Handwerk: Die jungen Macher

Neues Berufsfeld mit Spannung

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Christian Nowotny von der Kfz-Innung erklärt den Azubis im Elektrozentrum, wie ein Elektromotor funktioniert.

München – Das Handwerk in und um München boomt: Für den Kfz-Mechtroniker hat sich die Tätigkeit zuletzt stark verändert – auch wegen der Elektromobilität

Über 23 000 Menschen haben dieser Tage eine Ausbildung bei einem bayerischen Handwerksbetrieb begonnen. Anlässlich des internationalen Tag des Handwerks am 15. September sprechen wir mit jungen und alten Meistern über Nachwuchsmangel, Frauen in Männerdomänen & neue Branchen.

Zahlreiche Handwerksberufe haben sich in den vergangenen Jahren stark gewandelt. Insbesondere durch die Digitalisierung, sagt Alexander Dietz von der Handwerkskammer. Das sei durchaus positiv: „Viele Leute interessieren sich für das Digitale. Wenn man das in den Berufsalltag integrieren kann, ist es eine Chance, neue Bewerber zu gewinnen.“ Vor allem beim Auto hat sich in der jüngsten Vergangenheit viel getan. Deshalb wurde die Ausbildung neu organisiert.

„Früher hat der Kfz-Mechaniker in seiner Ausbildung alles gemacht. Aber wenn Sie heute in jede Fachrichtung gehen, ist das viel zu viel. Das bekommen Sie in dreieinhalb Jahren nicht unter“, sagt Christian Nowotny, stellvertretender Leiter des Berufsbildungszentrums bei der Kfz-Innung. Der Grund ist, dass sich inzwischen die Technik in den verschiedenen Fahrzeugentypen (Motorrad, Auto, Traktor, Bus) erheblich unterscheidet, sodass für jeden ein Spezialist notwendig ist.

Außerdem kam mit der Elektromobilität ein neuer Bereich dazu. Die Kfz-Innung hat dafür 2013 ein Elektrozentrum in Garching eröffnet. „Die Lehrlinge müssen den Umgang mit anderen Werkzeugen und Bauteilen lernen“, sagt Nowotny. Vor allem müssten die Ausbilder aber ein Bewusstsein für die Gefahren der Fahrzeuge wecken. „Die Hochspannungsnetze in Elektroautos sind lebensgefährlich.“ Bereits vor 20 Jahren bot die Innung Fortbildungen an. Damals waren es rund 16 Teilnehmer im Jahr, heute machen alle 700 Azubis einen Kurs im Elektrozentrum. Auch in den konventionellen Bereichen habe sich die Arbeit verändert. Während der Kfz-Mechatroniker früher viel selbst tüfteln musste, helfen heute moderne Geräte.

Andreas Schwarzbauer

Alles neu!

Früher gab es eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker, die nur die Bereiche Elektrik und Mechanik umfasste. 2013 änderte sich die Ausbildungsordnung aufgrund der technischen Weiterentwicklungen der Fahrzeuge. Die Ausbildung dauert dreieinhalb Jahre. Die ersten beiden Jahre dienen der Vermittlung von Grundlagen für Service- und Wartungsarbeiten in den Werkstätten.

Dabei lernen die Auszubildenden auch den Bereich Hochvolttechnik kennen und können danach einen Motor spannungsfrei schalten. Im dritten Lehrjahr müssen sich die Azubis spezialisieren und können zwischen fünf Schwerpunkten wählen: Motorrad-, Personenkraftwagen-, Nutzfahrzeug-, Karosserie- sowie System- und Hochvolttechnik. Sie steigen nun tiefer in die Materie ein und lernen beispielsweise das Arbeiten an Batterien.

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