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Innovationen der Medizintechnik (10): Roboter assistiert beim Einsatz von Gelenk-Ersatz in Harlaching

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Von: Romy Ebert-Adeikis

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Beim Einsetzen eines Teil-Implantats im Knie sammelt „Cori“ mit Markern viele Infos für die Ärzte – etwa zur Beweglichkeit des Beins. Die Marker werden von den Chirurgen vor der eigentlichen Operation am Körper befestigt.
Beim Einsetzen eines Teil-Implantats im Knie sammelt „Cori“ mit Markern viele Infos für die Ärzte – etwa zur Beweglichkeit des Beins. Die Marker werden von den Chirurgen vor der eigentlichen Operation am Körper befestigt. © Romy Ebert-Adeikis

Wenn ein Teil des Kniegelenks ersetzt werden muss, erfordert das eine OP. In der Schön Klinik in Harlaching unterstützt nun „Cori“ die Ärzte bei diesem Eingriff.

„Gesund in Serie“ – unter diesem Motto beleuchtet Hallo München wöchentlich Themen der Medizin. In unserer aktuellen Serie blicken wir auf besonders innovative Medizintechnik, die in München eingesetzt wird.

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*HalloMuenchen.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA. © Hallo München

Etwa in der Schön Klinik München Harlaching: Werden dort Kniegelenke zum Teil ersetzt, steht ein Roboter mit am OP-Tisch. Wie dieser den Ärzten hilft, bei welchen Patienten er überhaupt genutzt werden kann, berichten die Chirurgie-Chefärzte Professor Dr. Ralf Bieger und Dr. Wolf Christian Prall.

Roboter hilft bei Knie-OP: „Cori“ erleichtert den Eingriff für Ärzte - und präzisiert ihn

Eine Fehlstellung der Beine oder schlichtweg das Alter können zur Knie-Arthrose führen. Bei manchen Betroffenen ist der Knorpel im Kniegelenk auf einer Seite besonders stark abgenutzt. Ein Teil des Gelenks kann dann von einem Implantat – einer sogenannten Endoprothese – ersetzt werden.

In solchen Fällen können die Ärzte im Zentrum für Knie-, Hüft-, Schulter- und Ellenbogenchirurgie der Schön Klinik Harlaching seit September auf einen besonderen Helfer im OP zählen: das Robotik-System „Cori“. Bisher wurde es 15 Mal eingesetzt.

„Der Eingriff wird damit präziser. Ersten Studien zufolge halten die Implantate so auch länger und die Patienten sind zufriedener“, sagt Chefarzt Dr. Wolf Christian Prall. Er und Professor Dr. Ralf Bieger sind die ersten Ärzte der Münchner Klinik, die „Cori“ nutzen. Dafür haben sie spezielle Schulungen erhalten. Später werden sie weitere Kollegen auf das System anlernen.

Wie funktioniert das Operieren mit „Cori“?

Denn eine Umstellung ist das Operieren damit definitiv. „Es handelt sich um ein navigationsbasiertes Robotiksystem. Das heißt, wir müssen vorher keine CT-Scans machen“, erklärt Bieger. Stattdessen wird im OP-Saal das Gelenk, die Spannung der Knie-Bänder und die Beinachse vermessen.

Möglich machen das „Flatmarker“ – kleine reflektierende Knöpfe, die am Körper und den OP-Instrumenten angebracht sind und über Infrarot mit „Cori“ kommunizieren. „Mithilfe der Referenzpunkte kann ein 3D-Bild erstellt werden“, erklärt ein Techniker der Herstellerfirma, der bei ersten Einsätzen des neuen Systems in einer Klinik mit vor Ort ist.

Solche „Flatmarker“ ermöglichen eine Bildgebung für „Cori“.
Solche „Flatmarker“ ermöglichen eine Bildgebung für „Cori“. © Romy Ebert-Adeikis

Mit dem Gerät lässt sich auch klären, welches Implantat die richtige Größe hat und wie es ideal platziert wird. „Bei der konventionellen Methode nutzen wir stattdessen digitale Mess-Schablonen auf präoperativen Röntgenbildern“, sagt Prall. „Cori“ sammelt mithilfe der Referenzpunkte die Informationen selbst und überträgt sie in Bruchteilen einer Sekunde auf einen Monitor.

Das ist vor allem beim Fräsen des Knochens wichtig. Dann sehen die Ärzte am Bildschirm nicht nur, wo genau wie viel Knochen weg muss. Die vom Arzt per Hand geführte Robotik-Fräse entfernt diesen anhand des 3D-Bilds auch kontrolliert und zieht sich an falschen Stellen zurück. „Wir können also gar nicht mehr wegfräsen als geplant“, erklärt Chefarzt Bieger.

Am Tablet-Bildschirm werden die operierenden Ärzte mit wichtigen Infos versorgt, die vorher von „Cori“ ausgemessen wurden.
Am Tablet-Bildschirm werden die operierenden Ärzte mit wichtigen Infos versorgt, die vorher von „Cori“ ausgemessen wurden. © Romy Ebert-Adeikis

Eingriffe mit „Cori“ dauern etwas länger als konventionelle Eingriffe - Methode nicht für alle Knie-OPs geeignet

„Noch dauert der Eingriff damit aber etwas länger als mit der konventionellen Methode“, betont der Experte. Der Grund: Bevor die Ärzte im Knie arbeiten können, müssen erst die Marker gesetzt und „Cori“ mit allen Infos gefüttert werden.

Bei vielen Schritten müssen die Operateure dem Gerät zudem selbst helfen – etwa, beim Befreien des Gelenkspalts von Gewebe, damit die Robotik-Fräse überhaupt alle Stellen erreicht.

Das System wird zudem in Harlaching noch nicht für alle Endoprothesen-OPs am Knie verwendet. „Insbesondere innenseitige Arthrosen lassen sich präziser operieren“, erklärt Bieger. Für geeignete Patienten entstehen für die roboter-assistierten Eingriffe keine Zusatzkosten.

Ähnliche Systeme

„Cori“ ist der Nachfolger eines alten roboter-assistierten Systems an der Schön Klinik Harlaching. Auch das Klinikum rechts der Isar setzt mit „Mako“ einen Roboter bei Knieprothesen-OPs ein.

Der Unterschied: Bei diesem muss vor dem Eingriff eine genaue Planung von Knie und Implantat mithilfe von Computertomographie (CT) vorgenommen werden. In Harlaching werden vorher zwar noch Röntgenbilder gemacht, ein CT ist aber nicht notwendig. Außerdem: Beim „Mako“ ist immer ein Techniker mit im Saal. In der Schön Klinik soll darauf in Zukunft verzichtet werden können.

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