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Unsichtbare Krankheiten (10): Chefärztin erklärt, warum die Darmkrebsvorsorge besonders wichtig ist

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Von: Romy Ebert-Adeikis

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Volle Konzentration im OP-Saal: Vor allem bei Tumoren im Enddarm ist von den Chirurgen viel Fingerspitzengefühl nötig – die Anatomie ist hier gerade bei Männern knifflig.
Volle Konzentration im OP-Saal: Vor allem bei Tumoren im Enddarm ist von den Chirurgen viel Fingerspitzengefühl nötig – die Anatomie ist hier gerade bei Männern knifflig. © München Klinik

Eine besonders heimtückische unsichtbare Krankheit ist der Darmkrebs. Welche Vorsorgemöglichkeiten es gibt, was die Probleme bei der Therapie sein können:

„Gesund in Serie“ – unter diesem Motto beleuchtet Hallo München wöchentlich Themen der Medizin. Unsere aktuelle Serie widmet sich Krankheiten, die nicht auf den ersten Blick sichtbar sind. Auch bei Darmkrebs werden Symptome erst bei einer fortgeschrittenen Erkrankung deutlich. Was die Medizin dann noch tun kann, wieso die Vorsorge in den vergangenen Jahren abgenommen hat, erklärt Dr. Mia Kim, Chefärztin für Koloproktologie im Darmkrebszentrum der München Klinik Neuperlach.

*HalloMuenchen.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.
*HalloMuenchen.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA. © Hallo München

Darmkrebs ist alles andere als eine seltene Tumorerkrankung: Bei Männern handelt es sich um die dritthäufigste Art von Krebs (nach Prostata- und Lungenkrebs), bei Frauen sogar um die zweithäufigste (nach Brustkrebs). Blut im Stuhl kann auf die Erkrankung hindeuten, zudem allgemeine Symptome wie Unwohlsein, Gewichtsverlust oder starkes Schwitzen im Schlaf.

„Aber das Heimtückische an Darmkrebs ist, dass die meisten Betroffenen sehr lange gar keine Beschwerden haben“, sagt Dr. Mia Kim, seit Juni Chefärztin für Koloproktologie im Darmkrebszentrum der München Klinik Neuperlach.

Dr. Mia Kim
Dr. Mia Kim © München Klinik

In dem größten Zentrum seiner Art in Deutschland wurden allein 2019 über 200 Karzinome behandelt. Dabei ist in vielen Fällen eine Operation unumgänglich.

Behandlung bei Darmkrebs: Operationen bei Enddarmkrebs besonders schwer

Was Dr. Kim dabei wichtig ist: „Auch bei fortgeschrittenen Befunden verfolgen wir oft noch einen heilenden Ansatz. Selbst, wenn der Krebs bereits gestreut hat.“ Zentral für die Therapie sei dabei ein gutes Netzwerk der Chirurgen untereinander, aber auch mit Onkologen und Radiologen. So werden die Fälle von Patienten, die eine Therapie mit Bestrahlung oder Chemotherapie sowie Operation benötigen, immer bei einem sogenannten „Tumorboard“ besprochen.

Eine solche multimodale Therapie gibt es laut Dr. Kim vor allem bei Enddarmkrebs. „Dieser macht etwa 50 Prozent aller Fälle aus.“ Tumore im Enddarm sind nicht nur schwieriger zu behandeln, weil die Wahrscheinlichkeit, dass der Krebs nach einer Operation zurückkommt, größer ist als etwa beim Dickdarm.

„Auch die Anatomie ist deutlich enger, die Operateure müssen darum extrem präzise arbeiten“, sagt die Chefärztin. So befinden sich mit Harnblase, Samenleitern, Prostata wichtige Organe und Nervenbahnen in direkter Nähe. „Bei einer multimodalen Therapie kann es darum mit nicht geringer Wahrscheinlichkeit zu Funktionseinbußen etwa beim Wasserlassen oder Stuhlgang kommen.“

Behandlung bei Darmkrebs: Vorsorgeprogramme gut - dennoch gerät Vorsorge aus dem Fokus

Umso wichtiger sei es, Darmkrebs frühzeitig zu erkennen. Gute Vorsorgeprogramme gebe es: „Eigentlich ist eine Darmspiegelung nicht nur die beste Untersuchung, sondern zeitgleich die richtige Therapie bei Vorstufen vom Darmkrebs, sogenannten Adenomen“, betont die Medizinerin.

Was ihr allerdings Sorge macht: „Vor allem in den vergangenen Jahren ist die Vorsorge bei vielen wegen der Corona-Pandemie aus dem Fokus geraten.“ Besonders Menschen, die familiär vorbelastet sind, sollten achtsam sein. Zugleich gibt es genetische Veränderungen, die eine Erkrankung wahrscheinlicher machen, aber nicht auf die Familie zurückgeführt werden können.

„Eine weitere Ursache können chronische, entzündliche Darmkrankheiten sein“, erklärt Dr. Kim. Welche Rolle die Ernährung oder Stress spielen ist hingegen noch nicht umfassend geklärt. „Wir wissen aber, dass eine ballaststoffreiche Ernährung, reduzierter Konsum von Alkohol und rotem oder verarbeitetem Fleisch das Risiko senken.“

Zukunft: Roboter und Mini-Wunden

„In Deutschland wird bei Darmkrebs im Vergleich zu anderen Ländern noch recht viel offen operiert“, sagt Dr. Mia Kim. Die Chefärztin Koloproktologie der München Klinik Neuperlach will hingegen minimalinvasive Operationsmethoden voranbringen. Weil dabei nur winzige Schnitte gemacht werden, heilen die Wunden in der Regel schneller und die Patienten verbringen weniger Zeit in der Klinik. Schwierig sei die Anwendung zwar bei Notfalloperationen wie bei einem Darmverschluss.

„Beim Durchschnittspatienten, der geplant in die Klinik kommt, sprechen aber schon jetzt wenig Gründe gegen minimalinvasiv“, sagt Kim. Dass die Hände bei der OP-Methode eingeschränkter agieren können, könnten in Zukunft Roboter ausgleichen. Mit einem solchen arbeitet die München Klinik Bogenhausen.

Quelle: www.hallo-muenchen.de

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