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Die fünf Sinne (4): Nicht nur nach einer Corona-Infektion können Geruch und Geschmack verlorengehen

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Von: Romy Ebert-Adeikis

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Die Hals-Nasen-Ohren-Ärztin Dr. Rose Fintelmann zeigt an einer Grafik, wo der Mensch riecht – und zu einem großen Teil auch schmeckt. Denn die Sinne sind eng miteinander verbunden.
Die Hals-Nasen-Ohren-Ärztin Dr. Rose Fintelmann zeigt an einer Grafik, wo der Mensch riecht – und zu einem großen Teil auch schmeckt. Denn die Sinne sind eng miteinander verbunden. © Romy Ebert-Adeikis

Der vierte Teil unserer Gesundheitsserie widmet sich dem Riechen und dem Schmecken. Die beiden Sinne sind eng verbunden. Das und vieles mehr, erklärt eine HNO-Ärztin...

„Gesund in Serie“ – unter diesem Motto beleuchtet Hallo München wöchentlich Themen der Medizin. Unsere aktuelle Serie widmet sich den fünf Sinnen des Menschen und ihren Erkrankungen.

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*HalloMuenchen.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA. © Hallo München

So können viele Corona-Patienten nach der Infektion nicht mehr richtig Riechen oder Schmecken. Warum das so ist, welche Herausforderung der Verlust ist und was man dagegen tun kann, berichten HNO-Ärztin Dr. Rose Fintelmann und eine Betroffene

Hallo berichtete zuvor schon über Erkrankungen von drei weiteren Sinnen: den Grauen und Grünen Star, der das Sehen einschränkt, die Schwerhörigkeit, die für verringertes Hörvermögen sorgt und Polyneuropathie, eine Krankheit, die das Fühlen beschränkt.

Geruchs- und Geschmacksverlust: Bei Corona-Infektion häufiges Symptom

Mit ihrem Mann frisch kochen, danach noch eine Flasche aus dem eigenen Weinkeller öffnen: Für Belinda Bach aus Untersendling klingt das nach einem perfekten Abend. Vor zwei Jahren stand dieses Vergnügen für sie wegen Corona kurzfristig auf der Kippe:

„Am fünften Tag habe ich Rote Beete gegessen und mir gedacht: ‚Komisch, die schmeckt nach nichts‘. So ging es mit allem Möglichen weiter. Bis mir bewusst wurde, dass ich gar nichts mehr schmecke“, erzählt die 44-Jährige. Dann versucht sie es mit Riechen: abgebrannte Streichhölzer, ein Glas Essiggurken, das Set mit Weinaromen. „Ging gar nichts“, sagt Bach.

Gerade am Anfang der Pandemie hatten bis zu 60 Prozent der Infizierten eine Beeinträchtigung von Geschmacks- und Geruchssinn – die sehr eng miteinander verbunden sind. „In leichter Form hat deswegen schon jeder so etwas einmal erlebt, bei einer Erkältung oder Ähnlichem“, sagt Dr. Rose Fintelmann von der HNO-Praxis im Lehel.

Geruchs- und Geschmacksverlust: Darum beeinträchtigt Corona diese Sinne

Anders als beim klassischen Schnupfen – bei dem geschwollene Nasenschleimhäute den Zugang von Aromen zum Riechzentrum an der Nasenwurzel blockieren – beeinträchtigt Corona die Sinne toxisch. Die Nase ist dabei frei. „Das Virus befällt die sogenannten Stützzellen in den Nasenschleimhäuten. Die sind für die Versorgung der Nervenzellen zuständig“, erklärt Fintelmann. Je nach Grad ihrer Schädigung dauert der Verlust von Riechen und Schmecken länger oder kürzer.

Bei Belinda Bach kamen erste Gerüche schon nach einer Woche zurück. „Vor allem Saures wie Essig war relativ schnell wieder da, anderes hat länger gedauert. Und einige Sachen haben anders geschmeckt“, sagt die Sendlingerin.

„Tatsächlich nehmen Betroffene in der Erholungsphase manche Aromen verzerrt war“, bestätigt die Fachärztin aus dem Lehel. Darum kann ein Geruchstraining durchaus sinnvoll sein – und daheim auch leicht selbst durchgeführt werden können.

Geruchstraining für zu Hause

Experten der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde empfehlen bei einem Verlust von Geruch und Geschmack ein Training: In vier identische Döschen gut unterscheidbare Aromen wie Gewürznelken, Minze, Zitrone oder Ähnliches füllen – im Idealfall als ätherisches Öl. Daran zwei Mal täglich für jeweils circa eine halbe Minute schnuppern. Je konsequenter man „trainiert“, desto wahrscheinlicher sei auch ein Fortschritt.

Das Training eignet sich aber auch generell zur Schärfung der Wahrnehmung. Denn wie andere Sinne sind auch Riechen und Schmecken individuell stark ausgeprägt. Und werden im Alter schlechter. „Am längsten bleibt dem Menschen der Sinn fürs Süße“, verrät Fintelmann.

Geruchs- und Geschmacksverlust: Auch bei anderen Krankheiten ein Problem

Aus Studien geht hervor, dass bei 80 bis 95 Prozent der Corona-Patienten nach einigen Wochen Geruch und Geschmack zurückkommen. „Früher gab es solche Phänomene auch bei Influenza-Erkrankungen. Die Betroffenen hatten oft länger Probleme“, erinnert sich Fintelmann.

Auch Krankheiten wie Parkinson oder Multiple Sklerose können die Sinneswahrnehmung stören. Nach einem Schädel-Hirn-Trauma, bei dem das Riechzentrum oder bestimmte Gehirnregionen geschädigt wurden, ist ein Komplettverlust aber am wahrscheinlichsten.

„So ein Verlust ist eine extreme psychische Belastung“, weiß HNO-Ärztin Fintelmann, „weil wir gerade mit Gerüchen sehr oft Emotionen verbinden – etwa Kindheitserinnerungen oder den Partner.“ Gleichzeitig warnt er uns vor Gefahren wie Feuer. „Und natürlich machen Geruch und Geschmack Lust auf Essen.“

Nie mehr genießen können – das wäre auch für Belinda Bach eine große Herausforderung gewesen. „Ich hätte mein Leben umstellen, mir definitiv ein anderes Hobby suchen müssen.“

Quelle: www.hallo-muenchen.de

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