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Unsichtbare Krankheiten (5): Ein Drittel aller Fälle des Reizdarm-Syndroms entstehen nach Infektionen

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Von: Romy Ebert-Adeikis

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Frauen leiden in der Regel mehr unter Reizdarm-Beschwerden als Männer.
Frauen leiden in der Regel mehr unter Reizdarm-Beschwerden als Männer. © PantherMedia

Im fünften Teil der Serie zu unsichtbaren Krankheiten äußert sich ein Arzt zum Reizdarm-Leiden. Wer daran erkranken kann, wie man die Krankheit erkennt und was hilft:

„Gesund in Serie“ – unter diesem Motto beleuchtet Hallo München wöchentlich Themen der Medizin. Unsere aktuelle Serie widmet sich Krankheiten, die nicht sichtbar sind. So gibt es beim Reizdarm-Syndrom keine anatomischen Auffälligkeiten, Betroffene leiden dennoch. Was die Medizin inzwischen über die Ursachen weiß und wieso bei der Krankheit oft eine Überdiagnostik stattfindet, erklärt der Münchner Magen-Darm-Mediziner Dr. Berndt Birkner.

*HalloMuenchen.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.
*HalloMuenchen.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA. © Hallo München

Prüfungsangst hat wohl jeder schon erlebt. „Fast bei der Hälfte der Menschen führt sie zu Durchfall“, weiß der Münchner Gastroenterologe Dr. Berndt Birkner. Der Grund: Unser Gehirn steht mit dem Verdauungstrakt in engem Kontakt, die Nerven im Darm werden sogar als Bauch-Gehirn bezeichnet. „Dieses kann sich eben nur mit Schmerzen wie Bauchkrämpfen, Verstopfungen oder einer veränderten Konsistenz des Stuhls ausdrücken.“

Stehen Menschen unter Stress oder tragen unverarbeitete Konflikte mit sich, wird auch das Bauch-Hirn gereizt. „Das Mikrobiom im Darm verändert sich und produziert andere biochemische Substanzen als sonst. Das kann gegebenenfalls zu einer Entzündung führen“, erklärt Birkner, der seine Praxis am Max-Weber-Platz hat. In dem Fall spricht man vom Reizdarm.

Dr. Berndt Birkner
Dr. Berndt Birkner © Felix-Burda-Stiftung

Die Krankheit Reizdarm: Viele davon mindestens einmal im Jahr betroffen

Etwa 25 Prozent der westlichen Bevölkerung erlebt mindestens einmal im Jahr eine Reizdarm-Episode. Diese dauert in der Regel eine Woche bis zu einem Monat. „Viele Betroffene werden dann vom Hausarzt direkt zur Darmspiegelung geschickt“, sagt der Magen-Darm-Experte. Dabei könne man einen Reizdarm damit nicht erkennen.

„Es ist eine Erkrankung mit Symptomen, bei der es aber anatomisch keinen ungewöhnlichen Befund gibt. Es ist eine rein symptomdefinierte Befindlichkeitsstörung.“ Statt einer Darmspiegelung empfiehlt Birkner zur Abklärung eine Untersuchung des Stuhls auf das Protein Calprotectin. Das ist ein sogenannter Biomarker, der eine Entzündung im Darm anzeigt.

Dass der Reizdarm anatomisch nicht sichtbar ist, bedeute aber nicht, dass Betroffene nicht leiden. Denn bei vielen Reizdarm-Patienten sind die Nerven im Darm hochsensibel. Die Schwelle, ab der etwa bei einer Dehnung des Organs Schmerz empfunden wird, ist deutlich herabgesetzt. „Das ist zum Beispiel dann der Fall, wenn die Betroffenen einen Magen-Darm-Infekt mit Schmerzsymptomen hatten und der Körper sich diesen Schmerz gemerkt hat.“

Die Krankheit Reizdarm: Großteil der Fälle wird nach Infektion ausgelöst

Gut ein Drittel aller Reizdarm-Fälle entsteht „post-infektiös“, also nach einer Infektion. Bei Frauen sei der Reizdarm laut Birkner zudem auch häufig die Folge einer Missbrauchs­erfahrung. „Generell leiden Frauen mehr unter Reizdarm-Beschwerden als Männer“, so der Fachmann. Ursache, Ausprägung und Form der Erkrankung sind dabei höchst individuell.

„Komplexe Probleme erfordern auch komplexe Lösungen“, ist Birkners Credo in Sachen Therapie. Während dem einen Meditation oder eine Entspannungstherapie helfen können, werden Schmerzen gegebenenfalls nur durch entsprechende Schmerzmittel gelindert. Sogenannte Prä- und Probiotika können dafür sorgen, dass das Mikrobiom im Darm wieder in seiner Vielfältigkeit aufgebaut wird. Wovon der Experte hingegen abrät: Vermeidungsdiäten. „Generell gilt aber, dass eine leichte, mediterrane Kost für den Menschen am bekömmlichsten ist.“

Zu weiteren unsichtbaren Krankheiten, die Hallo beleuchtet hat zählen die Depression, Migräne, die Schluckstörung Achalasie und das Fibromyalgie-Syndrom, ein Muskel-Faser-Schmerz.

Treff von Reizdarm-Betroffenen im Selbsthilfezentrum München

Menschen mit dem Reizdarm-Syndrom aus München und Südbayern können sich einmal monatlich im Selbsthilfezentrum München, Westendstraße 68, austauschen. Die Teilnahme ist unverbindlich, kostenlos und auf Wunsch auch anonym möglich. Die Treffen finden jeweils mittwochs von 18 bis 20 Uhr statt. Die Organisation und Moderation übernehmen Betroffene ehrenamtlich, es handelt sich um keine professionelle medizinische beziehungsweise therapeutische Beratung. Nächster Termin ist am Mittwoch, 18. Mai.

Quelle: www.hallo-muenchen.de

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