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Infektionskrankheiten Im Überblick: Affenpocken in München im Griff 

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Von: Romy Ebert-Adeikis

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Der Impfstoff, der aktuell in München gegen Affenpocken eingesetzt wird, stammt von der Firma Bavarian Nordic. Die ist unter anderem in Martinsried (Lkr. München) ansässig.
Der Impfstoff, der aktuell in München gegen Affenpocken eingesetzt wird, stammt von der Firma Bavarian Nordic. Die ist unter anderem in Martinsried (Lkr. München) ansässig. © dpa/Sven Hoppe

Im zweiten Teil der Serie über Infektionskrankheiten geht es um die Affenpocken. Groß war der Aufruhr auch in München, als im Juli die ersten Fälle ausbrachen. Die aktuelle Lage:

„Gesund in Serie“ – unter diesem Motto beleuchtet Hallo München wöchentlich Themen der Medizin. Unsere aktuelle Serie widmet sich den Infektionskrankheiten, zu denen auch die Affenpocken gehören. Wieso Experten nach anfänglicher Sorge vor einer neuen Pandemie die Erkrankung etwas gelassener sehen und welche Entwicklung aus dem Raum München dabei hilft, erklärt Prof. Dr. Clemens Wendtner, Chef-Infektiologe der München Klinik Schwabing.

Infektionskrankheit Affenpocken: Gesundheitlicher Notstand übertrieben

Als im Juli 2022 Corona gerade im Sommertief steckte, sorgte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit einer Entscheidung für neue Ängste: Sie rief wegen der Affenpocken den internationalen Gesundheitsnotstand aus. Erstmals verbreitete sich das Virus auch außerhalb von Risikogebieten in Afrika – und häufiger von Mensch zu Mensch.

„Rückblickend war die Entscheidung vielleicht etwas überzogen“, findet Prof. Dr. Clemens Wendtner, Chefarzt für Infektiologie der München Klinik Schwabing. Damals habe man noch nicht gewusst, ob sich das Virus so verändert habe, dass auch größere Teile der Gesellschaft erkranken. „Inzwischen wissen wir: Das Virus hat nicht die gleiche Potenz wie Corona. Es besteht wohl – auch in der nächsten Zeit – keine Gefährdung der breiten Bevölkerung“, sagt Wendtner.

Bis Mitte Oktober haben sich deutschlandweit etwa 3650 Menschen mit den Affenpocken infiziert. Darunter sind aber gerade einmal 18 Frauen und fünf Minderjährige. „Der Sprung zum anderen Geschlecht hat sich nicht bewahrheitet“, zeigt sich der Infektiologe erleichtert.

Infektionskrankheit Affenpocken: Knapp 30 Patienten in München Klinik behandelt

Circa 30 Affenpocken-Patienten hat Wendtner selbst auf der Isolationsstation in der München Klinik Schwabing behandelt – auch die ersten Fälle in Bayern, die bereits im Mai 2022 auftraten. „Die waren absolut harmlos. Die Patienten hatten den typischen Hautausschlag – kleine, juckende Bläschen, die platzen und Narben hinterlassen – und das war’s“, erinnert sich der Chefarzt. In der Regel handele es sich zwar um eine unangenehme Erkrankung, aber „keine, die unmittelbar zum Tod führt“.

Je nach dem, an welcher Körperstelle man mit dem Virus in Berührung kommt, können die Folgen aber auch weitreichender sein. Bei einer Übertragung etwa beim Oralsex kann der Rachen anschwellen und zu Luftnot führen. „Dann muss schnell Kortison gegeben werden“, sagt Wendtner. In der Regel bestehe die Therapie aber daraus, die Betroffenen zu isolieren und ihren Hautausschlag mit einer Zinklotion zu behandeln. Diese trocknet die Bläschen aus und sorgt dafür, dass das Virus nicht weiter übertragen werden kann.

Infektionskrankheit Affenpocken: Durch Impfung werden Infektionszahlen sinken

Zudem könne man sich seit Kurzem gegen Affenpocken impfen lassen. Entwickelt wurde der Impfstoff im Raum München. „In der München Klinik Schwabing haben wir bisher etwa 30 Personen geimpft“, sagt Wendtner. Neben Risikopatienten, die eine Immunisierung erhalten wollten, seien darunter auch Klinikmitarbeiter gewesen, die bisher auch keinerlei Pockenimpfung erhalten hatten. „Die Immunisierung schützt ein Leben lang“, betont der Chefarzt. „Darum denke ich, dass die Zahl der Infektionen auslaufen wird.“

Die Statistiken geben ihm bislang recht: Seit August ist die Zahl der Affenpocken-Infektionen in Deutschland, wie auch weltweit, rückläufig. Laut Robert-Koch-Institut würden derzeit wöchentlich nur noch Fälle im niedrigen zweistelligen oder einstelligen Bereich gemeldet.

Vakzin aus Umland

Mit „Imvanex“ kann man sich seit Juli 2022 gegen die Affenpocken impfen lassen. Entwickelt wurde das Vakzin von der deutsch-dänischen Firma Bavarian Nordic in Martinsried (Lkr. München) – für das US-Militär. „Nach dem 11. September 2001 war die Sorge vor einem Biowaffen-Angriff groß“, erklärt Heinz Weidenthaler, der bei Bavarian Nordic die Impfstoffentwicklung medizinisch begleitet.

Darum investierten die USA in die Entwicklung des Impfstoffes, der dort unter dem Namen Jynneos seit 2019 gegen die gewöhnlichen und die Affenpocken zugelassen ist. Der Ursprung des Vakzins führt aber zurück nach Bayern: Ein Vorläufer wurde in den 60er- und 70er-Jahren in der Bayerischen Landesimpfanstalt in der Au entwickelt. Heute befindet sich dort die Polizeiinspektion 21.

Im ersten Teil der Serie war die schon fast vergessene Grippe im Fokus. Traditionell startet die große Grippewelle im Herbst nach der Wiesn. Im dritten Teil geht es um die Kinderlähmung Poliomyelitis.

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