Hier altert München besser

Volkskrankheiten im Alter – Neue Fachstelle für die Gesundheit von Menschen ab 65 Jahren

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Die neue Fachstelle „Gesund im Alter“ wird im Referat für Gesundheit und Umwelt in der Bayerstraße angesiedelt.

In München wurde eine neue Fachstelle "Gesundheit im Alter" eröffnet. Sie soll sich um die Leiden der Älteren kümmern. Wie das genau funktioniert, erfahren Sie hier...

„Gesund in Serie“ – unter diesem Motto beleuchtet Hallo München wöchentlich Themen der Medizin. In den letzten Wochen ging es um Leiden, die besonders Ältere häufig plagen. Ein Thema, das auch die neue Fachstelle „Gesundheit im Alter“ der Stadt München beschäftigt.

Das ist bundesweit einzigartig: In Zukunft wird München eine eigene Fachstelle für „Gesundheit im Alter“ haben, angegliedert an das Referat für Gesundheit und Umwelt in der Bayerstraße.

Die entsprechenden finanziellen Mittel für eine Vollzeitstelle hat der Stadtrat kürzlich beschlossen. Damit könne auf die Anforderungen an das Gesundheitssystem, die mit der zunehmenden Anzahl älterer Münchner einhergehen, flexibel reagiert werden. 

Außerdem sollen Modelle entwickelt werden, damit viele Menschen auch am Lebensabend möglichst lange ohne oder nur mit geringen gesundheitlichen Einschränkungen leben können. Warum sie eingeführt wird und was dort angepackt werden soll, erklärt Gesundheitsreferentin Stephanie Jacobs.

Gesundheitsreferentin Stephanie Jacobs.

Frau Jacobs, warum braucht München überhaupt eine Fachstelle für die Gesundheit von älteren Menschen? 
Es handelt sich um eine heterogene Bevölkerungsgruppe mit unterschiedlichen Voraussetzungen, Möglichkeiten und Bedarfslagen. Faktoren wie die materielle Lage, soziale Inte­gration, individueller Lebensstil, persönliche Ressourcen, aber auch geschlechtsspezifische Aspekte beeinflussen nicht nur den Gesundheitszustand im Alter. Sondern auch das Gesundheitsverhalten, die Symptomwahrnehmung und das Krankheitsverständnis sowie die Inanspruchnahme und den Zugang zu Gesundheitsleistungen.

Welche Probleme hat die Fachstelle dabei besonders im Auge? 
Vor allem im „hohen“ Alter ab 80 Jahren steigen die Risiken für Mehrfacherkrankungen an. Dieses multimorbide Krankheitsbild stellt das Gesundheitssystem vor neue Herausforderungen. 

Wie viele Personen in München betrifft das etwa? 
Schätzungen gehen davon aus, dass 60 Prozent der über 65-jährigen mit drei oder mehr chronischen Erkrankungen leben müssen.

Was kann die Fachstelle für ältere Menschen konkret tun? 
Grundsätzlich soll die Fachstelle die in München vorhandene gesundheitsbezogene Angebotsstruktur für ältere und alte Münchner im Hinblick auf mögliche Versorgungslücken analysieren. 

Das betrifft sowohl die Gesundheitsförderung als auch medizinische Angebote. Darauf aufbauend soll sie Maßnahmen entwickeln und fördern, um die Versorgung dieser Zielgruppe zu verbessern. Dies kann auch bedeuten, Zugangsbarrieren für bestimmte Zielgruppen abzubauen. Zwei konkrete Projekte hat uns allerdings der Stadtrat schon mit auf den Weg gegeben.

Und zwar? 
Die Fachstelle soll die Digitalisierung des Seniorenstadtplans als App sowie die Entwicklung einer eigenen Münchner Senioren- und Gesundheitsapp prüfen. Letztere soll alle relevanten Informationen über das Versorgungsangebot in München für alte Menschen bereitstellen können. 

Bereits bestehende Apps oder Internetseiten werden hier natürlich berücksichtigt. Im Idealfall kann eine solche App ein täglicher Begleiter für Fragen der Gesundheitsförderung und Versorgung im Alter werden. 

Interview: Romy Ebert-Adeikis

So viele Ältere leben in München

Bereits jetzt leben 270 000 Menschen über 65 Jahre in München, etwa 17 Prozent der Stadtbevölkerung (Stand: 2017). Davon sind 138 000 sogar älter als 75 Jahre. Prognosen zufolge werden es bis 2040 noch etwa 58 000 Personen mehr werden. Dadurch nimmt auch die Zahl Älterer zu, die ein Handicap haben. 

Bereits Ende 2016 war mehr als die Hälfte der Münchner mit Beeinträchtigung 65 Jahre oder älter. Auch der Anteil an Älteren mit Migrationshintergrund steigt. Das kann problematisch sein – etwa, wenn durch eine Krankheit wie Demenz die deutsche Sprache verlorengeht.

Haben wir ihr Interesse geweckt? Mehr spannende Serie finden Sie in unserer Übersicht.

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