1. hallo-muenchen-de
  2. Serien

Infektionskrankheiten: Wegen Corona fast vergessen – nach der Wiesn begann die Grippewelle

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Katrin Hildebrand

Kommentare

Fieber und typische Erkältungssymptome wie Gliederschmerzen und Atemwegserkrankungen können auch bei einer Grippe auftreten.
Fieber und typische Erkältungssymptome wie Gliederschmerzen und Atemwegserkrankungen können auch bei einer Grippe auftreten. © dpa/Maurizio Gambarini

Wegen des Corona-Virus wurde die Influenza beinahe vergessen, dennoch stellt sie eine Gefahr dar. Eine Ärztin hat Hallo Parallelen zu Corona und Indikatoren für eine starke Grippewelle verraten.

„Gesund in Serie“ – unter diesem Motto beleuchtet Hallo München wöchentlich Themen der Medizin. Unsere aktuelle Serie widmet sich den Infektionskrankheiten, die im Herbst ordentlich zulegen. Warum die Grippe ernst genommen werden sollte, welche Folgen sie haben kann und wer sich impfen lassen sollte, erklärt Ärztin Dr. Hedwig Roggendorf vom Klinikum rechts der Isar.

Infektionskrankheiten im Überblick: Starke Grippewelle erwartet

Im Oktober beginnt die Saison. Influenzaviren zirkulieren bei uns von da an bis Ende Mai. Die Grippewellen dagegen – also das erhöhte Auftreten der Influenza – haben in den vergangenen Jahren meist im Januar begonnen und bis zu vier Monate gedauert. Wie stark die kommende Welle wird, können Experten nur vermuten. Vor zwei Jahren fiel sie wegen der Covid-Maßnahmen aus. Vor einem Jahr stieg sie gegen Ende der Saison kurz an, als die Corona-Regeln gelockert wurden. „Diesmal aber könnte es deutlich heftiger werden“, meint Dr. Hedwig Roggendorf, Leiterin der Impf­sprechstunde am Klinikum rechts der Isar. Schließlich seien die meisten Pandemie-Einschränkungen passé.

Ein Indiz für den Vormarsch der Grippe: Die Influenzawelle auf der Südhalbkugel der Erde – dort ist von Mai bis Oktober Saison – fiel heuer deutlich stärker aus als in den vergangenen Jahren. Trotz Warnungen aber nähmen viele die Grippe grundsätzlich nicht ernst, wie Roggendorf betont. Dabei kostet sie immer wieder viele Menschenleben. Besonders schlimm wütete sie bei uns in der Saison 2017/18. Schätzungen des Robert Koch-Instituts (RKI) zufolge gab es über 25 000 Tote – die höchste Zahl der vergangenen drei Jahrzehnte.

Infektionskrankheiten im Überblick: Parallelen zwischen Influenza und Corona deutlich

Klassische Grippesymptome sind Fieber, Husten oder Halsweh sowie Muskel- oder Kopfschmerzen. Gefährlich sind vor allem Verläufe mit Lungenentzündung. „Doch nicht nur die Grippe selbst kann schlimm sein. Dazu kommt, dass nach einer Influenza Herzinfarkte, Lungenentzündungen, Diabetes oder Schlaganfälle auftreten können. Auch gibt es im Zusammenhang mit ihr etwas ähnliches wie Long Covid.“ Gemeint sind: langanhaltende Spätfolgen der Erkrankung, etwa große Schwäche oder schnelle Erschöpfung.

Auch in der Übertragung gibt es Parallelen zwischen dem Influenza- und dem Corona-Virus. Grippe kann sich ebenso wie SARS-CoV-2 über Aerosole, schwebende Partikel in der Luft, verbreiten, vor allem in geschlossenen Räumen. Typischer für sie ist aber die Tröpfcheninfektion. „Voraussetzung dafür ist naher, enger Kontakt“, sagt Roggendorf.

„Der öffentliche Verkehr war vor der Maskenpflicht die Virenschleuder schlechthin.“ Dort können Menschen oft keinen Abstand halten. Weitergegeben werden Viren bei nahem Kontakt etwa durch Sprechen, Husten oder Niesen. „Eine Übertragung über Hände und Oberflächen, die durch virushaltige Sekrete verunreinigt sind“, ist laut RKI auch möglich, allerdings „in geringerem Maße“.

Roggendorf rät bestimmten Gruppen zur Impfung. „Wer nicht geimpft ist und schwerer erkrankt, hat theoretisch noch die Möglichkeit Virostatika – Virushemmer – einzunehmen. Das muss aber schnell erfolgen, sonst wirken sie nicht.“

Wer sollte sich definitiv impfen lassen?

Als Chefin der Impfsprechstunde wundert sich Hedwig Roggendorf manchmal schon. „Viele Menschen lassen sich, wenn sie auf Reisen gehen, gegen alles mögliche impfen. Influenza aber halten sie für unnötig.“ Dabei sei es auch sinnvoll, sich immunisieren zu lassen, wenn man nicht zu einer gefährdeten Gruppe gehört. „Hohes Fieber ist bei allen Patienten möglich, und wer nicht gerne krank ist, sollte es auch tun.“

Besonders legt sie die Impfung Menschen ab 60 Jahren ans Herz. Außerdem Patienten mit chronischen Erkrankungen. Darunter fallen etwa starkes Übergewicht, Diabetes oder Asthma. Das RKI nennt unter anderem chronische Krankheiten der Atmungsorgane, von Herz, Kreislauf, Leber, Nieren, außerdem Diabetes, neurologische Krankheiten oder Immundefizienz. Außerdem wird eine Impfung Schwangeren ab dem zweiten Trimester, also ab der 14. Woche, nahegelegt.

Ein Besuch der Impfsprechstunde an der Trogerstraße 6, Bau 532, ist für alle Interessierten möglich, jedoch nur nach Anmeldung unter Telefon 41 40 44 51. Geöffnet ist Montag bis Donnerstag von 9 bis 12 Uhr.

Im zweiten Teil der Serie widmet sich Hallo den Affenpocken. Nach großer Aufregung im Juli, ist die Lage in München nun unter Kontrolle. Im dritten Teil nimmt Hallo Polio unter die Lupe.

Mit dem Hallo München-Newsletter täglich zum Feierabend über die wichtigsten Geschichten aus der Isar-Metropole informiert.

Auch interessant

Kommentare