1. hallo-muenchen-de
  2. Serien

Unsichtbare Krankheiten (8): Heute ist „Tag der Schilddrüse“ – Unterfunktion als neue Volkskrankheit?

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Romy Ebert-Adeikis

Kommentare

Männer sind zwar deutlich seltener von Fehlfunktionen der Schilddrüse betroffen als Frauen, sollten das Organ aber dennoch ebenfalls checken lassen – zumindest im Alter.
Männer sind zwar deutlich seltener von Fehlfunktionen der Schilddrüse betroffen als Frauen, sollten das Organ aber dennoch ebenfalls checken lassen – zumindest im Alter. © Panthermedia/Andriy Popov

Im nächsten Teil der Hallo-Serie zu unsichtbaren Krankheiten widmen wir uns dieses Mal der Schilddrüse. Ein Experte des Isar Klinikums klärt über Funktion und Fehlfunktionen auf.

„Gesund in Serie“ – unter diesem Motto beleuchtet Hallo München wöchentlich Themen der Medizin. Unsere aktuelle Serie widmet sich Krankheiten, die nicht auf den ersten Blick sichtbar sind. So wie Fehlfunktionen der Schilddrüse, die oft erst spät diagnostiziert werden. Dabei nimmt die Zahl der Fälle zu.

*HalloMuenchen.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.
*HalloMuenchen.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA. © Hallo München

Zum „Tag der Schilddrüse“ erklärt Dr. Thorsten Sigmund vom Stoffwechsel- und Hormonzentrum des Isar Klinikums München, worauf man achten sollte und wer besonders oft betroffen ist.

Fehlfunktion der Schilddrüse: Frauen häufiger als Männer betroffen

Die Schilddrüse ist eines der Hormon-Zentren des Körpers. Gerät das Organ aus dem Gleichgewicht, ist die häufigste Reaktion eine Unterfunktion. Dann werden in der Drüse zu wenig Hormone produziert. „Ein schwerer Mangel tritt bei ein bis zwei Prozent der Bevölkerung auf“, sagt Dr. Thorsten Siegmund vom Isar Klinikum München. Frauen sind dabei viermal häufiger von einer Fehlfunktion betroffen als Männer. Eine latente Form der Unterfunktion haben hingegen viele: Sie betrifft jeden zehnten bis 25. Menschen.

Dr. Thorsten Sigmund
Dr. Thorsten Sigmund © privat

Dass der Unterschied so groß ist, liegt an einer mutmaßlich hohen Dunkelziffer. Denn leicht zu erkennen ist eine Schilddrüsenunterfunktion nicht. „Das liegt daran, dass sie häufig schleichend auftritt und Symptome hat, die man auch leicht mit anderen Erkrankungen in Verbindung bringen kann“, weiß Siegmund.

So können Müdigkeit, Stimmungsschwankungen bis hin zu Depressionen, Haarausfall, oder ein Verlust der Libido Anzeichen sein. „Im Extremfall könnte man an einem Hormonmangel sogar versterben, auch wenn das heute eigentlich nicht mehr passiert.“

Fehlfunktion der Schilddrüse: Hormon-Versorgung nur durch Tabletten gewährleistet

Aber die Zahl der Betroffenen steigt. „Autoimmunkrankheiten nehmen per se immer mehr zu. Auch wenn man nicht genau weiß, warum“, so der Schilddrüsen-Experte. Das gelte auch für „Hashimoto“– eine chronische Entzündung der Schilddrüse, die oft einer Unterfunktion des Organs vorangeht und bereits bei Jugendlichen oder jungen Erwachsenen auftreten kann. Gleichzeitig verbessere sich die Diagnostik und Patienten seien heute sensibilisierter, was Schilddrüsenerkrankungen angehe. Auch das erhöhe die Fallzahlen.

Heilen kann man die Unterfunktion der Schilddrüse nicht. Um das Gleichgewicht von Hormonen wieder herzustellen, werden diese deswegen in Tablettenform zugeführt. „In vielen Fällen passiert das dann ein Leben lang“, so Siegmund. Zudem bekommen Patienten oft das Spurenelement Selen, das für die Umwandlung von Schilddrüsenhormonen unverzichtbar ist.

Grundsätzlich rät Experte Siegmund jedem ab dem 40. Lebensjahr dazu, die Schilddrüse kostenlos beim Hausarzt checken zu lassen. Ein Vorsorgeprogramm gibt es zwar nicht. Dafür ist die Untersuchung an sich reine Routine – es reicht eine Laboruntersuchung mit Überprüfung des sogenannten TSH-Werts. „Der ist in 80 Prozent der Fälle aussagekräftig.“ Treten unspezifische Beschwerden oder Hals- und Schluckprobleme auf, sollte die Schilddrüse ebenfalls geprüft werden.

Mit dem Älterwerden auf Knoten achten

Im Gegensatz zur Unterfunktion tritt eine Überfunktion der Schilddrüse eher erst in einem höheren Alter auf. Es gibt drei Unterarten: eine autoimmune Form, die sehr plötzlich auftreten kann, eine diffuse Hormonüberproduktion in allen Organzellen und eine Überproduktion, die auf Knoten in der Schilddrüse begrenzt ist.

Solche Knoten sind nicht selten: „Etwa ab dem 50. Lebensjahr hat sie jeder zweite Bundesbürger“, sagt der Hormon-Spezialist Dr. Thorsten Siegmund. Diese sollten per Ultraschall im Auge behalten werden. „In den allermeisten Fällen sind sie gutartig.“ Sollten sie doch zum Schilddrüsenkrebs entarten, können Siegmund zufolge etwa 90 Prozent der Patienten geheilt werden.

Häufig ist Jodmangel ein Grund für die Entstehung der Knoten. „Da hat sich über die vergangenen Jahrzehnte zwar viel getan, aber wir sind noch nicht da, wo wir sein sollten“, meint der Arzt. Seine Empfehlung: Nur jodiertes Salz verwenden und häufiger zum Meeresfisch greifen.

Quelle: www.hallo-muenchen.de

Auch interessant

Kommentare