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Gesundheits- und Trendsports im Hallo-Check: Wie gut ist eigentlich Faszientraining? 

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Von: Romy Ebert-Adeikis

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Wo es beim Faszientraining am meisten zwickt, ist individuell unterschiedlich. Die äußeren Oberschenkel sind aber bei Menschen, die viel sitzen, oft ein schmerzhafterer Kandidat.
Wo es beim Faszientraining am meisten zwickt, ist individuell unterschiedlich. Die äußeren Oberschenkel sind aber bei Menschen, die viel sitzen, oft ein schmerzhafterer Kandidat. © Romy Ebert-Adeikis

Immer mehr Leute greifen zur Rolle und betreiben Faszientraining. Ein Orthopäde und ein Faszientrainer klären über Vorteile und Risiken des Trainings auf.

„Gesund in Serie“ – unter diesem Motto beleuchtet Hallo München wöchentlich Themen der Medizin. Derzeit widmen wir uns dem Gesundheitssport. Mit Experten und im Selbstversuch nimmt Hallo beliebte Aktivitäten genau unter die Lupe.

Im aktuellen Teil erklären Faszientrainer Tobias Fischer und Orthopäde Dr. Leonhard Keil, welche Fehler beim eigenständigen „Rollen“ oft passieren und warum ein Besuch beim Arzt vorher durchaus sinnvoll ist.

In den ersten drei Teilen hat Hallo Nordic Walking, Pilates und einfaches Spazierengehen unter die Lupe genommen.

Faszientraining besonders für Personen mit chronischen Rückenschmerzen geeignet

„Stell dir eine Schmerz-Skala von eins bis zehn vor. Wenn wir eine sieben bis neun schaffen, ist das optimal“, sagt Tobias Fischer. Der 36-jährige Münchner ist seit 2018 nebenberuflich als Blackroll-Trainer tätig und soll mir heute zeigen, wie ich mit Hartschaumrollen und -bällen meine Faszien in Schwung bringe. In den fast 45 Minuten, die wir uns von den Füßen über Beine, Po und Rücken bis zum Nacken rollen, wird es bei mir einige Male ziepen.

Doch ein bisschen Schmerz ist in dem Fall sogar gut: „Durch den Druck geht Wasser aus den Faszien, danach füllen sie sich erneut. Der Flüssigkeitsaustausch macht sie wieder elastisch“, erklärt Fischer. „Das führt zu mehr Beweglichkeit und einer besseren Haltung.“ Und das wiederum soll Schreibtischtäter wie mich vor Dauerschmerzen schützen.

„Für Patienten mit chronischen Rückenbeschwerden ist Faszientraining oft gut“, bestätigt Dr. Leonhard Keil, der in Laim eine Orthopädie-Praxis betreibt. Die Faszien ummanteln Muskeln, Sehnen oder Knochen und bilden Brücken zwischen den Körperpartien. Sie dienen als Rezeptoren für Wärme, Schmerz oder unsere dreidimensionale Wahrnehmung im Raum. Verhärtet sich das Bindegewebe, können Schmerzen auftreten.

Faszientraining von einigen Krankenkassen bezuschusst - Gang zum Arzt zuvor ratsam

Einige Krankenkassen bezuschussen das Faszientraining inzwischen als Gesundheitssport. Für solche Kurse muss nicht nur der Trainer speziell ausgebildet sein, auch der Inhalt ist geprüft. „Man braucht einen Theorieteil, Warm-Up, eine kurze Ganzkörperkräftigung und dann kommt zur Regeneration das Rollen“, listet Trainer Fischer auf.

Doch immer mehr Menschen greifen auch selbst zur Rolle. „Dabei handelt es sich aber streng genommen um ein medizinisches Produkt. Vor allem bei Vorerkrankungen sollte man darum vorm Training mit einem Arzt sprechen“, rät Orthopäde Keil.

Wer Blutverdünner einnimmt, könnte beim Rollen etwa Einblutungen bekommen, Osteoporose-Patienten ihre Knochen beschädigen. „Bei viel Übergewicht gibt vielleicht eher der Muskel als die Rolle nach“, warnt Keil. Muskelinfektionen oder Tumorzellen könnten beim Training ebenfalls im Körper verbreitet werden.

Das ist beim Faszientraining zu beachten:

Ist man grundsätzlich gesund und fit, sei hingegen wenig einzuwenden, selbst loszulegen, sind sich Orthopäde und Trainer einig. „Ohne Anleitung kann aber der Effekt geringer sein“, sagt Fischer. „Die wenigsten wissen zum Beispiel, dass es besser ist, langsam zu rollen.“ Auch welches Equipment – große Rolle, kleine Rolle oder Ball – für welchen Körperbereich zum Einsatz kommt, mache einen Unterschied.

Ob man hingegen mit der Marken- oder Billigrolle arbeitet, sei für den Körper kaum entscheidend, sagt Fischer. Viel wichtiger: die Regelmäßigkeit. „Um einen Effekt zu spüren, sollten es schon zwei, drei Mal die Woche zehn bis 15 Minuten sein“, mahnt der Trainer.

Zwei Übungen, die einfach immer gut tun

Der „Fußroller“: „Alle trampeln den ganzen Tag auf ihnen rum, aber keiner kümmert sich um sie“, sagt Faszientrainer Tobias Fischer. Wer seinen Füßen Gutes tun will, stellt sich mit der Sohle knapp vor der Ferse auf eine kleine Rolle. Von dort langsam – mehrere Sekunden lang – nach vorn rollen und wieder zurück. Zwickt es irgendwo, etwas länger an der Stelle verharren. Es ist auch möglich, den Fuß leicht nach innen oder außen zu kippen und dort zu rollen.

Der „Brustkorb-Öffner“: Um dem krummen Büro-Rücken etwas entgegenzusetzen legt man sich auf den Rücken. Der Po bleibt am Boden, die Beine sind aufgestellt. Der Kopf kann abgestützt werden. Eine große Rolle kommt unter die Schulterblätter. Die Arme nach hinten legen und sich dabei über die Rolle beugen. So kontrolliert ein- und ausatmen.

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