Münchens neue Quartiere: Die Zschokkestraße in Laim

Neue Wohnwelten statt der blauen Flotte am Busbahnhof

+
Derzeit befinden auf dem Areal rund 250 Gelenkbuseinheiten der MVG, Kinderbetreuungseinrichtungen sowie provisorische Bauten, in denen Geflüchtete wohnen.

Laim – An der Zschokkestraße entstehen Wohnungen und eine Grundschule, Kitas, Geschäfte, ein Park, ein ASZ sowie eine Einrichtung für Kinder- und Jugendliche

Kreativ, modern, innovativ und versehen mit dem gewissen Etwas. In dieser Serie gibt Hallo einen tiefen Einblick in Münchens ganz neue Quartiere.

Das neue Quartier an der Zscjokkestraße im Stadtviertel Laim umfasst eine Fläche von 8,7 Hektar und bietet Platz für rund 2400 Bewohner in 1050 Wohnungen. Weitere Informationen unter: https://bit.ly/2EN5kVi

Einst war auf dem Gelände südlich der Zschokkestraße zwischen Westend- und Hans-Thonauer-Straße ein Trambahndepot, derzeit wird es unter anderem als Busbetriebshof der MVG genutzt – künftig wird dort ein Wohnpark entstehen. Etwa 1000 Wohungen, Nahversorgungseinrichtungen, Büros, eine Grundschule und vier Kitas sollen auf dem 8,7 Hektar großen Areal Platz finden. 2017 kürte eine Jury den gemeinsamen Entwurf des Münchner Architektenbüros Laux und den Studios Vulkan Landschaftsarchitektur Zürich zum Sieger des Architekten-Wettbewerbs. Bisher war das Architektenbüro Laux nicht mit Planungsleistungen beauftragt. Jetzt die gute Nachricht, wie Architekt Gunther Laux erklärt: „Wir starten nächste Woche, die Stadt plant eine zügige Realisierung des Quartiers.“

Architekt Gunther Laux (rechts) erklärt: „Wir starten nächste Woche, die Stadt plant eine zügige Realisierung des Quartiers.“

Im Zentrum des Areals steht ein Z-förmiger Quartierspark – eine Grünverbindung zwischen der Siedlung „Alten Heimat“ und dem neuen Stadtplatz. Umrahmt wird der Park von Zierkirschen, Bürger können auf einer Promenade flanieren. Um den Park herum sind drei Nachbarschaften angeordnet, mit jeweils fünf- bis achtgeschossigen Wohngebäuden. Im Inneren werden keine Autos fahren – die Häuser können nur von außerhalb des Quartiers angefahren werden. Stellplätze gibt es in Tiefgaragen.

Zur Wohnbebauung gehören auch gemeinschaftlich genutzte Höfe, Dachterassen und Spielmöglichkeiten für kleinere Kinder. In jeder der drei Nachbarschaften entsteht eine Kindertagesstätte, eine weitere ist im nördlichen Teil des Areals geplant. Dort werden auch eine Grundschule mit Pausenhof und eine Dreifachsporthalle mit Rasenspielfeld auf dem Dach gebaut.

Vom neuen Stadtplatz im Osten aus durchkreuzt der Z-Park das Quartier

2017 kürte eine Jury den gemeinsamen Entwurf des Münchner Architektenbüros Laux und den Studios Vulkan Landschaftsarchitektur Zürich zum Sieger des Architekten-Wettbewerbs.

Daran angrenzend, an der Kreuzung Zschokkestraße/Westendstraße soll der Treffpunkt des Quartiers, der Stadtplatz entstehen. Zwei Hochhäuser sind dort geplant: Zum einen ein zehngeschossiges Hotel – zum anderen ein 17-geschossiges Bürohaus mit einem Alten- und Service-Zentrum im Erdgeschoss. An den Platz grenzt der Z-Park an, der das Quartier durchkreuzt und an der anderen Seite, an der Kreuzung Hans-Thonauer-Straße/Barmerstraße vor einem grünen Quartiersplatz abschließt. 

Eins steht fest: An Grünflächen soll es dem neuen Quartier nicht mangeln.

