sind nicht notwendig“, stellt Frühwein klar. Aufräumen will er auch mit der Behauptung, es gebe chronische Borreliosen, oft auch Post-Lyme-Syndrom genannt. „Diese sind wissenschaftlich nicht belegt.“

FSME: auch durch Zecken übertragen

Die Frühsommer-Meningoenzephalitis (kurz FSME), ist die zweithäufigste zeckenübertragbare Krankheit in Deutschland. Sie wird sofort beim Stich eines infizierten Tiers weitergegeben. Bayern ist Risikogebiet für die Erkrankung, die bei zehn bis 30 Prozent der Infizierten grippale Beschwerden auslöst. Schwere Verläufe können bis hin zu Rückenmarks-, Gehirn- und Hirnhautentzündungen führen. FSME-Symptome können nicht behandelt, nur gelindert werden. Der Hausarzt kann aber gegen die Krankheit impfen. Für einen vollen Schutz, der drei Jahre hält, sind drei Impfdosen nötig. In Risikogebieten werden die Kosten von den Krankenkassen getragen.

Quelle: www.hallo-muenchen.de

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