Gesundheit: Profi-Sportler Georg Kreiter

Vom Querschnittsgelähmten zum Profi-Sportler

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Georg Kreiter hat es mit eisernem Willen geschafft und ist Profi-Sportler geworden.

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Wenn Georg Kreiter (33) die Piste runtersaust, haben seine Freunde einige Mühe, mit ihm mitzuhalten. Vorstellbar war das lange nicht: Seit einem Motorradunfall vor 16 Jahren ist der Eglinger vom fünften Brustwirbel an abwärts gelähmt. Sechs Tage lag er im Koma. „Als ich dann im Klinikum Harlaching aufwachte konnte ich außer meinem Kopf und dem linken Arm gar nichts bewegen“, erinnert Kreiter sich. Jetzt ist er bei den Paralympischen Spielen in den Disziplinen Super-G, Skikombination und Slalom angetreten. Trotz seiner Querschnittslähmung – aber ein bisschen auch gerade deswegen. Denn vor seinem Unfall spielte Kreiter zwar im Dorfverein Fußball und Eishockey. „Aber Profisport war für mich nie ein Thema.“ 

Seit gut neun Jahren ist das anders: Als Monoski-Fahrer misst sich Kreiter international mit anderen „Paras“. 2015 wurde er in Kanada zwei Mal Weltmeister, den Traum von einer paralympischen Medaille musste Kreiter aber am fünften Wettkampftag in Korea nach einem Sturz beim Slalom vorerst aufgeben. Den Monoski ganz an den Nagel zu hängen, kam Kreiter trotz Rückschlägen wie diesem aber nie in den Sinn: „Der Sport gibt mir einfach extrem viel“, sagt er und meint damit sowohl körperlich als auch mental. „Viele fallen nach so einem Unfall in ein richtiges Loch. Das war bei mir nie so“, sagt Kreiter. Nach drei Wochen im Harlachinger Klinikum durchlief der Eglinger mehrere Monate Rehabilitation im Querschnittzentrum Murnau. „Dort habe ich jeden Tag Fortschritte gemacht, Sportarten wie Rollstuhlbasketball ausprobiert. Das hat mich extrem motiviert.“ 

Es ist das Gefühl der Freiheit, dass ihn weiterkämpfen lässt

Ein Film ist es schließlich, der Kreiter 2002 auf das Monoski-Fahren bringt. Es sollte aber bis 2005 dauern, bis er sich selbst auf die Piste wagte. „Anfangs war es schwierig, das Gleichgewicht zu halten. Aber als ich die ersten Schwünge machen konnte, war ich einfach glücklich.“ Das Gefühl der Freiheit, sich trotz Querschnittslähmung in der Natur bewegen zu können, hat ihn weiterkämpfen und zu einem der besten Monoski-Fahrer der Welt werden lassen. Täglich muss Kreiter dafür trainieren. Im Winter auf der Piste, im Sommer stärkt er mit Kraft- und Ausdauertraining seinen Körper. 

Die Grundlagen dafür werden schon in den ersten Stunden nach einer Verletzung des Rückenmarks gelegt, erklärt Chefarzt Prof. Dr. Georg Gradl vom Klinikum Harlaching (siehe Interview). „Die Ärzte müssen sicherstellen, dass die Patienten in den noch funktionierenden Körperteilen so viel Bewegungsfreiheit und Stabilität wie möglich haben.“ Schon kurz nach der OP wird etwa das eigenständige Sitzen im Rollstuhl geübt. So werde vielen Querschnittpatienten ermöglicht, Breitensport zu betreiben. „Das ist bei jungen Patienten sogar eher die Regel als die Ausnahme. Aber das jemand mit der Diagnose Hochleistungssport betreiben kann, ist äußerst selten.“ Wichtig dafür ist auch die mentale Einstellung. „Das Leben hört mit dem Querschnitt nicht auf“, sei die Losung, die Patienten verinnerlichen müssten. Georg Kreiter hat daran immer geglaubt.

Romy Ebert-Adeikis

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