Und auch die Stadt selbst möchte auf dem Areal unterkommen: „Verhandlungsziel ist, dass auf dem Quartier auch ein Verwaltungsstandort entsteht“, erklärt Birgit Unterhuber vom Kommunalreferat. Genaueres wisse man jedoch erst Ende des Jahres, da bis dahin noch das Umlegeverfahren läuft. Rund 30 Prozent des Geländes gehören der Stadt, die weiteren 70 Prozent sind verteilt: die Hauptanteile tragen die Stadtwerke, etwa 1800 Quadratmeter sind im Eigentum der Eisenbahner-Baugenossenschaft München-Hauptbahnhof.

Bis 2020 soll die blaue Flotte der MVG an den Georg-Brauchle-Ring umziehen. Wenn das Gebäude dann abgebrochen ist, wird das Areal in mehreren Bauabschnitten bebaut. 

Daniela Borsutzky

Wohin mit den Kindern und Jugendlichen?

Im ursprünglichen Architektenentwurf war an der Kreuzung Hans-Thonauer-Straße/Barmerstraße ein Haus für Kinder und Jugendliche vorgesehen. Da es an Aufenthaltsflächen für Jüngere im Viertel mangelt, war eigentlich geplant, diese in dem neuen Quartier ausreichend zu berücksichtigen, unter anderem waren auch ein Bolz- und Streetballplatz vorgesehen. 

Das Quartierszentrum wird nicht mit Autos befahrbar sein.

Doch: In der Beschlussvorlage für den Kinder- und Jugendausschuss des Stadtrats, der am Dienstag, 6. November, tagt, ist die Rede von einer offenen Einrichtung in einem Wohngebäude. Im Erdgeschoss sollen auf 450 Quadratmetern Sechs- bis 18-Jährige unterkommen, vor der Tür gibt es außerdem eine Freifläche mit weiteren 300 Quadratmetern.

Bei den Laimer Lokalpolitikern stieß das auf Kritik, diese „Minimal-Lösung“ sei nicht akzeptabel. Außerdem sei in den vorliegenden Ausführungen nicht ersichtlich, wo genau im Quartier das Kinder- und Jugendhaus überhaupt situiert sein solle.

Digitale Senioren

Noch befindet sich das Laimer Alten- und Service Zentrum (ASZ) am Kiem-Pauli-Weg. Doch bald zieht es in das neue Quartier in der Zschokkestraße um.

Noch befindet sich das Laimer Alten- und Service Zentrum (ASZ) am Kiem-Pauli-Weg. Im Zuge der Sanierung der Siedlung „Alte Heimat“ muss es abgerissen werden, ein Neubau ist im nebenan gelegenen Quartier Zschokkestraße vorgesehen: Es soll ins Erdgeschoss eines 17-geschossigen Bürohauses auf dem neuen Quartiersplatz einziehen. Seit diesem Jahr vertritt Konrad Stöckl (65) die Interessen der Laimer Senioren, das ASZ ist somit seine zweite Heimat.

Der ehemalige Kriminalbeamte ist ein Junggebliebener: „Es ist wichtig mit der Zeit zu gehen“, sagt Stöckl. Seinen Schwerpunkt in der Seniorenarbeit setzt er im Netzwerken. „Vieles geht heutzutage nur noch online – oder zumindest online schneller“, weiß der Laimer und fände es daher toll, wenn das neue ASZ dementsprechend mit EDV ausgestattet werden würde.

Ziel des neuen Quartiers ist, die unterschiedlichen Generationen zusammenzubringen. 

Einen Vorschlag, wie man die Computer-Kompetenz der Senioren fördern könnte, hat Stöckl ebenfalls: „In dem neuen Quartier wird Jung und Alt zusammenkommen. Kinder und Jugendliche könnten den Senioren beibringen, wie man PC und Internet nutzt – dafür könnten die Älteren den Jüngeren Lebenserfahrung, Kochen oder Handarbeit vermitteln.“

Bis es aber soweit ist, dauert es noch eine ganze Weile: „Ich vermute, dass uns das aktuelle ASZ auf jeden Fall noch fünf Jahre, eher zehn, erhalten bleiben wird“, sagt Stöckl.

Daniela Borsutzky

Auch interessant:

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Fahrradfahren auf dem Gehweg: sicher oder lebensmüde?
Fahrradfahren auf dem Gehweg: sicher oder lebensmüde?

Kommentare