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Gesundheits- und Trendsports im Hallo-Check ‒ Wie gut ist eigentlich Pilates?

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Von: Kassandra Fischer

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Pilates-Trainerin Gina Mathis beim „Shoulder Roll Down“ am „Cadillac“.
Pilates-Trainerin Gina Mathis beim „Shoulder Roll Down“ am „Cadillac“. © Miss Freckles Photography

Pilates ist keine reine Frauensache. Eine Trainerin erklärt auch, warum die klassische Form nicht fürs Selbsttraining daheim oder für Gruppen geeignet ist.

„Gesund in Serie“ – unter diesem Motto beleuchtet Hallo München wöchentlich Themen der Medizin. Unsere aktuelle Serie widmet sich dem Gesundheitssport. Im Selbstversuch und mit Experten hat Hallo beliebte Aktivitäten und Trends genau unter die Lupe genommen.

Im zweiten Teil erklärt Pilates-Trainerin Gina Mathis, warum die klassische Form nicht fürs Selbsttraining daheim oder für Gruppen geeignet ist.

Gesundheits- und Trendsports im Hallo-Check: Wie gut ist eigentlich... Pilates?  

Ob durch einseitige Bewegungen im Alltag oder Verspannungen nach langem Sitzen vor dem PC: Für Pilates-Trainerin Gina Mathis steht fest, dass regelmäßiges Training zu weniger Beschwerden an der Wirbelsäule führt. Schon Begründer Joseph Pilates soll einmal gesagt haben: „Der Mensch ist so alt wie seine Wirbelsäule.“

Die 32-jährige gebürtige Schweizerin lehrt in ihrem Studio in der Isarvorstadt die klassische Methode nach dem namensgebenden Deutschen. Dafür hat sie ein rund dreijähriges Trainingsprogramm in Berlin und Rotterdam absolviert. Zusätzlich studierte sie Sport und angewandte Trainingswissenschaften.

Pilates ist keine eine reine Frauensache

Gerade bei akuten Schmerzen wie Sportverletzungen, aber auch bei Bandscheibenvorfällen empfehle Mathis das klassische Pilates. Es beinhalte Übungen an verschiedenen Geräten – auch auf der Matte. „Der Trainingserfolg ergibt sich daraus, das ganze Equipment einzubeziehen“, erklärt Mathis. Alle Übungen seien an allen Geräten möglich, dabei gebe es verschiedene Schwierigkeitsstufen.

Das Besondere daran: „Es ist ein ganzheitlicher Trainingsansatz. Alle Muskeln werden gleichzeitig gestärkt und gedehnt.“

Mathis, selbst ehemalige Leistungssportlerin im Eiskunstlauf, hat damals ergänzend mit Pilates angefangen. „Durch das Training habe ich meine Leistungen verbessert, hatte mehr Stabilität auf dem Eis und weniger Verletzungen.“ Als Trainerin hat sie sich auf Profisportler spezialisiert und arbeitet viel mit Eishockey-Spielern zusammen.

Während einer Trainingsstunde bei ihr gebe es eine Reihenfolge von Übungen. „Aber diese wird individuell auf den Kunden abgestimmt.“

Pilates-Trainerin Gina Mathis über moderne Methoden

Anders sei das bei modernen Methoden. Übungen und Geräte sind dabei stark verändert und hätten oftmals nur noch wenig mit dem klassischen Ansatz nach Pilates zu tun. Auch Gruppentraining werde dabei häufig angeboten. „Es fehlt dann aber das System und die Individualität des Trainings dahinter. Die Übungen werden einfach nur in der vorgegebenen Reihenfolge runtergerattert“, gibt Mathis zu Bedenken.

Ein Problem: Pilates ist kein geschützter Begriff. „Man kann einen Wochenend-Kurs machen und sich Pilates-Trainer nennen“, erklärt die Expertin. Von Youtube-Videos rät sie ganz allgemein ab. „Man kann dabei viel falsch machen. Da habe ich schon gehört, dass sich Leute verletzt haben. Dabei geht das eigentlich gar nicht. Pilates ist eine sehr gelenkschonende Trainingsmethode.“

Grundsätzlich werde die klassische Variante als Einzeltraining angeboten und sei eher nicht für zu Hause geeignet – allein aufgrund der benötigten Geräte. „Der Übungsablauf ist außerdem sehr komplex, da braucht man viel Hintergrundwissen.“ Trainiert wird in der Regel zwei Mal pro Woche für je 50 Minuten.

Vorurteile und Vergangenheit

Der gängigste Mythos, der Gina Mathis begegnet: Pilates sei nur etwas für Frauen. „Das stimmt aber nicht“, betont sie. „Pilates ist für jeden. Frau oder Mann, jung oder alt, Profisportler oder Rechtsanwalt.“ Sie selbst trainiere sogar mehr Männer als Frauen. Was viele nicht wissen: Joseph Pilates entwickelte die Trainingsmethode einst für Soldaten und lehrte sie an Polizeischulen. Erst später kamen immer mehr Tänzerinnen dazu. „Ich schätze, dadurch kam das Vorurteil.“ Ebenfalls nicht korrekt sei der Mythos, dass Yoga und Pilates quasi dasselbe sind. „Das sind komplett unterschiedliche Ansätze und Methoden“, betont Mathis. „Eines der Hauptziele ist die Kräftigung des Körpers mit gleichzeitigem Dehnen. Pilates ist ein ganzheitliches Krafttraining.“ Yoga werde häufig zur Entspannung und Meditation gemacht. „Vielen denken das auch über Pilates.“ Das stimme jedoch nicht. 

Im ersten Teil zeigt Nordic-Walking-Trainerin Katrin Wurster die Vorteile und Hürden des besonderen Gehsports Nordic Walking auf. Im dritten Teil widmet sich Hallo dem Spazierengehen und warum es oftmals überschätzt wird.

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